Montag, 20. Mai 2019

Kein Platz für Kinder!

Ausgabe 2014.04

Für schwer kranke Kinder gibt es in Österreich kaum Rehaplätze. Laut vieler Experten ist das vor allem eines: eine Schande.


Foto: Can Stock Photo Inc. - frantab

Der zwölfjährige Timo M. leidet an einem bösartigen Knochenkrebs. In seinem jungen Alter musste er sich bereits mehreren Operationen und einer Chemotherapie unterziehen. Nach sieben Monaten im Gipskorsett muss er das Gehen neu erlernen. Anstatt nun in einer Rehabilitationsklinik eine aufeinander abgestimmte, medizinische und physiotherapeutische Betreuung zu bekommen, wird Timo nach Hause entlassen. Wäre er ein erwachsener, übergewichtiger Diabetiker, hätte er Anspruch auf einen Reha-Platz. Aber als Kind?

Rehabilitation als Hilfe. Nach langen Krankheiten, Operationen oder Unfällen ist „Reha“ ein unverzichtbarer Bestandteil der Therapie. Doch Kinderrehabilitation ist in Österreich immer noch größtenteils nicht möglich – aus Kostengründen. „Dies ist besonders tragisch, weil Kinderrehabilitation eine lebenslange Wirkung erzielen kann“, erklärt Prim. Prof. Dr. Reinhold Kerbl, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) und Vorstand der Abteilung für Kinder und Jugendliche im Krankenhaus Leoben. „Durch Verhinderung von chronischer Krankheit, dauerhafter Invalidität, späterer Arbeitsunfähigkeit und dergleichen hätte gerade eine Kinderreha eine günstige Kosten-Nutzen-Relation für den Staat“, gibt er zu bedenken. Tatsächlich stehen 9.000 Reha-Plätzen für Erwachsene gerade einmal 52 Plätze für Kinder gegenüber. Einrichtungen mit pädagogischer und psychologischer Begleitung, wie in Deutschland längst etabliert, gibt es hierzulande kaum. Für bestimmte Erkrankungen wie Kinderrheuma, Herzerkrankungen und Krebserkrankungen bei Kindern gibt es in Österreich kein einziges Reha-Bett. Im Falle einer Krebserkrankung müssen österreichische Kinder und Jugendliche für ihren Reha-Aufenthalt nach Deutschland reisen. Das bedeutet für die Familien nicht nur einen großen zeitlichen Aufwand, sondern auch finanzielle Belastung. Doch auch für jene Kinder, deren Eltern sich mehrere Wochen freinehmen können und genug Geld für einen längeren Auslandsaufenthalt haben, ist eine Genesung in einer ausländischen Reha-Einrichtung noch nicht garantiert. Diese ist nur dann möglich, wenn das Kind eine Krankheit und keine geburtsbedingte Behinderung hat. Diese ist nämlich nicht Sache der Sozialversicherungen, sondern Sache der Länder. Und hier liegt das Problem: Die Entwicklung eines österreichischen Gesamtplans für Kinder- und Jugendrehabilitation wurde bislang durch einen Streit über die Zuständigkeit behindert. Während angeborene Erkrankungen in die Zuständigkeit der Bundesländer fallen, ist die Rehabilitation erworbener Erkrankungen Aufgabe der Sozialversicherungen. In den Jahren 1999 und 2004 wurden zwar „Kinderrehabilitationspläne“ erstellt, sie wurden jedoch nie realisiert. Dies droht nun auch dem Kinderrehabilitationsplan aus dem Jahr 2011!

Verstoß gegen UN-Kinderrechte. In letzter Zeit bieten aus der Not heraus diverse Reha-, Kur- und Wellnesseinrichtungen „auch Kinderrehabilitation“ an. Es ist jedoch nicht sinnvoll, diese als „Anhängsel“ zu beispielsweise Schlaganfallpatienten und Hüftoperierten (in der Regel also älteren Menschen) zu führen. „Rehabilitationseinrichtungen für Kinder müssen eigenständige, auf Kinder und Jugendliche ausgerichtete Zentren sein“, so Kerbl. Für Experten wie Kerbl ist es unvorstellbar, dass man die vergleichsweise geringen Kosten für Kinderrehabilitation in Österreich derzeit nicht aufbringen kann bzw. will. „Dies ist eigentlich ein Verstoß gegen die UN-Kinderrechte, da Kinder einen Anspruch auf die bestmögliche Gesundheitsversorgung haben“, sagt Kerbl. Und: „Die vollständige Umsetzung des Kinderrehabilitationsplans würde österreichweit jährlich netto ca. 15 Millionen Euro kosten. Dies entspricht jenen Kosten, die Österreich alle drei Tage für die Verlustabdeckung der HYPO ALPE ADRIA ausgibt!“

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