Mittwoch, 18. September 2019

Kein Kinderspiel!

Ausgabe 2019.04

Kinderkrankheiten sind meist hoch ansteckend und können schwere Folgen nach sich ziehen. Obwohl zum Großteil Kinder davon betroffen sind, erkranken auch Erwachsene daran.


Foto: iStock-1124498366_by-studio

 

Die Masern-Epidemie in Graz Anfang des Jahres sorgte landesweit für Aufsehen: Ein 15-jähriger Bursche steckte zahlreiche Kinder, darunter auch Säuglinge, mit der Krankheit an. Insgesamt 28 Babys mussten stationär behandelt werden. Kurz darauf wurde einem Fünftel der Schüler einer Volksschule für rund 14 Tage Schulverbot erteilt, da sie Kontakt mit einem erkrankten Buben hatten. Einmal mehr wurde deutlich, dass Masern nicht verharmlost werden dürfen: Zu den häufigsten Komplikationen zählen Durchfall, Bronchitis, Mittelohrentzündung sowie eine Lungenentzündung. Selten, aber doch kann es zu einer schweren Entzündung der Hornhaut des Auges sowie einer (im schlimmsten Fall tödlichen) Gehirnentzündung kommen. Zudem kann eine Maserninfektion noch Jahre später zu schweren Folgekrankheiten führen. „Masern ist eine der bedrohlichsten Krankheiten im Kindesalter“, betont der Wiener Kinderarzt Dr. Peter Voitl.

Bitte ernst nehmen!
Masern zählen zu den sogenannten „Kinderkrankheiten“. Streng genommen sei dieser Begriff aber überholt, meint Voitl: „Er bezeichnet im Grunde eine Reihe von Erkrankungen, die mit hohem Fieber und Ausschlag einhergehen. Sie sind hoch ansteckend und treten deshalb vor allem im Kindesalter auf, da zu diesem Zeitpunkt das Immunsystem noch nicht völlig ausgereift ist – daher auch der Name.“ Apropos: Bei Kinderkrankheiten handelt es sich keinesfalls um ein Kinderspiel, betont der Experte: „Die Gefährlichkeitsstufen der einzelnen Kinderkrankheiten sind sehr differenziert zu betrachten. Viele davon verlaufen in der Regel harmlos, aber schwere Komplikationen sind nicht auszuschließen. Allen voran bei immungeschwächten Kindern oder Säuglingen kann der Verlauf schwerer als üblich sein.“ Ausgelöst wird der Großteil der Kinderkrankheiten (u. a. Masern, Mumps und Windpocken) durch Viren. „Hier gibt es nach wie vor keine wirksame Therapie, es wird vor allem symptomatisch behandelt“, erklärt der Kinderarzt. Handelt es sich bei den Erregern um Bakterien, wie bei Scharlach, Tetanus oder Diptherie, leisten in der Regel Antibiotika gute Dienste. „Egal ob Viren oder Bakterien hinter der Erkrankung stecken: Das betroffene Kind muss aufgrund der großen Ansteckungsgefahr abgeschirmt werden!“, warnt Voitl.

Impfungen wirken
Der beste Schutz gegen Kinderkrankheiten, die durch Viren ausgelöst werden, ist eine Impfung. „Leider sind nach wie vor viel zu wenig Österreicherinnen und Österreicher vor Kinderkrankheiten ausreichend geimpft und somit geschützt“, beklagt Voitl. Unverantwortlich, ist der Arzt überzeugt, denn: „Mit einer Impfung schützt man nicht nur sich selbst, sondern auch seine Umwelt.“ Die Journalistin Karin Pollack findet im Standard noch deutlichere Worte: „Wer Impfen ablehnt, ist gegen die Gesellschaft und die Menschen, die da gemeinsam leben.“ Dass Impfungen schwere Krankheiten als Nebenwirkung auslösen könnten, sei nichts mehr als ein ärgerlicher Mythos, betont Voitl: „Es gibt keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass beispielsweise ein Zusammenhang zwischen einer Masernschutzimpfung und Autismus besteht.“ Auch Kombi-Impfungen wie Masern-Röteln-Mumps seien nicht nur nicht gefährlicher als Einzel-Impfungen, sondern sogar notwendig, erklärt der Kinderarzt: „Es gibt bestimmte Zeitfenster, in denen Grundimpfungen am besten wirken.“ Tipp: Auf www.gesundheit.gv.at finden Sie den aktuellen (und offiziellen) österreichischen Impfkalender für Kinder.

Keine Frage des Alters
Wer im Kindesalter eine Kinderkrankheit durchgemacht hat, besitzt eine lebenslange Immunität. Das gilt jedoch nicht für jene Krankheiten, die durch Bakterien ausgelöst wurden: „Hier ist eine mehrmalige Ansteckung im Laufe des Lebens möglich.“ Prinzipiell gilt: Kinderkrankheiten können in jedem Alter auftreten. „In den letzten Jahren erkrankten immer mehr Erwachsene an Keuchhusten, Masern, Mumps und Feuchtblattern“, gibt Voitl zu bedenken. In der Regel verläuft solch eine Infektion im Erwachsenenalter schwerer und komplikationsreicher, da mit einem stärkeren Immunsystem auch eine stärkere Abwehrreaktion einhergeht, erläutert der Experte und rät: „Lassen Sie Ihre Impfungen auffrischen! Ist der Impfpass verloren gegangen, fragen Sie bei Ihrem Hausarzt nach. Dieser weiß über Ihre Impfungen Bescheid.“ Auch Impflücken müssen geschlossen werden, um einen vollständigen Schutz zu garantieren: Diese entstehen, wenn sich im Körper nicht mehr genug Antikörper gegen die Krankheit befinden, zum Beispiel aufgrund der fehlenden Nachimpfung bzw. unregelmäßigen Auffrischungen. Ein Impfschaden durch ein „Zuviel-Impfen“ hingegen nicht möglich, erklärt Voitl. 

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