Montag, 19. August 2019

Kalt erwischt

Ausgabe 11/2009
Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Fieber und Gliederschmerzen. Doch wann ist es ein harmloser Schnupfen und wann die echte Grippe? GESÜNDER LEBEN erklärt Ihnen den Unterschied.

Foto: Joanna Zielinska - Fotolia.com
Eigentlich sollten wir alle es wissen und darauf vorbereitet sein, doch wie jedes Jahr kommt die Kälte dann doch überraschend, und die herumschwirrenden Keime erwischen uns im wahrsten Sinne des Wortes kalt: Kleinkinder erkranken durchschnittlich 13-mal pro Jahr, Erwachsene zwei- bis dreimal. Doch wann dürfen Sie sich Präparate aus der Apotheke selbst verschreiben und mit bewährten Hausmitteln für mehr Wohlbefinden sorgen und wann sollten Sie keinesfalls auf Selbstmedikation setzen und schnell zum Arzt gehen? Oft ist die Unterscheidung zwischen Schnupfen und Grippe gar nicht so einfach.

Der harmlose Schnupfen
Erst das vielsagende Kratzen im Hals, der Niesreiz und die Abgeschlagenheit, dann der ganz große Schnupfen, der Husten und schließlich noch Halsweh und Heiserkeit. Kopfschmerzen, erhöhte Temperatur oder sogar Fieber komplettieren das Erscheinungsbild einer klassischen Erkältungskrankheit: lästig und unangenehm, aber letztlich harmlos. Von einem einfachen Schnupfen, dem sogenannten grippalen Infekt, erholt man sich rasch und Komplikationen sind selten.

Gefahr durch die echte Grippe
Ganz im Gegensatz dazu die „echte Grippe“ (Influenza): „Auch sie wird zwar wie die Erkältung über eine Tröpfcheninfektion durch Husten, Niesen etc. übertragen, aber das Influenzavirus wird in die Lunge eingeatmet, setzt sich dort fest, vermehrt sich und führt zu einer akuten Infektion des Atemtraktes“, sagt der Allgemeinmediziner Dr. Michael Burgmann. „Je nach Virenstamm kann die echte Grippe ein lebensgefährliches Krankheitsbild verursachen.“ An diesen Symptomen erkennen Sie, dass es ernst wird: Plötzlich einsetzendes hohes Fieber, trockener Husten, schweres Krankheitsgefühl und quälende Gliederschmerzen zählen zu den typischen Anzeichen für eine Influenza, die sechs bis acht Wochen dauern kann und an der weltweit jährlich zwischen 10 und 15 Prozent der Bevölkerung erkranken.

Wer soll sich impfen lassen?
Die Experten plädieren daher vehement für die jährliche Grippe-Impfung. „80 bis 90 Prozent der Geimpften sind geschützt, und wenn die Erkrankung doch ausbricht, so verläuft sie deutlich weniger massiv und beeinträchtigend“, erklärt Burgmann. Die günstigste Zeit für die Impfung ist von September bis November; hat man das versäumt, so ist ein späterer Zeitpunkt natürlich auch möglich. Fragt sich nun, wer eine Influenza-Impfung braucht. Für den Allgemeinmediziner ist klar: „Idealerweise sollten alle Personen gegen Influenza geimpft werden.“ Nach den Empfehlungen des Obersten Sanitätsrats insbesondere aber:
  • Kinder ab dem 7. Lebensmonat,
  • Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter Gefährdung infolge eines Grundleidens (chronische Lungen-, Herz-, Kreislauf-, Nieren- bzw. Stoffwechselkrankheiten, Immundefekte),
  • alle Personen über 50 Jahre sowie Betreuungspersonen (z. B. in Spitälern, Altersheimen und im Haushalt) von Risikogruppen (z. B. kranke Kinder, Altersheimbewohner) und Personal mit häufigen Publikumskontakten.
  • Als „Reiseimpfung“ wird sie empfohlen für alle Reisenden in Epidemiegebiete.

Welche Medikamente helfen?

Wenn es einen aber doch erwischt hat? Dann heißt es ab ins Bett – und im Idealfall erst wieder aufstehen, wenn Sie wieder gesund sind.

Handelt es sich um eine Influenza, sollten Sie den Hausarzt rufen, dieser kann Ihnen ein Medikament verschreiben, das sich gegen das Grippevirus richtet und den Krankheitsverlauf abschwächen kann. Burgmann: „Der Einsatz sogenannter antiviraler Medikamente bei einer Influenza ist sinnvoll und sollte so früh wie möglich – innerhalb von 48 Stunden – nach Auftreten der ersten Symptome erfolgen.“

Bei „einfachen“ Erkältungen machen diese Medikamente keinen Sinn. Der Arzt kann Ihnen aber Antibiotika verschreiben, wenn es Hinweise auf eine bakterielle Infektion gibt (z. B. bei Vorliegen einer Lungen- oder Mittelohrentzündung).

Was sie sonst tun können
„Schmerzstillende, schleimhautabschwellende und hustenreizlindernde Medikamente haben alle ihre Limitationen“, warnt der Allgemeinmediziner und erklärt:
  • Nichtsteroidale Antirheumatika und Analgetika wirken zwar gut schmerzstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend, doch nehmen sie dem Patienten auch den wichtigen Abwehrmechanismus des Fieberns und haben mitunter unerwünschte Nebenwirkungen.
  • Auch abschwellende Nasensprays sind sehr gut wirksam, man sollte sie aber immer nur kurzfristig anwenden, denn sie trocknen die Schleimhaut aus und bergen zudem auch ein Gewöhnungs- bzw. Suchtpotenzial.
  • Ebenso ist bei hustenreizstillenden Präparaten Maßhalten angesagt, denn sie können das wichtige Aushusten des Sekrets behindern.

Grundsätzlich rät Mediziner Burgmann allen seinen Patienten, gut vorzusorgen: „Dopen Sie Ihr Immunsystem mit viel Bewegung und richtiger Ernährung. Dann haben Sie gute Chancen, den Winter gesund zu überstehen.“




Ernst oder harmlos?
Influenza (= GRIPPE) Erkältung (= SCHNUPFEN, GRIPPALER INFEKT)
- Plötzlich einsetzendes
hohes Fieber (38–40 °C)
- Sonstige Symptome: Abgeschlagenheit,
Muskel- und Gliederschmerzen,
trockener Husten, Kopfschmerzen,
in seltenen Fällen auch Übelkeit,
Erbrechen und Durchfall
- Taschentuchverbrauch: sehr gering            
- Schleichender Beginn,
leichteres Fieber: 37–39 °C
- Sonstige Symptome: Alle anderen
Krankheitszeichen können ebenfalls
auftreten, meist aber schwächer;
wesentlicher Unterschied: stark
rinnende Nase
- Taschentuchverbrauch: extrem hoch




Die besten Hausmittel bei Schnupfen
Essigpatscherln, Topfenwickel & Co – bei einer echten Grippe sind sie fehl am Platz, sie können auch keine Erkältung heilen, aber „Großmutt ers Geheimtipps“ tun gut und können die Beschwerden lindern.

Stärkt Leib & Seele
  • Geheimtipp Hühnersuppe: Sie muss selbstgemacht sein, dann kann sie kleine Wunder bewirken. Das ist  mittlerweile auch wissenschaftlich belegt: Entzündungszellen werden blockiert, enthaltenes Cystein bringt Schleimhäute zum Abschwellen, auch Zink hilft gegen Infekte. Wer Chili oder Ingwer mitkocht, steigert noch die Wirkung!

Viel trinken wirkt Wunder

  • Schwitzkuren mit „Fiebertees“: Lindenblüten- oder Hollerblütentees sind die Klassiker. Heiß trinken!
  • Kräutertees: Sie können einen Reizhusten dämpfen (z. B. Hustentees mit Thymian, Eibisch, Malvenblüte …) oder Schleim lösen (z.B. Huflattich, Wollblume, Süßholz). Praktisch sind fertige Teemischungen aus der Apotheke.
  • Zwiebeltee: Wirkt schleimlösend und enthält viel Vitamin C. Eine Zwiebel in Scheiben schneiden und 5 Min. in einem 1/2 l Wasser köcheln lassen. Den Sud durch ein Sieb abseihen und mit Honig süßen. Bis zu 4 Tassen täglich trinken – möglichst heiß!
  • Ingwer für das Immunsystem: Eine etwa 3 cm große Ingwerknolle reiben, in 1/4 l Wasser aufkochen, 5 Min. abgedeckt ziehen lassen, mit Zitrone und Honig abschmecken.

Balsam Für wunde Kehlen

  • Topfenwickel: kühlt, wirkt abschwellend und lindert Schmerzen. 500 g Topfen auf ein dünnes Baumwolltuch streichen. Das Tuch zu einem Schal falten, auf der Heizung  erwärmen und um den Hals legen. Darüber ein dickes Handtuch (tragen, bis der Wickel getrocknet ist).
  • Gurgeln mit Salbei: hilft gegen Entzündungen. 2 TL Salbeiblätter in 1/2 l Wasser aufkochen, 15 Min. zugedeckt ziehen lassen. Mehrmals tägl. 5–10 Min. intensiv gurgeln – immer ausspucken!

Erkältungsbäder

  • Bäder mit Zusätzen aus Eukalyptus, Latschenkiefer, Fichtennadel und Edeltanne lindern Gliederschmerzen. Ihre ätherischen Öle lösen Sekret aus Nasen und Bronchien. Für 10 min. in 38 °C warmes Badewasser setzen und entspannen. Nicht bei Fieber!

Wieder Frei Atmen nach Inhalationen

  • Inhalation mit Kochsalzlösung: befeuchtet die Atemwege, erleichtert das Atmen. 1 gehäufter TL Kochsalz auf 1 l Wasser, kalt über mechanischem Vernebler inhalieren.
  • Inhalation mit ätherischen Ölen: wirkt schleimlösend. 2 l Wasser zum Kochen bringen, wenige Tropfen Öl (Thymian, Eukalyptus, Pfefferminz) hinzugeben. Das Gesicht über die Schüssel halten, den Kopf mit einem großen Handtuch abdecken und 10 Min. tief durch die Nase ein- und ausatmen. Vorsicht: Nichts für Kinder – es besteht Erstickungsgefahr!

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