Mittwoch, 17. Oktober 2018

Kälte und Wärme machen gesund!

Ausgabe 2018.02
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Es gibt Menschen, die sich in der Kältekammer so richtig wohlfühlen. Die Finnen können nicht ohne ihre Sauna. Kneipp-Fans schwören wiederum auf ein Wechselbad der Gefühle. Und alle haben recht: Denn sowohl Kälte als auch Wärme werden seit Jahrtausenden zur Behandlung medizinischer Beschwerden und zur Vorbeugung eingesetzt. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie dank Wärme & Kälte gesund bleiben.


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Bereits im alten Ägypten zog man heiße Sandbäder zur Linderung von Schmerzen heran, die Römer setzten auf warme Thermalquellen und der griechische Gelehrte Hippokrates empfahl schon 400 v. Chr. Kälteanwendungen zur Blutstillung. Auch heute noch spielt die positive Wirkung von Wärme und Kälte eine große Rolle und kommt in zahlreichen Variationen bei der Schmerzbekämpfung sowie der Behandlung chronischer und akuter Leiden zur Anwendung. Zusammengefasst werden diese unter dem Begriff Thermotherapie.
Für GESÜNDER LEBEN beleuchtet der Experte, wann Kälte und wann Wärme hilft, und erklärt die Anwendungsgebiete der wichtigsten Methoden.

Die Menschen wenden dieses Prinzip ohnehin oft intuitiv an“, erklärt Prim. Dr. Christian Wiederer, Facharzt für physikalische Medizin und ärztlicher Leiter des Kurhauses Bad Gleichenberg und des Klinikums am Kurpark Baden. „Wenn wir uns zum Beispiel verbrennen, halten wir die verletzte Stelle instinktiv unter kaltes Wasser, während wir bei Muskelverspannungen ein warmes Bad nehmen.

Die Macht der Kälte
Kryotherapien

Kaltauflagen: Eiskompressen, Eisbeutel und kalte Wickel

Kaltauflagen auf die Haut verengen die oberflächlichen Blutgefäße. Dadurch vermindert sich durch die Kälte die Durchblutung, Entzündungen werden gehemmt und Schwellungen klingen ab. Die Kälteinformation wird an das Gehirn weitergeleitet und zeitgleich weniger Schmerzinformation wahrgenommen.
Wobei es hilft: Kältetherapie in Form von Kaltauflagen hat fast jeder schon selbst kennengelernt: Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn ein akuter Schmerz schnell betäubt werden oder eine akute Entzündung gehemmt werden soll – zum Beispiel bei Prellungen, Zerrungen, Schwellungen, leichten Verbrennungen, Blutergüssen oder bei der postoperativen Behandlung. Die lokale Anwendung erfolgt durch das Auflegen von Kühlkompressen, gekühlten Gelpolstern, Eisbeuteln oder kalten Wickeln. „Dabei wird dem Körper aber keine Kälte zugeführt, sondern überschüssige Wärme entzogen“, erklärt Wiederer den Vorgang bei diesen Behandlungen, die auf einem der Grundsätze der Wärmelehre basiert: Die Temperatur wandert immer vom Wärmeren zum Kälteren. „Lege ich also zum Beispiel eine Kühlkompresse auf ein entzündetes geschwollenes Knie, entziehe ich an dieser Stelle die überschüssige Hitze.“ Aufgrund desselben Prinzips kommen kühle Wickel auch zur Senkung von hohem Fieber zum Einsatz.
Durchführung: Kaltauflagen werden direkt auf die zu behandelnde Stelle aufgelegt. Dafür stehen verschiedene Varianten zur Verfügung: Eisbeutel, die aus einer Mischung aus Wasser und Eis bestehen, gut verformbare Kältekompressen, die sich optimal an Gelenke anpassen, Gelpackungen oder Wickel, die beispielsweise aus eiswassergetränkten Küchentüchern angefertigt werden können.
Wichtig: Bei besonders kalten Anwendungen empfiehlt sich, ein Küchentuch zwischen Haut und Packung zu legen, um oberflächliche Erfrierungen zu vermeiden.

Hydrotherapie nach Kneipp

Pfarrer Sebastian Kneipp entwickelte im 19. Jahrhundert die Ordnungstherapie als ganzheitliches Konzept für die Erhaltung der Gesundheit, die unter anderem auf Ernährung, Pflanzenheilkunde und Bewegungstherapie basierte. Am bekanntesten und auch heute noch weitverbreitet sind jedoch die Wasseranwendungen, die der Naturheilkundler als Kalt- oder Wechselreiz und in Form von Therapien wie Wassertreten, Tau- oder Schnee-Laufen, Waschungen, Güssen, Bädern oder Wickeln verordnete. Das Wirkprinzip: Reiz setzen – Reaktion des Körpers verarbeiten.
Wobei es hilft: „Mit Kälte- und Wärmereizen lassen sich sowohl Immun- als auch Gefäßsystem trainieren“, erklärt Wiederer. „Gefäße funktionieren dann sehr gut, wenn sie sich gut an den Blutstrom anpassen, das heißt, wenn sie sich erweitern und verengen können. Mit den verschieden temperierten Wasseranwendungen lässt sich diese Gefäßfunktion gut stärken, da Wärme die Gefäße erweitert und Kälte sie verengt.“ Das Immunsystem lässt sich vor allem mit Kältereizen gut trainieren. Oft als Abhärtung bezeichnet, verbessern regelmäßige Güsse, Wechselduschen, Fuß- und Armbäder die persönliche Kältetoleranz. Das ist vor allem für jene Menschen wichtig, die sich im Winter am liebsten in Heizungs- oder Kachelofennähe aufhalten. Die fehlende oder in zu geringem Ausmaß stattfindende Auseinandersetzung mit Naturreizen schwächt auf Dauer unser Immunsystem. Mit regelmäßigen Kälteanwendungen lässt sich der Organismus jedoch gut abhärten. Registriert unser Körper den Temperaturunterschied, beginnt er sofort zu regulieren. Das kurbelt unsere Durchblutung an. Langfristig profitiert unser Immunsystem, wir frieren nicht mehr so schnell und sind weniger anfällig für Erkältungen.
Durchführung: Neben Wechsel-Arm- und -Fußbädern und dem warm-kalten Abduschen einzelner Körperpartien eignet sich das Wassertreten gut für Anfänger. Dabei macht man rund 30 – 40 Storchenschritte im wadenhohen kalten Wasser: Das Bein wird zur Gänze aus dem Wasser gehoben und wieder abgesenkt. Danach werden die Beine im Trockenen warmgelaufen.
Wichtig: Anfänger sollten zwei Regeln beachten: „Beginnen Sie mit kleinen Dosen. Starten Sie etwa mit einem kalten Knie-Guss und nicht mit einer eisigen Ganzkörperdusche“, erläutert der Mediziner. Zweitens: Kältereize immer nur im gesunden Zustand durchführen! „Sind wir krank, ist unser Immunsystem ohnehin belastet und würde dadurch zusätzlich geschwächt.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Kälte und Wärme machen gesund!
Seite 2 Kältekammer
Seite 3 Wärme durch Heu

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