Freitag, 22. Februar 2019

Jobfit trotz Rheuma

Ausgabe 05/2011
Rheuma muss kein Grund sein, seinen Job an den Nagel zu hängen. Gesünder Leben zeigt Ihnen auf, wie Sie als Rheumapatient Ihr Wohlbefinden steigern und Ihr Berufsleben erfolgreich meistern können – dieser sehr ernst zu nehmenden Erkrankung zum Trotz.

Foto: istockphoto.com - Dean Sanderson
Rheuma – eine Krankheit mit über 400 Gesichtern – ist alles andere als eine harmlose Alterserscheinung, Rheuma kann so sehr beeinträchtigen, dass Betroffene arbeitsunfähig oder schwer behindert sind – und das schon in jungen Jahren. „Eine neue wissenschaftliche Untersuchung zeigt, dass Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen durchschnittlich fünf Tage pro Monat arbeitsunfähig sind, und was die grundsätzliche Arbeitsfähigkeit betrifft, so ist sie bis zu sechzig Prozent beeinträchtigt“, erklärt der Rheumatologe und Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung am SMZ Süd, Kaiser-Franz-Josef-Spital, Univ.-Doz. Prim. Dr. Ludwig Erlacher.

Aber – und das ist die gute Nachricht: „Wenn die Patienten rasch den Spezialisten aufsuchen, können wir ihnen heute viele Therapieoptionen anbieten. Mit den sogenannten Biologika, die seit mehr als zehn Jahren zur Verfügung stehen, gelingt es uns sogar, bei einem Großteil der Betroffenen, die Beschwerden deutlich zu lindern und teilweise das Fortschreiten der Krankheit zu stoppen – auch bei jenen Patienten, die unter schweren entzündlichen Krankheiten, wie etwa chronische Polyarthritis, Morbus Bechterew oder Psoriasisarthritis, leiden.“ Diese speziellen Medikamente werden biotechnologisch hergestellt und greifen gezielt in den Krankheitsprozess ein. In Österreich sind mehrere solche Biologika mit unterschiedlichen Wirkmechanismen am Markt. Sie bekämpfen Zellen des Immunsystems oder hemmen Botenstoffe, die die Entzündung hervorrufen.

Der erste positive Schritt
Damit ist man dann in vielen Fällen auch wieder fit für den Job, und das – so belegen Studien – ist für viele Rheumapatienten schon der erste positive Schritt. Dieser hat  nicht nur einen guten Einfluss auf das Wohlbefinden, sondern kann den positiven Therapieverlauf sogar maßgeblich fördern. Das Erfolgsrezept für ein erfülltes Berufsleben trotz Rheuma liegt vor allem in der aktiven Mitgestaltung des eigenen Arbeitsumfeldes, und oft reichen schon kleine Veränderungen, um die Leistungskraft zu erhalten und Arbeitgeber und Kollegen von den verbliebenen Fähigkeiten zu überzeugen. „Wichtig ist, darüber offen mit dem Vorgesetzten zu sprechen und ihn über seine Situation zu informieren“, empfehlen die Experten der Plattform Rheuma-Job-Coach (siehe Info-Kasten, Seite 56). Und: „Ist diese Hürde einmal genommen, können Sie gemeinsam daran arbeiten, das Arbeitsverhältnis nach Ihren gesundheitlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten zu gestalten.“

Viele Wege führen zum Ziel
Die Rheuma-Job-Coaches wissen freilich auch, dass viele Patienten aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes versuchen, sich die Erkrankung nicht anmerken zu lassen. So ahnen Kollegen und Vorgesetzte dann oft nichts davon, und diese Situation kann dazu führen, dass der oder die Rheumakranke fehl- oder überbelastet wird, so dass sich auch die Krankheit selbst häufig verschlechtert. Doch mit der richtigen Unterstützung ist der langfristige Erhalt des Jobs durchaus möglich. Wege gibt es viele: Einige davon sind kollegial organisiertes Teamwork, flexible Arbeitszeitmodelle oder auch eine entsprechende, ergonomische Ausstattung des Arbeitsplatzes.

Sofort zum Arzt!
Ganz wesentlich ist freilich auch das konsequente Einhalten der medizinischen Therapie. Rheumatische Erkrankungen sind bis heute nicht heilbar, aber Rheumakranken kann so geholfen werden, dass sie nicht oder kaum mehr unter ihren Beschwerden leiden, eine sehr gute Lebensqualität zurückgewinnen und ihren Beruf weiter ausüben können. Dazu Rheumatologe Erlacher: „Oberste Voraussetzung dafür ist der sofortige Weg zum Arzt, wenn die ersten Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat auftreten, denn zum einen besteht der ,rheumatische Formenkreis‘ eben aus zahlreichen Erkrankungen, die genau und fachärztlich diagnostiziert werden müssen. Zum anderen sind die Therapieaussichten umso besser, je schneller mit der Behandlung begonnen wird.“

Der neue Job, der zu Ihnen passt
Manchmal ist das allerdings leider nicht mehr möglich, der Job muss aufgegeben werden, man fühlt sich nicht mehr dazu imstande zu arbeiten. Dazu die Rheuma-Job-Coaches: „Das liegt womöglich daran, dass Sie die falsche Tätigkeit ausüben oder sich im falschen Umfeld befinden. Vielleicht fühlen Sie sich in Ihrer derzeitigen Position überfordert, die an Sie gestellten Anforderungen zu erfüllen, oder Sie finden nicht genug Verständnis von Ihren Vorgesetzten oder Kollegen.“ Doch das ist nach Ansicht der Experten kein Grund, an sich zu zweifeln oder gar an ein Ende der beruflichen Karriere zu denken. „Vielmehr gilt es, jene Herausforderung zu finden, die es Ihnen erlaubt, Ihre Krankheit in Ihr Berufsleben zu
integrieren und dabei Ihr Wohlbefinden zu erhalten. Den perfekten Job finden Sie zwar nicht von heute auf morgen, aber Sie finden ihn. Begeben Sie sich auf die Suche, recherchieren Sie, bringen Sie Ihren Lebenslauf auf Vordermann. Ihr Einsatz wird mit Sicherheit belohnt werden. Mit dem Job, der zu Ihnen und Ihrer Erkrankung passt.“


Information, Rat & Hilfe bei Rheuma
1. Rheuma-Job-Coach: Service der Österreichischen Rheumaliga und des Pharmaunternehmens Abbott. Ein Expert Board aus Rheumatologen, u.a. Fachärzten, Juristen, Job-Coaches sowie Ergo- und Physiotherapeuten, unterstützt die Initiative und bietet fachkundige Beratung – allerdings leider nur per E-Mail ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. oder Anfragenformular direkt auf der Website).

2. Patientenplattform: Österreichische Rheumaliga (www.rheumaliga.at)

3. Die Rheumalandkarte: Liste von Rheumatologen und Rheuma-Ambulanzen an Spitälern der Österr. Gesellschaft für Rheumatologie & Rehabilitation (www.rheuma2000.at/pdf/Rheumalandkarte_01-2009.pdf)

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