Mittwoch, 18. September 2019

Jetzt Abwehrkräfte stärken!

Ausgabe 10.2015
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Der Herbst ist da und für viele ist damit Erkältung, Heiserkeit und Schnupfen schon programmiert. Doch das muss nicht sein! gesünder leben hat die besten Tipps aus aller Welt, wie wir unsere Abwehrkräfte stärken können!


Foto: Can Stock Photo Inc. - mimagephotography

Gesundheit beginnt im Darm. Dr. Günther Beck, Arzt für Allgemeinmedizin, der zusammen mit seinem Vater im Gesundheitshotel Villa Vitalis im oberösterreichischen Aspach praktiziert, verknüpft die Erkenntnisse der Schulmedizin mit jener der ganzheitlichen Medizin: „Unser Ansatz ist der Darm, denn er ist das zentrale Organ, wenn es um die Gesundheit und Stärkung der Abwehrkräfte geht.“ Der Darm ist bei einem Erwachsenen etwa fünf Meter lang und besitzt dank der feinen Darmzotten eine Oberfläche von rund 32 m2. Bis zu 80 Prozent der Immunzellen befinden sich im Darm, der damit wesentlich dazu beiträgt, ob wir Krankheiten abwehren können. Verantwortlich dafür sind insbesondere die T-Lymphozyten, eine Gruppe weißer Blutzellen, die sich in der Darmschleimhaut befinden. „Das Problem ist allerdings“, so Beck, „dass der Großteil der Menschen an einer chronischen Übersäuerung leidet, denn die Tendenz geht immer mehr in Richtung leere Nahrungsmittel statt vollwertiger Kost.“ Um die Abwehrkräfte nachhaltig zu stärken, sollte also erst einmal der Darm saniert und im Anschluss die Darmflora wieder aufgebaut werden. Dann nämlich erst können Milliarden von Bakterien, die sich in der Darmflora finden, ihre Arbeit verrichten. Denn diese aktiven Helfer steuern die meisten Stoffwechselvorgänge im Körper und unterstützen das Immunsystem dabei, dass wir gesund bleiben. Für Frauen gilt außerdem: Gerät die Darmflora aus dem Gleichgewicht, ist oft auch die Scheidenflora gestört und immer wiederkehrende Pilzinfektionen sind die Folge. Um beide vor krankmachenden Keimen und Bakterien zu schützen, sollte frau daher auf zu viele Kohlenhydrate (Zucker und Weißmehl!) verzichten, Antibiotika und Stress möglichst vermeiden und die Intimhygiene nicht übertreiben.

Kapha-Zeit. Auch im Ayurveda heißt es: Der Darm ist das Zentrum unserer Gesundheit. Der Lehre dieser indischen Heilkunst zufolge wirken in jedem Lebewesen drei Bioenergien bzw. Grundkräfte – die sogenannten Doshas Vata, Pitta und Kapha. Diese setzen sich aus den Elementen Luft/Raum (Vata), Feuer/Wasser (Pitta) und Erde/Wasser (Kapha) zusammen. „In den lichtarmen Monaten der kalten Jahreszeit herrscht das Kapha-Dosha vor und in der Natur dominieren die Elemente Erde und Wasser“, erklärt Gaurav Sharma, Ayurveda-Spezialist im Ayurveda Resort Sonnhof in Hinterthiersee, Tirol. Um im Herbst und Winter Stabilität aufzubauen, werden vegetarische, frisch und vor allem warm zubereitete Gerichte empfohlen. Ideal sind Trockenfrüchte, Getreideflocken, Hülsenfrüchte, Früchte und (gedünstetes) Gemüse mit roter Farbe. Auch erhitzende, den Stoffwechsel anregende, scharfe Gewürze (z. B. Senf, Ingwer, Knoblauch, Pfeffer, Chili, Nelken, Zimt), nährreiche und wertvolle Öle sowie warme Getränke, wie Ingwertee oder Tee mit Zimt, tun gut. Käse, Rohkost und fette Kost sind indes eher zu meiden.

Das sagen die Chinesen ... Die TCM ist ebenfalls der Meinung, dass Gesundheit mit der Ernährung anfängt: „Über das, was wir dem Körper zuführen, stärken wir den Körper“, sagt Mag. Claudia Dungl, Pharmazeutin mit Zusatzausbildungen im Bereich der TCM. Geht es, nach den Chinesen, gilt es im Herbst den Lungenmeridian zu stärken, indem Austrocknendes und zu Bitteres (z. B. Kaffee) gemieden wird. „Aber auch schleimproduzierende Nahrungsmittel wie Milchprodukte sollte man weglassen. Wobei Milchprodukte nicht generell schlecht sind, das kommt immer auf den Einzelnen an. Ein Zuviel davon begünstigt allerdings Erkältungen, daher sollte man zumindest in der kalten Jahreszeit nicht mehr als ein Milchprodukt pro Tag zu sich nehmen“, so die Geschäftsführerin des Dungl-Zentrums Wien. Ebenso empfiehlt die TCM, nunmehr warme, gekochte Speisen zu genießen, weil dadurch der Stoffwechsel in die Gänge kommt und wir Energie für den Tag erhalten. So startet man in der Früh idealerweise mit einer Schüssel Reiscongee (über mehrere Stunden gekochter Reis) mit Trockenfrüchten, Haferbrei bzw. Porridge oder Kompott. Ferner greift auch die sogenannte 5-Elemente- Ernährung der TCM ins Gewürzregal. Dungl: „Wer merkt, dass er friert, sollte nun vermehrt auf Ingwer, Gewürznelken und Zimt setzen. Diese Gewürze wärmen von innen, indem sie für ein Gleichgewicht zwischen Yin und Yang sorgen.“ Yin steht für kühl, feucht und dunkel, Yang für heiß, trocken und hell. Ist es also draußen grau, nass und kalt, sollten wir über wärmende Gewürze und Speisen das Yang aktivieren. Bereiten Sie wieder Eintöpfe zu, ruhig mit etwas Fleisch und ein bisschen deftiger vom Geschmack. Und holen Sie sich auf dem Markt frisches Herbstund Wintergemüse: von Karfiol bis Kürbis, von Sauerkraut bis Kohl. Übrigens: Sich nach den fünf Elementen zu ernähren, heißt nicht, chinesisch zu essen. Vielmehr handelt es sich bei der 5-Elemente-Ernährung um die auf die westliche Welt angepasste Ernährungslehre der TCM. Auf den Tisch kommen aber regionale und saisonale Produkte – im Grunde so, wie es schon unsere Großeltern gemacht haben.

Gesundheit auf dem Teller. Allgemeinmediziner Beck ist ebenfalls davon überzeugt, dass wir dreimal täglich unsere Abwehrkräfte stärken können, indem wir bei jeder Mahlzeit darauf achten, gesunde regionale und saisonale Lebensmittel zu konsumieren. Auch Kuhmilch kommt bei Beck nicht ins Glas. Wer außerdem auf Weißzucker, Weißmehl und Eier verzichtet oder den Konsum dieser Produkte bzw. Allergene zumindest auf ein Minimum beschränkt – „die Dosis macht das Gift“ –, kann der chronischen Entzündlichkeit des Darms vorbeugen. Günther Beck ist zudem ein Verfechter gezielter Supplementierung, denn: „Trotz voller Supermärkte leben wir in einer Mikronährstoffmangelsituation. Es macht also durchaus Sinn, hochwertige Mineralstoffe und Spurenelemente über Nahrungsmittelergänzung aufzunehmen.“ Wichtig ist dabei jedoch, dass nicht aufs Geratewohl Vitamintabletten geschluckt werden, sondern dass mittels Blutuntersuchung ein Status erhoben, im Anschluss gezielt darauf reagiert und nach einigen Wochen oder Monaten wieder ein Status erhoben wird.

Bewegung: Das A und O. Evolutionstechnisch sind wir Jäger und Sammler. Während wir als solche jedoch täglich bis zu 30 km zurückgelegt haben, verbringen die meisten von uns heute etlichen Stunden täglich sitzend. Günther Beck ist hier keine Ausnahme, wie er selbst zugibt. Umso wichtiger ist es, dass wir drei-, viermal die Woche aktiv werden. Was man tut, hängt von der körperlichen Verfassung, vom Herz-Kreislauf-Zustand und natürlich von der persönlichen Vorliebe ab. Beck spricht sich jedenfalls für ein sinnvolles Maß an Bewegung aus – am besten in der freien Natur. Auch aus Sicht der TCM ist Bewegung zu empfehlen. „Damit es dem Körper gut geht, muss das Qi bzw. unsere Lebensenergie im Fluss sein. Doch je kälter es ist, desto weniger kommt sie von selbst in Bewegung, also müssen wir uns bewegen“, erklärt Dungl, die ebenfalls für Aktivitäten an der frischen Luft plädiert, unter anderem weil durch tiefes Aus- und Einatmen Sauerstoff in unseren Körper gelangt. Dieser wiederum wird besser weitertransportiert, wenn wir uns bewegen und nicht flach atmen, wie das meist der Fall ist, wenn wir etwa den ganzen Tag auf dem Bürosessel kleben. Ist es draußen kalt, zieht man einfach mehrere Schichten à la „Zwiebellook“ an. Wichtig: Nicht auf die Kopfbedeckung vergessen! Und wenn Sie einmal wirklich nicht an die frische Luft kommen sollten: Öffnen Sie das Fenster und atmen Sie mehrmals tief aus und ein – auch das bringt den Lungenmeridian in Bewegung.

Übersicht zu diesem Artikel:
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