Samstag, 16. Februar 2019

Jede Minute zählt

Ausgabe 2018.09

Rasche Hilfe ist bei einem Schlaganfall essenziell. Je früher die Behandlung einsetzt, desto größer ist die Chance, dauerhafte Folgen zu vermeiden. Mit einem gesunden Lebensstil und der Reduktion von Risikofaktoren sorgt man dafür, dass es gar nicht so weit kommt.


Foto: iStock-Ugreen

Einseitige Lähmungserscheinungen, Sprach- und Verständnis-Probleme, einseitige Sehstörungen, ungewohnt heftige Kopfschmerzen oder Gleichgewichtsstörungen – ein Schlaganfall kann sich – je nachdem, welche Gehirnregion betroffen ist – mit vielen Gesichtern zeigen. „Eines ist aber allen Symptomen gemein“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Thomas Sycha, Neurologe und stellvertretender Leiter der Universitätsklinik für Neurologie am AKH Wien. „Sie treten immer plötzlich und schlagartig auf.“ Noch eine Gemeinsamkeit gibt es: Betroffene, die ein oder mehrere solcher Anzeichen feststellen, müssen rasch handeln. „Rufen Sie sofort die Rettung, denn ein Schlaganfall ist immer ein akuter Notfall und muss so schnell wie möglich behandelt werden, um das Schlimmste zu verhindern“, so der Neurologe. „Im besten Fall können dauerhafte Schäden vermieden werden.“ Rasche Hilfe muss übrigens auch dann gerufen werden, wenn die plötzlich aufgetretenen Symptome nach einiger Zeit wieder verschwinden, denn das bedeutet nicht, dass die Gefahr gebannt ist.

Unterbrochene Blutversorgung
Der Akutfall, der pro Jahr bei rund 25.000 Österreichern eintritt, ist immer die Folge einer gestörten Blutversorgung im Gehirn. „In den meisten Fällen ist eine Gefäßverstopfung verantwortlich. Bei der sogenannten Arteriosklerose sind die Halsgefäße etwa durch Zucker-  und Fettablagerungen verstopft, sodass das Blut nicht mehr durchkommt“, erklärt der Neurologe. „Es kann sich aber auch ein Blutgerinnsel lösen. Dieser Thrombus gelangt dann mit dem Blutstrom aus der Halsschlagader oder aus dem Herzen ins Gehirn und verstopft dort die Arterie.“ Seltener ist eine Hirnblutung, also das Platzen eines Hirngefäßes, Auslöser eines Schlaganfalls. Davon betroffen sind vor allem Menschen mit hohem Blutdruck oder einer angeborenen Gefäßmissbildung. Alle Ursachen führen zur selben Folge: „Das Gehirn wird nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Dadurch werden Nervenzellen geschädigt und sterben schließlich ab“, erklärt Sycha.

Optimal versorgt in der Stroke Unit
Mit jeder Minute Verzögerung können mehr Nervenzellen absterben. Die Folge: Langfristige Beeinträchtigungen bis hin zum Tod. Je schneller die richtige Behandlung erfolgt, desto größer ist jedoch die Chance, dass keine dauerhaften Behinderungen auftreten. In rund 40 sogenannten „Stroke Units“ in ganz Österreich wird genau an diesem Ziel gearbeitet. „Dabei handelt es sich um spezialisierte neurologische Abteilungen, in denen spezialisierte Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten rund um die Uhr verfügbar sind und interdisziplinär und interprofessionell miteinander arbeiten“, erklärt Sycha. Die Vorteile einer Stroke Unit liegen auf der Hand: Die Abläufe sind standardisiert und optimiert – von der raschen Diagnose mittels Magnetresonanz- oder Computer-Tomografie bis zur richtigen Behandlung. „Ist ein kleineres Gefäß verschlossen, wird das Blutgerinnsel mittels Thrombolyse medikamentös aufgelöst“, erklärt der Mediziner. „Der Patient erhält eine Infusion, welche die Fibrinfäden, die das Gerinnsel stabil halten, auflösen und die Blutgerinnung hemmt.“ Es gibt jedoch Betroffene, die auf diese Behandlung mit einer Kontra-indikation reagieren würden – etwa frisch Operierte, Patienten mit Gerinnungsstörungen, Tumoren oder Blutungen. Bei ihnen – wie auch bei Betroffenen mit größeren Gerinnseln – kommt die Intervention zum Einsatz. „Bei der in der Fachsprache Thrombektomie genannten Methode wird dem Patienten über die Leiste ein Mikrokatheter in die betroffene Gehirnarterie geführt. Damit lässt sich das Gerinnsel absaugen“, so Sycha. Auch die Zeit ist ein entscheidender Faktor für die Behandlung. Denn: Thrombolysen können nur bis spätestens 4,5 Stunden nach einem Schlaganfall helfen, Kathederinterventionen in manchen Fällen gottlob noch nach vielen Stunden. Die gute Nachricht: In einer Stroke Unit vergehen oft nur rund 30 Minuten von der Ankunft eines Patienten bis zum Beginn der Therapie. Ein weiterer Vorteil: die Nachversorgung: „In der Stroke Unit wird der Patient rund um die Uhr mittels Monitor überwacht. Werte wie Blutdruck, Blutzucker und Herzschlag werden konstant kontrolliert und gegebenenfalls behandelt.“ Auch tragen frühzeitig einsetzende Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie wesentlich dazu bei, die gefürchteten Folgeschäden des Schlaganfalls wie Lähmungen und Sprachstörungen zu vermeiden.

So handeln Sie richtig bei Schlaganfall!

Symptome erkennen. Häufig zeigt sich ein Schlaganfall in Form von einseitigen Lähmungserscheinungen. Diese sind jedoch nicht immer gleich erkennbar. Um festzustellen, ob eine Person einen Schlaganfall erlitten hat, bitten sie Sie, zu lächeln. Bei einer Lähmung wird sich das Gesicht einseitig verziehen. Ebenso wird ein Betroffener nicht beide Arme gleichzeitig mit den Handflächen nach oben heben können. Liegt eine Lähmung vor, funktioniert das nur mit einem Arm. Dritte Testmöglichkeit: Bitten Sie die Person, einen Satz nachzusprechen. Der Satz sollte korrekt wiederholt werden, die Sprache nicht verwaschen sein.

Rasche Hilfe. Jede Minute zählt! Rufen Sie sofort die Rettung und geben Sie „Verdacht auf Schlaganfall“ an. Bis die Rettungskräfte eintreffen, beruhigen Sie die Person, lockern Sie enge Kleidung und sorgen Sie für frische Luft. Wichtig: Geben Sie dem Betroffenen weder zu essen noch zu trinken. Wenn das Schlucken gestört ist, könnte der Patient daran ersticken.

Optimale Behandlung. Österreich verfügt flächendeckend über „Stroke Units“. In jeder Region ist eine solche Spezialabteilung in max. 45 Minuten erreichbar. Damit rangiert unser Land im europäischen Spitzenfeld. Die rasche und richtige Behandlung kann nicht nur über Leben und Tod entscheiden, sondern im Optimalfall auch Langzeitschäden verhindern.

Jeder zweite Schlaganfall vermeidbar
Damit es erst gar nicht zum Auftreten der Krankheit kommt, gilt es, die Risikofaktoren zu verringern. Denn: Jeder zweite Schlaganfall wäre durch richtige Prävention zu vermeiden. Wer einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, reichlich Bewegung, wenig Alkohol und möglichst keinen Zigaretten führt, trägt schon viel dazu bei, das Risiko für einen Schlaganfall gering zu halten. „Es gibt aber auch Risikofaktoren, die zunächst für viele Betroffene nicht so offensichtlich sind. Hier können Vorsorgeuntersuchungen helfen“, rät Dr. Sycha vor allem auch jenen Menschen mit familiärer Vorbelastung. „Treten im Familienkreis häufig Schlaganfälle auf, kann das ein Zeichen für eine genetische Blutgerinnungsstörung, Gefäß- oder Herzerkrankung sein – vor allem dann, wenn die Krankheit in jungen Jahren bis 40 aufgetreten ist.“ Aber auch Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder Stoffwechselerkrankungen können verantwortlich sein – und durch Vorsorgeuntersuchungen festgestellt werden. Die richtige Behandlung, etwa durch Blutdruck- oder Cholesterinsenker, kann dann dafür sorgen, dass es erst gar nicht zu einem Schlaganfall kommt.

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