Freitag, 18. Oktober 2019

Intim, sauber, gesund

Ausgabe 2019.03
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Falsche Intimhygiene kann zu schmerzhaften Infektionen führen – vor allem bei Frauen. GESÜNDER LEBEN erklärt, wie Sie Bakterien, Pilzen & Co keine Chance geben.

 


Foto: © iStock_RossHelen

Sie ist mehr Tabu- als Gesprächsthema: die Reinigung des äußeren Genitalbereichs. Sie ist an sich auch nicht der Rede wert, da sie ein ganz selbstverständlicher Teil der täglichen Körperhygiene ist. Erst bei Beschwerden im Intimbereich fragen sich die meisten: Habe ich etwas falsch gemacht? Vor allem bei Frauen, die – aufgrund ihrer anatomischen Beschaffenheit mit kürzerer Harnröhre – öfter von Harnwegsinfekten, Scheidenpilzen oder Blasenentzündungen heimgesucht werden, taucht dieser Gedanke (manchmal mit Selbstvorwürfen) auf. Sie schämen sich vielleicht, weil die leidigen Symptome wie beispielsweise Juckreiz, Ausfluss, Unterbauchschmerzen oder Brennen beim Wasserlassen mit mangelnder Intimhygiene in Zusammenhang gebracht werden. – Doch oftmals ist genau das Gegenteil der Fall.

Nur nicht übertreiben!
„Im Regelfall weist das Scheidenmilieu einen pH-Wert unter 4,5 auf und verhindert so das Eindringen von unerwünschten Keimen. Eine übertriebene Pflege des Intimbereichs kann den Säureschutzmantel, der von Milchsäurebakterien erhalten wird, zerstören und damit schädlichen Bakterien und Pilzen ein leichtes Spiel machen“, so Univ.-Prof. Dr. Heinz Kölbl, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie am Wiener AKH. Übertreiben kann man es dabei auf unterschiedliche Arten: Zu viel Seife, aggressive Duschgels, Körperpuder oder Intimsprays können der Balance der äußerst sensiblen Scheidenflora schaden und den vaginalen pH-Wert negativ beeinflussen. Auch Scheidenspülungen oder gar desinfizierende Lotionen sind absolut entbehrlich, wenn es um die richtige Pflege geht: Diese chemisch hergestellten Produkte können das empfindliche Gewebe in der Harnröhre stören, reizen und empfänglich für Infekte machen. Ein angegriffenes Immunsystem, Stress, hormonelle Veränderungen (etwa während der Periode, in der Schwangerschaft oder im Wechsel), die Einnahme von Antibiotika oder zuckerreiche Ernährung (Pilze lieben Zucker) legen ein Scherflein nach und fördern das Ansiedeln unerwünschter Eindringlinge. Waschen mit klarem Wasser, sauberen Händen und – so man gar nicht darauf verzichten möchte – milden, pH-neutralen Seifen reichen aus, um den Intimbereich ideal zu pflegen. „Achten Sie auch bei der Verwendung von Rasierklingen auf Sauberkeit und erneuern Sie diese regelmäßig. Kontaminierte Rasierklingen können das Risiko für die Entstehung von Infekten erhöhen“, weiß Kölbl. Intimhygiene hört aber nach dem Duschgang nicht auf, denn auch am stillen Örtchen heißt es aufzupassen. „Die weibliche Harnröhre endet in unmittelbarer Nähe zum Darmausgang. Damit keine Bakterien vom After in die Harnröhre gelangen, sollten sich Frauen nach dem Stuhlgang immer von vorne nach hinten abwischen“, erläutert Kölbl. Feuchttücher sind dabei nicht empfehlenswert, und das gleiche Stück Toilettenpapier darf niemals zum wiederholten Wischen verwendet werden. In nicht monogamen Beziehungen sollte zudem die Verwendung von Kondomen selbstredend sein, da manche Mikroben, also etwa Bakterien, Viren oder Pilze, auch durch Geschlechtsverkehr übertragen werden können.

Richtige Wäsche
„Baumwollunterwäsche, die sich mit hohen Temperaturen waschen lässt, ist luftundurchlässiger synthetischer Wäsche vorzuziehen. Sie kann Körperschweiß besser aufnehmen. Durch ein feuchtwarmes Mikroklima kann das Wachstum von Mikroben gesteigert werden“, rät Kölbl. „Auch String-Tangas sind nicht vorteilhaft, weil hier ungünstige Reibekräfte wirken. Frauen, die darauf nicht gänzlich verzichten möchten, sollten sie zumindest nicht täglich tragen.“ Ganz klar ist, dass man Unterwäsche täglich und Slipeinlagen bzw. Tampons in regelmäßigen Abständen wechseln muss. Da sich Pilze vor allem in feuchtwarmem Milieu vermehren, sollte man nach etwaigen Schwimmbadbesuchen die nasse Badekleidung rasch wechseln und sich sorgfältig abtrocknen. Wer sich gerne in der Sauna aufhält, achtet darauf, sich auf ein sauberes und trockenes Handtuch zu setzen. „Die zusätzliche Einnahme von Laktobazillen in Form von Scheidenkapseln forciert die Ansiedelung von wichtigen Milchsäurebakterien, senkt den pH-Wert in der Scheide und und kann präventiv vor Harnwegsinfekten, Blasenentzündung, Pilzen und Co schützen“, so Kölbl. In der kalten Jahreszeit empfiehlt es sich zudem, den Unterleib mit entsprechender Kleidung warm zu halten und sich – unabhängig von der Saison – ausgewogen zu ernähren und ausreichend zu trinken, um Bakterien und Co im wahrsten Sinn des Wortes auszuschwemmen. Zusammen mit einem vernünftigen Stressmanagement und genügend Bewegung im Alltag stärkt man sein Immunsystem und lässt den winzigen Übeltätern keine Chance mehr. 

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Intim, sauber, gesund
Seite 2 Tipps für eine gesunde Scheidenflora

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