Donnerstag, 23. Mai 2019

Intim gesund

Ausgabe 2013/04

Wenn das mikrobielle Gleichgewicht der Scheide außer Takt gerät: Was kann frau tun? Wir sprechen über ein Tabuthema.


Foto: Can Stock Photo Inc. - can123

Für viele ist es ein Tabuthema, dabei leidet jede dritte Frau darunter: Juckreiz, Brennen und Ausfluss im Intimbereich sind oft Ausdruck einer Pilzinfektion oder einer gestörten Scheidenflora. Die Sache ist unangenehm, und man muss und kann etwas dagegen tun. Wissen sollte man zunächst, dass sich in der gesunden Scheide in geringer Anzahl Hefepilze und pathogene Keime sowie in hoher Anzahl Milchsäurebakterien befinden, welche ein leicht saures Scheidenmilieu schaffen, um einen wirksamen Schutz vor Krankheitserregern zu bieten. Nimmt aber die Anzahl der Milchsäurebakterien ab und die der Pilze und krank machenden Bakterien zu, so ist das mikrobielle Gleichgewicht der Scheide gestört und es kommt gehäuft zu bakteriellen Vaginosen (Störungen des Scheidenmilieus) und Pilzinfektionen. „Diese gehen mit sehr unangenehmen Beschwerden einher, wie Juckreiz, Brennen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr – oft begleitet von dickflüssigem weißlichem Ausfluss“, erklärte der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Univ.-Prof. Dr. Armin Witt von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde an der Medizinischen Universität Wien.

Vorsicht bei der Intimhygiene. Was das saure Scheidenmilieu sehr häufig in Ungleichgewicht bringt, ist übrigens übertriebene oder auch falsche Intimhygiene. Besonders die Verwendung von Seifen im Genitalbereich oder die Anwendung von Intimsprays können der Scheidenflora zusetzen. Die Experten empfehlen daher, zur Reinigung des äußeren Genitals in erster Linie klares Wasser zu verwenden und Scheidenspülungen generell zu unterlassen, denn eine gesunde Scheide reinigt sich von selbst!

Problem „Trockene Scheide“

Viele Frauen leiden irgendwann in ihrem Leben an Scheidentrockenheit. Die Ursachen sind vielfältig und die Angelegenheit mitunter recht schmerzhaft. Das Problem besteht darin, dass die Scheide nicht feucht werden kann, was zu Brennen und Jucken, aber vor allem auch zu Schmerzen und Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr führt. Sehr häufig tritt das Problem im Zeitraum der Wechseljahre auf, es kann aber auch jüngere Frauen betreffen.

Mögliche Ursachen:

  • Körperlich kann die fehlende Feuchtigkeit auf hormonelle Schwankungen zurückgeführt werden, wie sie unter anderem in der Schwangerschaft und in den Wechseljahren auftreten.
  • Die Einnahme von Medikamenten, hormonellen Verhütungsmitteln oder von Alkohol und Nikotin kann die Produktion der Feuchtigkeit ebenfalls verhindern und damit die Scheidentrockenheit fördern.
  • Auch Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes, Infektionen der Blase oder Infektionen mit Humanen Papillomviren sowie Scheidenpilzen führen häufig zu Scheidentrockenheit.
  • Die vaginale Trockenheit kann auch eine Folge von Chemotherapien, Operationen oder eines Endometrioseleidens sein.
  • Als psychische Faktoren gelten Angst, Stress und Nervosität, Probleme mit der Erregbarkeit oder generell in der Partnerschaft.

Was frau dagegen tun kann:

  • Die Behandlungsmöglichkeiten der Scheidentrockenheit sind sehr vielfältig, und es ist wichtig, die genaue Ursache herauszufinden. Sprechen Sie darüber auch mit Ihrem Gynäkologen.
  • Sofortige Erleichterung schaffen feuchtigkeitsspendende hormonfreie natürliche Gleitgels.
  • In anderen Fällen muss vielleicht die Scheidenflora „aufgepäppelt“ oder Östrogen eingenommen werden.  
  • Auch Strategien zur Stress- und Problembewältigung sind mitunter hilfreich.

Gesunde Unterwäsche. Auch sollte frau darauf achten, den Intimbereich immer gut abzutrocknen, denn eine feuchte und warme Umgebung verstärkt das Wachstum von Keimen. Außerdem sollte nach Möglichkeit keine synthetische Unterwäsche getragen werden, denn diese kann den Schweiß besonders schlecht an die Umgebung abgeben, und es entsteht ein ideales Umfeld für das Wachstum von krankheitserregenden Pilzen und Bakterien.

Wenn die Hormone verrückt spielen. Weiters beeinflusst jede starke hormonelle Veränderung im Leben einer Frau die Mikroorganismen in der Scheide. So erleichtert etwa der in der Schwangerschaft erhöhte Hormonspiegel den Pilzen eine ungehemmte Vermehrung. Diese Erhöhung des Hormonspiegels tritt auch bei pubertierenden Mädchen ein – oftmals begleitet von einem Scheidenpilz. Und: Auch die Antibabypille, die Östrogene und Gestagene enthält, kann Ursache einer Scheidenpilzinfektion sein.

Wenn die Psyche leidet. Äußerst sensibel kann der Intimbereich auch auf psychische Faktoren reagieren. Zu viel Stress und Ärger, Probleme im Beruf, mit dem Partner oder den Kindern, gesellschaftlicher Druck in Sachen absolute Sauberkeit, gerade im Intimbereich – all das spielt oftmals eine gewichtige Rolle bei der Entstehung von Scheideninfektionen, die in manchen Fällen auch immer wiederkehren können. Und dies wiederum kann weitere psychische Folgen nach sich ziehen. Betroffene Frauen haben dann häufig Probleme mit ihrem Selbstverständnis als Frau, mit der Einstellung zu ihrem Körper, mit der Sexualität an sich, und so kann es mitunter auch zu Beziehungsschwierigkeiten kommen.

Nach der Antibiotikatherapie. Nicht zuletzt kann es auch durch eine Antibiotikatherapie zu Veränderungen der Scheidenflora kommen. Denn Antibiotika dienen zwar der Wachstumshemmung und Abtötung von Bakterien, aber sie vernichten nicht nur die krank machenden „schlechten“ Bakterien, sondern schädigen auch nützliche Bakterien, die für den reibungslosen Ablauf unserer Körperfunktionen notwendig sind. Die „guten“ Milchsäurebakterien, die in der Scheide eine Art Schutzbarriere produzieren, das Eindringen von Krankheitserregern verhindern und der Vermehrung von Pilzen im Weg stehen, werden durch die Antibiotikaeinnahme ebenfalls vernichtet. Und so kann es unter diesen Bedingungen leicht zu einer unangenehmen und oft schmerzhaften Infektion im Vaginalbereich kommen.

Lactobacillen sind gut für den Intimbereich. Denken Sie daher, wenn Sie Antibiotika einnehmen müssen, auch an deren Auswirkungen auf Ihren Intimbereich. Bedenken Sie gegebenenfalls die Empfehlung des Experten Prof. Witt: „Ein Wiederaufbau der Scheidenflora mit Lactobacillen ist nach jeder Antibiotikaeinnahme dringend anzuraten!“ Mit Lactobacillen können Sie übrigens auch prophylaktisch das sensible Gleichgewicht der Scheidenflora unterstützen. Und: Ganz besonders wichtig ist die sanfte und bedachte Reinigung und Pflege des Intimbereichs.

 

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