Freitag, 04. Dezember 2020

Intim - aber sauber!

Ausgabe 2020.07-08

Schleimhäute und Haut im Genitalbereich sind besonders anfällig für Irritationen. Antibiotikaeinnahme sowie übertriebene Pflege sind oft Ursachen für diverse Erkrankungen. GESÜNDER LEBEN klärt auf.

 


Foto: © iStock - Artem Furman

Besonders Frauen tendieren dazu, ihren Intimbereich besonders gründlich zu reinigen. Doch die verwendete Armada an Hygieneprodukten – Waschlotionen, Tücher, Cremes, Deos und sogar Spezialduschen für die innere Vaginalpflege –, stört und zerstört die natürliche Scheidenflora. Und ebnet Pilzen und Bakterien den Weg. Denn übertriebene Hygiene gilt neben der Einnahme von Antibiotika als häufigste Ursache für Irritationen der Scheidenflora. Wie also sollte frau den Scheidenbereich reinigen? Dr. Siegfried Brugger, Facharzt für Gynäkologie in Salzburg: „Die Scheide braucht nicht gereinigt zu werden. Sie ist selbstreinigend und alles fließt heraus. Der Ausfluss ist meist weißlich und bei jeder Frau hinsichtlich Menge und Konsistenz unterschiedlich. Eine Scheidenspülung ist ausschließlich dann angebracht, wenn Fremdkörper, etwa ein Tampon, drinnen vergessen wurden und sich Bakterien bilden.“ Das zu erkennen, sei nicht schwer, weil es im wahrsten Sinn des Wortes übel rieche. Auch die Haut der inneren und der äußeren Schamlippen, die des Bereichs zwischen den Schamlippen sowie jene rund um den Anus sind sehr empfindlich und sollten keineswegs mit hautreizenden Stoffen gereinigt werden. „Wasser und wenn unbedingt gewünscht eine pH-freie-Seife oder Lotion genügen völlig“, sagt der Experte. Das gelte auch für den Penis sowie für den Analbereich des Mannes. „Keinesfalls sollte Duschgel oder Seife zur Reinigung der Eichel und der Vorhaut verwendet werden. Um diesen sensiblen Bereich zu säubern, reicht es, die Vorhaut zurückzuschieben und im Zuge der täglichen Dusche sorgfältig mit Wasser zu waschen.“

WENN'S JUCKT UND BRENNT …

GESÜNDER LEBEN hat den Überblick über die häufigsten Erkrankungen im Analbereich

Mit vergrößerten Hämorrhoiden hat fast jeder Erwachsene – vor allem Frauen in der Schwangerschaft sowie nach Geburten – irgendwann einmal zu tun. Tastbare Veränderungen am After, Jucken, Brennen, Blut- oder Schleimabsonderungen sowie Schmerzen beim Stuhlgang können jedoch auch ein Hinweis auf andere Erkrankungen im After sein. Häufig sind es Feigwarzen (sie verteilen sich auch im Genitalbereich), die durch humane Papilloma-Viren entstehen, hoch infektiös sind und Auslöser für Gebärmutterhalskrebs sein können (erst seit 2006 gibt es eine HPVImpfung für Mädchen und Buben). Analekzeme können in Verbindung mit Hämorrhoiden aber auch bei Allergien und Neurodermitis auftreten. Anhaltend schmerzhaft sind Analfissuren (Einrisse der Haut), die sich auch entzünden können. Analfisteln hingegen kommen von einer Entzündung der Proktodealdrüsen und müssen meist operiert werden um weitere Komplikationen zu vermeiden.

Hygiene, aber richtig
Nach dem großen Geschäft sollten Frauen darauf achten, sich ausschließlich von vorne nach hinten abzuwischen, um zu vermeiden, dass Darmbakterien in den Vaginalbe - reich eindringen. Nicht immer jedoch ist ein Erreger der Grund für Juckreiz im Intimbereich. Es kann sich schlicht und einfach um zu trockene Haut handeln. Gynäkologe Brugger: „Das lässt sich mit einer neutralen Pflegesalbe behandeln, was sowieso guttut, denn generell ist fettige Haut deutlich weniger empfindlich als trockene.“ Auch beim Entfernen oder Stutzen der Haare in der Intimzone sei Vorsicht geboten: „Enthaa - rungscremes sind nicht zu empfehlen, wachsen oder epilieren ist meist zu schmerzhaft, und beim Rasieren sollte man darauf achten, eine frische, scharfe Klinge zu verwenden, um Verletzungen zu vermeiden, die zu Haarwurzelentzündungen führen können.“

Häufige erkrankungen der Vagina

Schmerzen im Intimbereich, auch bei Sexualverkehr, Rötung und Entzündung der Schleimhaut sowie unangenehm riechender Ausfluss sind meistens Symptome einer Infektion, die durch Pilze oder Bakterien hervorgerufen wird. Als Ursache dafür gilt eine Störung der gesunden Scheidenflora. Zu den bekann - testen Infektionen gehört der Scheidenpilz, der meistens durch den Hefepilz Candida albicans, der im Darm angesiedelt ist, hervorgerufen wird. Der häu - figste Grund für Probleme stellt allerdings die bakterielle Vaginose dar, die durch das Ungleichgewicht in der Scheidenflora entsteht. Die Milchsäurebakterien nehmen ab, wodurch das Schutzsystem der Flora kippt und Bakterien und Pilze leichter eindringen können. Da beides ähnliche Symptome hervorruft – wobei bei der bakteriellen Vaginose häufig ein weißlich grauer Ausfluss entsteht, der nach Fisch riecht –, aber eine andere Behandlung erfordert, ist eine mikroskopische Untersuchung durch den Arzt vonnöten. Infektionen mit der Bakterienart Chlamydia trachomatis werden durch Geschlechtsverkehr übertragen und sind tückisch, weil sie meist keine spürbaren Symptome hervorrufen und bei Frauen zu Unfruchtbarkeit führen können.

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