Montag, 16. September 2019

Intim? Aber gesund!

Ausgabe 2014.02

Über gute und böse Bakterien und Pilze, was die einen von den anderen unterscheidet, was Ihre Scheidenflora angreift und wie Sie Ihren Intimbereich gesund halten können.


Foto: Can Stock Photo Inc. - konradbak

 

Zumeist ist ja alles in Ordnung und im Gleichgewicht. Bakterien, Pilze & Co bilden die natürliche Besiedelung unserer Scheide, die sogenannte Scheiden- oder Vaginalflora. „Eine gesunde Scheide weist rund 100 Millionen Keime pro Millimeter Scheidengewebe auf“, sagt Dr. Elia Bragagna, Sexualmedizinerin, Psychotherapeutin und Sexualtherapeutin (www.eliabragagna.at). Diese Mikroorganismen leben in friedlicher Koexistenz und verhindern, dass schädliche Keime, Pilze und Bakterien eindringen oder gar überhandnehmen. Das Verteidigungssystem ist recht ausgeklügelt – so etwa sind unterschiedliche Arten von Milchsäurebakterien (Döderlein-Bakterien) für das saure Vaginalmilieu zuständig, das eine ganze Reihe von Bakterienarten wie der Teufel das Weihwasser scheuen. Dazu muss man wissen: Der natürliche pH-Wert liegt zwischen 3,8 und 4,5 (die Skala geht von dem sauersten Wert 0 bis zum basischen Wert 14).

Pilze kennen kein Pardon. Den angreifenden Pilzen ist der Säuregehalt indes relativ egal. Um den zudringlichen Artgenossen Herr zu werden, müssen alle Verteidigungskräfte (etwa: antibiotisch wirkende Substanzen und Wasserstoffperoxid) gebündelt werden. Und das funktioniert hervorragend. Das System ist zwar zyklusbedingt, hängt etwa von der Konzentration des Sexualhormons Östrogen ab. Auch bei einer Schwangerschaft, in der Pubertät und natürlich später im Wechsel ist das körpereigene Abwehrsystem durchaus gefordert, aber unser Körper bekommt das zumeist problemlos hin.

Wenn das System aus dem Takt gerät. Abgesehen von Erkrankungen, die das körperliche Immunsystem generell angreifen, oder auch Stoffwechselerkrankungen, sind wir es selbst, die das natürliche Gleichgewicht der Flora ins Wanken bringen. Statt die emsigen Verteidiger ihren Job in Ruhe machen zu lassen, ihnen zu vertrauen und auch einmal aufrichtig zu danken, mischen wir uns ein und bringen dadurch das gesamte System zum Kippen: Wo Wasser allein reichen würde, rücken wir mit einer ganzen Armada duftender und oft auch desinfizierender Hygieneartikel – Duschgels, Seifen, Intimsprays, Scheidenspülungen – an und zerstören mit diesem übertriebenen, unnötigen, kontraproduktiven Hygienebestreben die natürliche Flora. Die Folge davon: Den ungebetenen Gästen wird Tür und Tor geöffnet und die Anfälligkeit für Pilzinfektionen und bakterielle Entzündungen steigt. Expertin Bragagna: „Eine gesunde Scheide reinigt sich von selbst. Sogar Scheidenduschen, die ausschließlich mit reinem Wasser gemacht werden, stören den pH-Wert in der Vagina und somit das Gleichgewicht.“

Auf die richtige Kleidung achten! Möglichst vermieden werden sollte überdies das Tragen von Stringtangas und eng anliegenden Hosen, da die entstehende Reibung zu Verletzungen der sensiblen Schleimhaut führen kann. Hinzu kommt: Durch das Verwenden von Slipeinlagen mit Plastikschutz und synthetischer Unterwäsche bildet sich in dem sowieso schon feuchten Intimbereich ein Wärmestau – der ideale Nährboden für Krankheitserreger.

Wenn das Scheidensekret sich verändert. Unsere Vagina ist auch im Normalzustand – das heißt ohne sexuelle Erregung oder vermehrten Ausfluss aufgrund von Infektionen oder Entzündungen – ziemlich feucht. Diese Flüssigkeit, auch Ausfluss oder Vaginalsekret genannt, bildet sich aus dem Transsudat (so wird die austretende, nicht entzündliche Körperflüssigkeit bezeichnet) der Scheidenwand und des Zervikalschleims (wird von der Gebärmutterschleimhaut gebildet). Kurz vor der Menstruation ist dieser Ausfluss durch den Anstieg der weißen Blutkörperchen, die dazu beitragen, die Gebärmutter vor Infektionen zu schützen, dickflüssiger und weißlich. Während des Eisprungs indes sieht das Sekret glasig aus, zieht Fäden und ist wesentlich flüssiger. Der Grund dafür: Den Spermien wird dadurch der Weg zur Gebärmutter ermöglicht. Nach der Menopause produziert unser Körper aufgrund der Hormonumstellung deutlich weniger Flüssigkeit, und wir werden durch die trockene Scheide anfälliger für Pilzinfektionen und bakterielle Vaginose (eine der häufigsten mikrobiologischen Störungen des Scheidenmilieus). Wenn etwas nicht in Ordnung ist, lässt sich das recht einfach feststellen: Der Ausfluss ist stärker, er hat eine andere Konsistenz, eine gelblich bis bräunliche Farbe, er riecht unangenehm und wird sehr oft begleitet von Juckreiz und schmerzhaftem Brennen.

Wenn die Abwehrkräfte schlapp machen. Sehr oft wird die Irritation der Scheidenflora durch Antibiotika, die gegen bakterielle Entzündungen im Körper verschrieben werden, ausgelöst. Die Gesundung geht zwar recht schnell, allerdings sind die Nebenwirkungen nicht zu unterschätzen. Antibiotika unterscheiden nämlich nicht zwischen den guten und den bösen Bakterien: Sie metzeln alle nieder. Auch die Milchsäurebakterien im Intimbereich, die für das notwendige saure Klima sorgen. „Nach einer Behandlung mit Antibiotika sollte die Scheidenflora unbedingt sofort wieder aufgebaut werden“, rät Bragagna. Und so die Expertin weiter: „In Joghurt getauchte Tampons gelten zwar noch immer als Allheilmittel, um Milchsäurebakterien zuzuführen, allerdings ist nicht gesichert, dass nicht auch Keime mit eingeführt werden. Besser ist es, sich spezielle Scheidenkapseln, die Milchsäurebakterien enthalten, verschreiben zu lassen.“ Obzwar Antibiotika als häufigste Ursache für eine Störung gelten, sind nebst den schon beschriebenen auch folgende Faktoren beteiligt: lang andauernder Stress, ungeschützter Geschlechtsverkehr, hormonelle Verhütungsmittel – und auch sehr häufiger Sex. Denn: Sperma kann aufgrund des hohen pH-Wertes von bis zu 7,8 durchaus das Gleichgewicht der Scheidenflora ins Wanken bringen.

Achtung beim Sex! Der einhellige Expertentipp in Sachen Sex: Verwenden Sie Kondome (aber bitte: ohne Duftstoffe!). Dem gesunden Scheidenklima abträglich sind überdies: ungesunde Ernährung, Keime auf (öffentlichen) Toiletten, Weichspüler, Chlor, Tampons (Tipp: vor und nach dem Einführen Hände waschen und den Tampon oft wechseln) und Schwimmtampons (sind nicht zu empfehlen, weil durch die Dochtwirkung Wasser in an sich durch den Körper geschützte Regionen gelangt). Expertin Bragagna: „Nehmen Sie Anzeichen einer gestörten Scheidenflora, wie Ausflussveränderungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, aber auch Juckreiz unbedingt ernst und wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Denn nur mit einer mikroskopischen Untersuchung kann das Verhältnis zwischen den guten und den bösen Bakterien und Pilzen bestimmt und folglich auch dementsprechend therapiert werden.“ Und vergessen Sie nie: Es ist niemals peinlich, über Krankheiten oder Symptome im Intimbereich zu sprechen! Sprechen Sie also rechtzeitig mit der Ärztin/dem Arzt Ihres Vertrauens!n

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