Sonntag, 29. März 2020

Zurück zum Genuss

Ausgabe 05/2009
Für Barbara van Melle,  TV-Moderatorin und  Slow-Food-Wien-Chefin, zählen zu den schönen Seiten des Lebens vor allem jene Dinge, die die  Sinne für ein bewusstes Leben schärfen.  Ihr Motto: „Jede Veränderung ist eine Chance.“

Foto: Luzia Ellert - Edition a la carte
Jeden Sonntag um 16.15  Uhr auf ORF 2 steht mit  „Schöner Leben“ für fünfzig Minuten ein bunter Themenmix am Programm. Gleich als van Melle 2003 die Sendung übernahm, lud sie als ersten Studiogast einen Oberösterreicher ein, der sich in seiner Pension für Leprakranke im Senegal engagiert. „Ich möchte aufzeigen, wie individuell unterschiedlich die ­Vorstellungen eines erfüllten Lebens sind. Ich wehre mich gegen einen Egozentrismus, der sich ständig nur um das eigene Wohlbefinden dreht. Wir rücken daher auch soziales Engagement und starke ­Menschen in den Mittelpunkt.“ Aber auch „leichte Kost“ kommt mit Starporträts sowie unterschiedlichsten Freizeittipps nicht zu kurz. Und entsprechend ihrer Überzeugung, dass beim Essen der wahre Luxus „in der Einfachheit, in der Wiederentdeckung des Geschmacks und in der Sortenvielfalt liegt“, stellt sich van Melle in der Sendung immer wieder auch selbst an den Herd.

Erdbeeren im Winter? Lebensmittel zu ­Diskontpreisen? Oder Eier aus der Legebatterie? Das geht für die TV-Journalistin gar nicht: „Bei jeder Kaufentscheidung sollte man sich fragen, welches System will ich unterstützen.“ Deshalb ist van Melle auch seit zwei Jahren ehrenamtlich für Slow Food ­tätig. Die Bewegung  setzt sich für faires und gutes Essen, Regionalität und Erhaltung der biologischen Vielfalt ein. Mit deklarierten Slow-Food-Produkten – alles Bioqualitätsprodukte aus Österreich – wird das Gegenteil von Fast-Food propagiert. Van Melle: „Gut schmeckende Lebensmittel, die man retten will, muss man ganz bewusst einkaufen und essen.“ www.slowfood-wien.at

Barbara van Melle lebt …

… schön. Sie stehen als Frau beruflich in der Öffentlichkeit, wie wichtig ist Ihnen da Ihr eigenes Aussehen?
Es wäre gelogen, wenn ich jetzt sage, dass ich nicht eitel bin (lacht). Jeder Mensch ist das, aber ich bemühe mich um einen entspannten Umgang damit. Vor allem möchte ich mit dem Älterwerden gut umgehen können, auch wenn das nicht immer ganz leicht ist. Lustigerweise fällt mir das aber immer leichter, je älter ich werde.

… schlau. In Ihrer Sendung geht es um ein schönes und bewusstes Leben – wie gut gelingt Ihnen das selbst?
Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen. Für „Schöner Leben“ gehe ich nicht nur  journalistisch auf Entdeckungsreise, sondern auch für mich persönlich. Es ist. ein Erlebnis, wenn ich z.B. mit einem Waldviertler Bäcker gemeinsam eine ganze Nacht in seiner Backstube stehe oder Projekte wie „Grenzenlos kochen“ in St. Andrä-Wördern kennenlerne, wo gemeinsames Kochen Menschen unterschiedlichste Kulturen zusammenbringt (www.grenzenloskochen.at).

… gut. Gutes, qualitätsvolles Essen hat für Sie eine zentrale Bedeutung.
Die Liebe zum Kochen und die Leidenschaft für gute Lebensmittel hat mir meine Mutter mitgegeben. Doch gutes Essen soll kein elitärer Genuss, sondern für jedermann leistbar sein. Meine Familie und ich essen z.B. nur zweimal in der Woche Fleisch, das muss dann aber wirklich gute Qualität haben. Es ist auch eine Frage der Prioritäten, die man setzt. Unlängst habe ich an der Tankstelle für eine Flasche ­Motoröl 21 € bezahlt, ein wirklich schon sehr gutes Speiseöl kostet maximal 10 €.

… gesund. Was tun Sie selbst für Ihre Gesundheit?
Vor allem kümmere ich mich nicht nur punktuell darum. Also mache z.B. eine Diät oder einen Wellnessurlaub und denke dann, das reicht wieder für ein Jahr. Ich versuche all die Dinge, die man ohnedies weiß – ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung – auch wirklich in meinen Alltag zu integrieren. Und ich bin überzeugte Nichtraucherin!

… aktiv. Drei Kinder, Beruf, eine begeisterte Köchin – wie bleibt da Zeit für genügend Bewegung?
Ich bewege mich sehr gerne. Ich erledige daher so oft wie möglich alle meine Wege in der Stadt mit dem Fahrrad. So komm ich zumindest auf eine Stunde Bewegung am Tag. Allerdings bin ich heute ohne Fahrradhelm losgefahren, meinen Kindern würde ich das nie erlauben.

… bewusst. Sie haben einmal gesagt „Zufälle – an die ich übrigens nicht glaube – haben mein Leben geprägt“. Was steckt da dahinter?
Ein spiritueller Zugang ist mir wichtig. „Es gibt  mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumt“, hat auch schon Hamlet gesagt. Aber Esoterikerin bin ich keine. Es geht für mich um Achtsamkeit und darum, die Dinge in ihrer Gesamtheit zu sehen. Oft sind Veränderungen, die sich zufällig ergeben und wo man zuerst denkt „Was für eine Katastrophe“, eine Chance.


BIOGRAFIE
Barbara van Melle, 49, studierte Publizistik und Politikwissenschaften in Wien. 1984 begann sie mit der Gestaltung und Moderation von Radiosendungen (Radio Wien, Ö1). Ab 1988 Produktion vor allem wissenschaftlicher Beiträge für den ORF, z.B. „Wissen Spezial“, „Treffpunkt Natur“, „Universum“. 1995–2002 Sendung „Thema“. Seit 2003 Moderation des Freizeitmagazins „Schöner Leben“. Van Melle ist verheiratet, Mutter von vier Kindern und Köchin mit Leib und Seele. Ehrenamtlich engagiert sie sich seit zwei Jahren für die Initiative „Slow Food“.

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