Sonntag, 19. November 2017

„Wir brauchen einand er wie Luft und Wasser“

Ausgabe 2017.09
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Das Schauspieler-Star-Ehepaar Harald Krassnitzer und Ann-Kathrin Kramer  im tiefgründigen Gespräch über Genuss, die Kunst des Hinterfragens, das Glück als Talent für das Schicksal – und die große, immerwährende Liebe.


Foto: Aufmacher_JR8A6957_Kati_Bruder

Wir treffen Harald Krassnitzer und Ann-Kathrin Kramer am Längsee in Kärnten, genauer: im noblen Weingut Georgium. Dass Krassnitzer großer Fan von Wein (und Weinanbau) ist, zeigt sich gleich in den ersten Minuten unseres Treffens: Begeistert und mit ehrlichem Interesse zeigt er uns die imposanten Weinfässer im Keller des Weinguts. Mit großer Freude begrüßt man Krassnitzer und Kramer im Restaurant, es ist schließlich schon das fünfte Mal, dass das Paar hier Herz und Seele baumeln lässt. Krassnitzer plaudert mit Gästen des Badesees. Beide helfen beim Equipment-Tragen, bevor es zum Fotoshooting geht, beide leben, was sie auch von anderen erwarten: großen Respekt und Bodenständigkeit. Besonders Krassnitzer macht aus seinem Seelenleben keine Mördergrube. Der „Tatort“-Star strahlt Ruhe, aber auch Autorität aus. Kramer wiederum scheint die etwas Quirligere von beiden zu sein, sie lacht viel, gleichzeitig mustert sie ihre Gesprächspartner aber genauestens – aus Interesse, aber auch aus Teilnahme. Und immer leuchten ihre Augen dabei. Es bestätigt sich bei den beiden einmal mehr: Je größer der Star, desto kleiner die Allüren. Wenn es um seine Frau geht, dann sprühen die Herzerln aus Krassnitzers Augen immer noch, als wären die beiden erst in der Phase des Frisch-verliebt-Seins. Sind sie auch – obwohl sie seit 16 Jahren ein Paar sind (davon acht Jahre verheiratet). Und wenn man die beiden beim Händchenhalten, beim Verliebte-Blicke-Zuwerfen und beim Stets-die-Nähe-des-anderen-Suchen zusieht, dann ist man sich plötzlich sicher: Die große Liebe, die gibt’s nicht nur im Fernsehen, sondern auch im wahren Leben.

GESÜNDER LEBEN:  Sind Sie beide naturverbundene Menschen?
Ann-Kathrin Kramer: Es ist zwar nicht so, dass wir jedes Wochenende wandern gehen oder wir in einer Stadt nicht überleben können, aber wir genießen die Natur sehr. Das hat etwas mit der Sehnsucht nach Rhythmus, nach Stille, nach „stirb und werde“ zu tun.
Harald Krassnitzer: Ich persönlich merke immer mehr, dass ich froh bin, wenn ich der Stadt entkommen kann. Ich ertrage die Dynamik in einer Stadt immer schwieriger, diese permanente Überladung.
Kramer: Zu viel von allem.
Krassnitzer: Man wird permanent in einen erzwungenen Aufmerksamkeitsmodus gebracht, anstatt dass man in einem Wahrnehmungs- oder Bewusstseinsmodus lebt. Du musst ständig auf alles achten, sei es der überbordende Verkehr oder auch: Ist die U-Bahn bereits voll? Was will mir dieses Plakat sagen? Welches Event findet hinter der nächsten Ecke statt und muss ich da hin? Oder soll ich lieber weggehen? Du bist permanent gezwungen, Stellung zu nehmen. Und hast dadurch weniger Raum festzustellen, was deine wirklichen Bedürfnisse sind. Für mich ist Urbanität nicht mehr ein Hort der unglaublichen Chancen der Entfaltung.

GL: Was tun Sie, wenn es Ihnen zu viel wird? Krassnitzer: Dann verzupf’ ma uns.
Kramer: Wir suchen Rückzug in unserem Zuhause am Land. Natur beruhigt uns.
Krassnitzer: Wir besuchen ein Weingut, genießen den See neben uns und führen mit GESÜNDER LEBEN ein Interview in einem wundervollen Restaurant! (beide lachen)

GL: Das Stadtleben wird oft mit dem Begriff „durchs Leben boxen“ in Verbindung gebracht. Sind Sie jemand, der sich durchs Leben boxen musste und jetzt das Kämpfen hinter sich gelassen hat?
Kramer: Ich glaube generell nicht an ein Boxen, an ein Kämpfen und Über-Leichen-Gehen. Damit erreicht man nichts im Leben – zumindest nichts, was einem im Verhältnis stehend Glück bringt. Ich denke wirklich, dass Glück Talent für das Schicksal ist. Diese Weisheit (vom deutschen Lyriker Novalis, Anm. d. Red.) hat sich mir öfter bestätigt. Sie bedeutet, dass man sich nicht am grünen Tisch einen Plan macht, was man unbedingt erreichen will, und sich notiert, was einem im Leben – angeblich – zusteht. Sondern vielmehr sollte man sich als Teil des Ganzen empfinden, vielleicht auch als Teil der Natur. Dass man die Wege, die sich rund um einen zeigen und auftun, wahrnimmt. Dass man mit dem Wasser schwimmt und auf Strömungen reagiert – und zwar mit Lust, nicht mit Verbissenheit.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 „Wir brauchen einand er wie Luft und Wasser“
Seite 2 Interview

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