Montag, 18. Dezember 2017

„Sport hilft, Krisen zu meistern!“

Ausgabe 207.10
Seite 1 von 2

Ex-Skistar  niki hosp  im GESÜNDER LEBEN -Gespräch über ihre Arbeit mit rheumakranken Kindern, Weiblichkeit und natürlich das Skifahren. Das ist nämlich immer noch ihre große Leidenschaft – im Gegensatz zum Tanzen, trotz ihrer Teilnahme an der ORF-Show „Dancing Stars“.


Foto: ORF Roman Zach-Kiesling

Die erfolgreiche Ex-Skirennläuferin Niki Hosp (unter anderem 12 Weltcup-Siege und 3 Olympia-Medaillen) ist genau so, wie man es sich erwartet: bodenständig, unkompliziert, witzig. Eine waschechte Tirolerin, die in der Natur zu Hause ist und die mit Allüren nichts anfangen kann. Trotz der tiefen Entspanntheit, die Hosp ausstrahlt, gibt sie ihren Gesprächspartnern das Gefühl, mit ihr jederzeit Pferde stehlen zu können. Hosp (34) scheint, zwei Jahre nachdem sie ihre Karriere als Profisportlerin offiziell beendet hat, ihre Mitte gefunden zu haben und mit sich im Reinen zu sein.

Nationalheldin. Fans hat sie aber immer noch, das wird auch während unseres Interviews, das in einem Golfhotel in Niederösterreich stattfindet und zu dem sie von ihrem Lebensgefährten Roland Schönegger begleitet wird, mehr als deutlich: Nicht nur dass der Chef des Restaurants uns überschwänglich begrüßt und von einer „außerordentlichen Ehre“ spricht, den Skistar als Gast in seinem Haus haben zu dürfen; auch während unseres Gesprächs bittet ein junger Kellner schüchtern um ein Foto mit dem Skistar (worauf Hosp natürlich mit einem urigen „Jo kloa!“ reagiert). Und während wir das Restaurant durchqueren, drehen sich Köpfe zu uns um, es wird uns zugelächelt und ein erfreutes „Ah, die Frau Hosp!“ hört man auch einmal. Man kommt nicht umhin, an den Begriff „Nationalheldin“ zu denken ...

GESÜNDER LEBEN: Neben uns erstreckt sich ein Golfplatz. Haben Sie Ski gegen Golfschläger eingetauscht?
Niki Hosp: Die Platzreife absolvierte ich schon vor 14 Jahren. Danach habe ich zehn Jahre nur sehr sporadisch gespielt. 2013 bin ich am Pfeiffer’schen Drüsenfieber erkrankt und ich habe eine Sportart gesucht, bei der ich mich nicht nur langsam vortasten kann, sondern auch in der freien Natur bin. Vor allem aber habe ich Ablenkung gesucht, denn die Krankheit war eine große physische und psychische Belastung für mich. Golf hat sich hier angeboten, auch, weil mein Lebensgefährte schon länger fanatischer Golfspieler ist! (lacht) Ich habe dann also begonnen, mich intensiver mit dem Sport zu beschäftigen, und schnell hat auch mich das Golffieber gepackt!

GL: Was gefällt Ihnen so gut an Golf?
Jeder, der noch nie Golf gespielt hat, unterschätzt diesen Sport. Golf ist ja als „Altherren-Sportart“ verschrien, in Wirklichkeit aber braucht man dafür sehr viel Konzentration, Geschicklichkeit und auch körperliche Fitness. Toll finde ich, dass man beim Golf abschalten kann und muss, man darf sich auf nichts anderes konzentrieren. Und als naturverbundener Mensch liebe ich es, am Golfplatz zu sein. Bei einem einzigen Spiel legt man gleich mehrere Kilometer zurück.

GL: Welches Handicap haben Sie?
12,3. Ich bin ganz zufrieden.

GL: Man sagt Profisportlern nach, von Ehrgeiz zerfressen zu sein. Hand aufs Herz: Trifft das auch auf Sie zu?
Ich würde eher sagen: Ich bin von Ehrgeiz angetrieben. Eine gesunde Portion Ehrgeiz hat man als Leistungssportler immer, das ist auch gut und notwendig!

GL: Sie haben zuvor die Konzentration beim Golfen angesprochen. Wie haben Sie unmittelbar vor einem Skirennen den Fokus gefunden?
Ich habe mir die Strecke, die Bewegungsabläufe und den perfekten Schwung ganz genau visualisiert. Diese Dinge hat man im Kopf abgespeichert, aber auch das Gefühl, das in einem während des Rennens hochkommt.

GL: Visualisieren von Zielen, das positive Formulieren von Herausforderungen und innere Stärke aus dem Hochgefühl des Adrenalinkicks zu gewinnen – das sind auch Strategien, um mit Herausforderungen im Leben umzugehen ...
Ich bin ja mit dem Leistungssport aufgewachsen und da gehören diese Strategien, die Sie angesprochen haben, dazu. Und man lernt zu einem gewissem Grad, sie auch im Leben anzuwenden. Ich habe sehr viel von meiner Karriere als Profisportlerin profitiert. Sport prägt jeden Menschen, egal ob er Leistungssportler ist oder nicht. Schon allein, weil man ein ganz anderes Körperbewusstsein entwickelt und eine höhere Belastungsgrenze hat. Der Körper funktioniert, wenn er funktionieren muss – und das hat auch einen positiven Effekt auf das Seelenleben. Und nicht zuletzt dank all der Hochs und Tiefs, durch die man in seiner Sportlerkarriere geht, lernt man, wie man sich aus Krisen herauszieht. Weil man weiß, was alles in einem steckt und welche Talente man hat. Man weiß, dass man imstande ist, etwas zu leisten, auch wenn es einem gerade nicht so gut geht.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 „Sport hilft, Krisen zu meistern!“
Seite 2 Selbstdisziplin

Aktuelle Ausgabe & E-Paper

cover 2017-12 110x147

Aktuelles Heft 12/2017

Die nächste Ausgabe erscheint am 1. Februar

 

Unsere Ausgabe 11/2017 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Wie wirkt sich Stress auf Ihr Essverhalten aus?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information

SERVICE