Sonntag, 19. November 2017

„So habe ich den Stress besiegt“

Ausgabe 2017.11
Seite 1 von 2

„Soko Donau“-Star Lilian Klebow im Gespräch über Mutterliebe, Achtsamkeit und wie sie dank Meditation, Yoga und Tanzen den Stress als Schauspielerin und zweifache Mutter in den Griff bekommen hat.


Foto: ORF Thomas Ramstorferw

Lilian Klebow ist gestresst. Das darf man sagen. Am Tag unseres Interviews wurde kurzfristig ein Dreh für die neue „Soko Donau“-Staffel (Anfang 2018 im ORF) angesetzt. Seit früh- morgens stehe sie bereits am Set in Niederösterreich, erzählt sie. „Mutterchaos mit Drehchaos ist manchmal ein bisschen viel“, gibt sie zu. Denn Klebow ist nicht nur Schauspielerin, sondern auch Mutter ... nein, Moment: Klebow ist vor allem Mutter und dann erst Schauspielerin. Tochter Charlie wurde 2014 geboren, Söhnchen Sonny Alessio erblickte im Jänner dieses Jahres das Licht der Welt. Zwei kleine Racker also, das hält auf Trab! Und auch wenn Klebows Leben derzeit strikt durchgeplant ist, so wird während des Gesprächs schnell klar: Die 38-jährige Münchnerin und Wahl-Wienerin mag zwar vor allem für ihre authentische Darstellung der toughen Polizistin Penny Lanz bekannt sein, die Rolle ihres Lebens ist aber die der zweifachen, liebevollen (und ja: auch gestressten) Mama. Denn immer wenn Klebow, die sich kein Blatt vor den Mund nimmt und sehr viel Selbstreflexion beweist, über ihre Familie spricht, wird ihre Stimme eine Spur weicher, eine Spur verträumter. Apropos: 2011, als Klebow uns das erste Mal für ein Interview zur Verfügung stand, bezeichnete sie „irgendwann eine eigene Familie zu haben“ noch als „Lebenstraum“: „Am liebsten den Klassiker: zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen.“ Damit gehört Klebow zu jenen glücklichen Menschen, die von sich behaupten können, ihren Traum zu leben. Vielleicht gibt ihr ja genau das in stressigen Zeiten die größte Kraft …

GESÜNDER LEBEN: Die erste Frage liegt auf der Hand: Wie gehen Sie mit Stress um?
Lilian Klebow: Ich bin generell ein Mensch, der das Gefühl hat, dass alles zu schaffen ist. Ich war früher ein regelrechter Stressjunkie, ich hab’s sogar gebraucht und genossen, ständig zu tun zu haben, unter Strom zu stehen. Mittlerweile weiß ich, dass man damit am Leben vorbei lebt.

GL: Wie kamen Sie zu dieser Erkenntnis?
Das war zum Glück schon vor der Geburt meiner Tochter. Es war bei einem Ayurveda-Urlaub in Indien. Eine Einheimische fragte mich, wieso wir Europäer immer so gestresst sind, schließlich geht es uns doch sehr gut. Darüber habe ich nachgedacht und fand, dass sie recht damit hat. In der Zeit zwischen meinem ersten und zweiten Kind habe ich zudem gelernt zu meditieren. Auch Yoga, Pilates und Tanzen beruhigt mich. Der Tanz war für mich sehr lange Zeit so etwas wie Meditation, weil man dabei vollkommen bei sich ist und in sich selbst versinken kann.

GL: Entschleunigung spielt für Sie eine wichtige Rolle?
Ich versuche, jeden Tag wenigstens für zehn Minuten zu meditieren und Yoga zu praktizieren. Das hält mich im Gleichgewicht. Aber ja, Sie haben recht: Entschleunigung ist ein wichtiges Thema für mich. Mich immer wieder selbst runterzuholen. Ich habe mich sehr viel mit den Themen Achtsamkeit und Bewusstsein auseinandergesetzt und viel darüber gelesen. Das bin ich auch meinen Kindern schuldig: Als Mutter muss man ein geduldiger Fels werden und zu sich selbst finden. Früher war ich ständig am Laufen, bin eigentlich vor dem Leben davongerannt.

GL: Wie hat Sie das Mamasein verändert?
Ich bin achtsamer und verletzlicher geworden. Achtsamer für die Welt rund um mich herum. Ich empfinde es als Krankheit unserer Gesellschaft, dass sich alles stets um einen selbst dreht: Wie befriedige ich meine Bedürfnisse? Was gibt es Neues? Es geht immer nur um das Ich, Ich, Ich. Als ich Mama geworden bin beziehungsweise bereits während der Schwangerschaft, machte schlagartig alles Sinn. Ich hatte das Gefühl, endlich zu verstehen, worum es im Leben geht: Nämlich nicht um einen selbst, sondern um dieses zarte neue Leben, das da in dir heranwächst. Für mich war das ein sehr beruhigendes und tröstliches Gefühl. Achtsamer bin ich aber auch deshalb, weil man natürlich ständig ein wachsames Auge auf seine Kinder haben muss. Man trägt eine große Verantwortung. Das ist durchaus die anstrengende Seite am Elternsein.

GL: Wie viele andere Mütter haben also auch Sie die Begriffe „Selbstlosigkeit“ und „bedingungslose Liebe“ erst dann so richtig verstanden, als das erste Kind da war ...
Auf jeden Fall. Man hört solche Sprüche von Müttern zwar laufend, aber wirklich nachempfinden kannst du es erst dann, wenn du selbst Mama bist. Spätestens wenn das Kind seine ersten Beschwerden hat, weißt du: Du würdest alles für dieses Lebewesen tun. Und umgekehrt bist auch du für dieses Lebewesen die eine Person, die es braucht. Und gebraucht zu werden, ist etwas Wunderschönes. 34 Jahre lang habe ich gemacht, was ich wollte, aber interessanterweise habe ich erst in diesem Gebrauchtwerden Freiheit gefunden. Mit meiner ersten Schwangerschaft hatte ich das Gefühl, dass das Leben so richtig anfängt.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 „So habe ich den Stress besiegt“
Seite 2 Muttersein

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information

SERVICE