"Das Landleben tut meiner Seele gut“

Ausgabe 2017.04

Ihrer Stimme kann man täglich auf Ö3 lauschen. Doch da spricht Elke Rock bloß über Musik und nicht von ihren Ängsten, krank zu werden, von ihrem Leben am Land oder ihrem Faible für ethisch korrekte Produkte – und für Bewegung. Hier schon.


Foto: Ö3 - Roman Pfeiffer

Der Kaffee koffeinfrei. Die Milch dazu bitte von der Sojasorte und, nein, kein Zucker. Die Bestellung entlockt dem Kellner ein leises Schmunzeln. Aber Elke Rock weiß das geflissentlich zu ignorieren. Denn wenn sich die Ö3-Beauty stets darüber Gedanken machen würde, was die Leute so an Oberflächlichem über sie denken, hätte die 34-Jährige wohl den falschen Job gewählt. Schließlich steht sie als Radiomoderatorin des größten Senders des Landes täglich in der Öffentlichkeit. Aber über sich selbst, darüber macht sich die Sportskanone sehr wohl jede Menge Gedanken. Eben deshalb sitzen wir nun 75 Meter über den Dächern Wiens, um im „Das Loft“ des Sofitel möglichst weit in die Tiefe zu gehen.

GESÜNDER LEBEN: Du bist frisch verheiratet, heißt nun statt Elke Lichtenegger Elke Rock. Hält das junge Glück denn auch jung?
Elke Rock: Die Ehe ist nicht anders als die Beziehung davor, es ist genauso schön wie früher. Wir machen die gleichen Dinge wie zuvor, tragen eben nur beide einen Ring am Finger.

GL: Kannst du aus deinem Leben etwas destillieren, was dich besonders glücklich macht?
Die Tatsache, dass ich mein Leben mit sehr vielen sehr schönen Dingen gestalten kann. Egal ob das meine Hobbys sind oder am Wochenende in meine steirische Heimat zu fahren oder auch mein Job bei Ö3, der mir Spaß macht. Dann kommt noch die Familie und meine harmonische Beziehung hinzu. Dieses Gesamtpaket, das macht mich glücklich.

GL: Hat Lebensglück deiner Meinung nach Auswirkungen auf deine Gesundheit?
Ja natürlich. Wenn du permanent unglücklich bist, schlägt sich das sehr schwer auf deine Psyche nieder. Und – da bin ich fest davon überzeugt – wenn dich etwas dauerhaft bedrückt, macht dich das auch körperlich krank.

GL: Hast Du so ein Aus-der-Balance-Geraten selbst schonerlebt?
Ich merke einfach manchmal, in Zeiten, in denen es im Beruf stressiger wird, wenn zu viele Dinge zusammenkommen, dass ich einen gewissen Druck verspüre. Dann bekomme ich wahnsinnige Nackenschmerzen, werde extrem verspannt und hab das Gefühl, dass ich ständig einen schweren Rucksack mit mir herumschleppe. Das ist jetzt freilich im Vergleich zu anderen Problemen lächerlich, aber es sind doch so kleine Zeichen, an denen ich merke: Mein Körper sagt mir gerade, es ist eine Spur zu viel.

GL: Das heißt, du hörst sehr bewusst auf deinen Körper?
Ja, das glaube ich schon. Mir ist Gesundheit einfach grundsätzlich sehr wichtig. Das ist sogar ein riesiges Thema für mich. Und ich habe auch Angst davor, krank zu werden. Und so höre ich auch auf die kleinsten Kleinigkeiten, nehme die minimalsten Veränderungen an mir wahr. Wenn ich etwas entdecke, beobachte ich das gleich und suche nach den Ursachen.

GL: Hast du diese Angst vor Krankheit immer gehabt?
Nein. Ich hab in den letzten zwei Jahren jedoch zwei Familienangehörige durch Krebs verloren und auch mein Opa ist daran gestorben. Das ist dann irgendwie permanent in meinen Hinterkopf gewandert. Das sind schließlich deine nächsten Verwandten. Ob du willst oder nicht, das beeinflusst dich und du fängst an zu denken: Aufpassen! Schau, dass du so gesund wie möglich lebst! Versuch im Jetzt zu leben. Plane nicht zu weit ins Voraus. Weil: Du weißt doch nie ...

GL: Haben sich daraus auch medizinische Interessen entwickelt?
Ich bin mittlerweile schon sehr offen für alternative Medizin. Ich versuche kleine Kinkerlitzchen homöopathisch zu behandeln und das funktioniert auch sehr gut. Dafür muss man natürlich offen sein, aber bei mir klappt das. Außerdem hab ich TCM, die traditionelle chinesische Medizin, für mich entdeckt. Das kam durch eine heftige Gastritis, wegen der ich sogar fünf Tage im Spital bleiben musste. Bis mir dann eine TCM-Ärztin in Wien empfohlen wurde. Die hat mir dann aus unterschiedlichsten Kräutern einen Tee verschrieben. Ich schwöre: weg war sie! Gleiches mit den vorhin erwähnten Nackenschmerzen: weg!

GL: Und wie stehst du nach diesen Erfahrungen zur klassischen Schulmedizin?
Ich bin grundsätzlich nicht die, die wegen ein bisschen Kopfweh gleich zu Medikamenten greift. Außerdem: Mit ein bisschen Schmerz muss man doch auch umgehen können, das gehört dazu. Und es ist einfach nicht gesund für deinen Organismus, der schließlich den ganzen Müll wieder loswerden muss. Aber wenn es wirklich ernsthafte Dinge sind, dann gibt’s zum Glück und natürlich auch für mich die Schulmedizin. Eine Kombination unterschiedlicher Behandlungsformen ist, so glaube ich, am zielführendsten.


 

GL: Und worauf achtest du besonders, um gesund zu bleiben?
Ich versuche immer alles über Sport und Bewegung auszugleichen. Ich hab einmal gelesen, dass Sport in deinem Körper einen Prozess in Gang setzt, der alles Schlechte bekämpft. Das war für mich so einprägsam, dass ich mir gesagt hab: Dann mach ich mir von jetzt an jeden Tag meine kleine Therapie selbst und geh laufen oder mit den Hunden spazieren. Ich denke, es geht dabei nicht unbedingt darum, dass du jeden Tag zehn Kilometer rennst. Es geht vielmehr darum, dass du Bewegung machst. Im Idealfall an der frischen Luft ...

GL: ... das geht bei dir ja ganz gut, du lebst nicht mehr in der Stadt ...
Genau, ich lebe auf dem Land. Und das tut meiner Seele einfach richtig gut! Dabei konnte ich mir das am Anfang genau gar nicht vorstellen. Schließlich bin ich ein klassischer Großstadtindianer. In der kleineren Stadt Graz aufgewachsen, dann weiter in die Großstadt Wien und plötzlich kommt jemand daher und sagt: Wir ziehen nach Niederösterreich in einen kleinen Ort! Tja, dann muss man schon einmal nachdenken (lacht).

GL: Also hat dein Mann Andreas gesagt: Lass uns aufs Land ziehen?
Nein, das war schon eine gemeinsame Entscheidung und ist eigentlich aus einer Not heraus entstanden. Wir hatten damals beide unsere Wohnungen gekündigt, um zusammenzuziehen. Aber auf die Schnelle haben wir dann keine passende Wohnung gefunden. Weil das Haus der Großeltern aber seit Jahren leer stand, nutzten wir es erst einmal als Übergangslösung. Und sind einfach nicht mehr weggezogen. Wir haben es an unsere Bedürfnisse angepasst und heute kann ich es mir gar nicht mehr anders vorstellen. Wenn ich nach der Arbeit aus der Stadt rausfahre, fällt so viel von mir ab. Ich kann so richtig runterkommen. Das klingt jetzt vielleicht klischeehaft, aber wenn ich eben zu Hause ankomme, es ist ruhig, kein Auto, maximal mein Hahn kräht, das ist wirklich herrlich.

GL: Also, wir halten fest: Du hast Hühner?
(Lacht) Ja, ich hab fünf Hendln, eigene Eier also auch. Das ist ganz etwas Feines. Sie schmecken anders und es hat ein ganz besonderes Feeling, wenn du weißt, du bist in den Stall gegangen, hast dir gerade deine Frühstückseier geholt. Das genieße ich sehr. Außerdem haben wir jetzt auch Bienen. Ich mache im Frühling sogar einen Imker-Kurs, um die Basics der Imkerei zu erlernen. Weil ganz so ohne ist das gar nicht. Und dann werden wir vielleicht heuer schon eigenen Honig haben. Ach ja, außerdem gibt’s da noch unsere zwei Pfaue, meine beiden Hunde und mein Pferd, mit dem ich gern reiten gehe.

GL: Wurde dir dieser Zugang zur Natur auch schon von deinen Eltern mitgegeben?
Ich bin am Stadtrand von Graz aufgewachsen, der Nachbar war ein Landwirt und wir sind halt durchs Tor durch und schon auf der Wiese gestanden. Das hab ich als sehr schön in Erinnerung. Aber durch die Jahre, durch meinen Beruf ist das lange in Vergessenheit geraten, brachgelegen. Aber jetzt, wo ich wieder draußen bin, erwacht das alles wieder. Ich glaube, es ist ein bisschen so wie mit Tieren: Wenn du als Kind Zugang zu Tieren bekommst, dann kannst du damit dein Leben lang mehr anfangen als jemand, der nur in der Großstadt aufgewachsen ist. Erwachsene Menschen, die nie Umgang mit Tieren hatten, sind in Gegenwart von Tieren sehr interessant zu beobachten:
Sie sind unsicher, wissen nicht, wie sie agieren oder reagieren sollen. Kurz gesagt: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. So ist das, glaube ich, in allen Lebensbereichen.

GL: Hat dieser Kontakt zur Natur, dieses Erdige, Auswirkungen auf deine Lebensenergie?
Große sogar! Ich hab letztes Jahr intensiver über dieses Thema reflektiert und bin draufgekommen: Ich brauch die Natur einfach. Nehmen wir ganz simples Rasenmähen her. Dieses monotone Geräusch, im Kreis gehen, du schaust ins Grüne, dir fallen die vielen Farben auf, das wirkt unheimlich beruhigend. Oder der Umgang mit eigenen Lebensmitteln, dem Gemüse, den Hendln, du hast einen ganz anderen Zugang zu dem Thema, die Wertschätzung für Produkte steigt automatisch.

GL: Das äußert sich wie genau?
Ich esse zum Beispiel kein Fleisch. Also, ich bin keine strikte Vegetarierin, aber ich mache eben nur bei einem einzigen Fleischer in unserer Nähe eine Ausnahme. Bei dem weiß ich genau, er hat seine eigenen Rinder, die tötet er direkt auf der Weide und verarbeitet sie sogar in seinem eigenen Schlachtbetrieb. Bei dem weiß ich genau, woher das kommt, was ich zu mir nehme. Das Tier hatte keinen unnötigen Stress, da passt alles. Das esse ich. Aber ich würde nie irgendwo einfach so Fleisch kaufen. Das hat für mich in erster Linie ethische Gründe, aber ich glaube auch, dass zu viel Konsum von Zucker oder Fleisch schlecht ist. Zucker versuche ich eben auch zu vermeiden, wobei das richtig schwierig ist, weil er fast überall drinnen ist. Ich trinke kein Cola, zuckere meinen Kaffee oder Tee nicht. Mit solchen Details versuche ich eben Akzente zu setzen, um gesünder zu leben.

GL: Nach dem Motto: Wenn man Schlechtes isst, kommt auch Schlechtes wieder raus?
Ja, es ist wie mit einem Motor. Wenn du Müll reinschüttest, kann auch keine Leistung rauskommen. Und deswegen ist mir das wichtig. Das heißt nicht, dass ich mich apodiktisch an Regeln halte. Ich denke auch, dass nichts passiert, wenn jemand halt einmal in der Woche Fleisch isst. Aber ich glaube, wenn du dir täglich da ein Wurstsemmerl, dort eine Leberkäsesemmel und dann noch eine Käsekrainer reinhaust, dass das nicht gesund sein kann.

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