Mittwoch, 03. Juni 2020

"Das Landleben tut meiner Seele gut“ - Gesund bleiben

Ausgabe 2017.04
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GL: Und worauf achtest du besonders, um gesund zu bleiben?
Ich versuche immer alles über Sport und Bewegung auszugleichen. Ich hab einmal gelesen, dass Sport in deinem Körper einen Prozess in Gang setzt, der alles Schlechte bekämpft. Das war für mich so einprägsam, dass ich mir gesagt hab: Dann mach ich mir von jetzt an jeden Tag meine kleine Therapie selbst und geh laufen oder mit den Hunden spazieren. Ich denke, es geht dabei nicht unbedingt darum, dass du jeden Tag zehn Kilometer rennst. Es geht vielmehr darum, dass du Bewegung machst. Im Idealfall an der frischen Luft ...

GL: ... das geht bei dir ja ganz gut, du lebst nicht mehr in der Stadt ...
Genau, ich lebe auf dem Land. Und das tut meiner Seele einfach richtig gut! Dabei konnte ich mir das am Anfang genau gar nicht vorstellen. Schließlich bin ich ein klassischer Großstadtindianer. In der kleineren Stadt Graz aufgewachsen, dann weiter in die Großstadt Wien und plötzlich kommt jemand daher und sagt: Wir ziehen nach Niederösterreich in einen kleinen Ort! Tja, dann muss man schon einmal nachdenken (lacht).

GL: Also hat dein Mann Andreas gesagt: Lass uns aufs Land ziehen?
Nein, das war schon eine gemeinsame Entscheidung und ist eigentlich aus einer Not heraus entstanden. Wir hatten damals beide unsere Wohnungen gekündigt, um zusammenzuziehen. Aber auf die Schnelle haben wir dann keine passende Wohnung gefunden. Weil das Haus der Großeltern aber seit Jahren leer stand, nutzten wir es erst einmal als Übergangslösung. Und sind einfach nicht mehr weggezogen. Wir haben es an unsere Bedürfnisse angepasst und heute kann ich es mir gar nicht mehr anders vorstellen. Wenn ich nach der Arbeit aus der Stadt rausfahre, fällt so viel von mir ab. Ich kann so richtig runterkommen. Das klingt jetzt vielleicht klischeehaft, aber wenn ich eben zu Hause ankomme, es ist ruhig, kein Auto, maximal mein Hahn kräht, das ist wirklich herrlich.

GL: Also, wir halten fest: Du hast Hühner?
(Lacht) Ja, ich hab fünf Hendln, eigene Eier also auch. Das ist ganz etwas Feines. Sie schmecken anders und es hat ein ganz besonderes Feeling, wenn du weißt, du bist in den Stall gegangen, hast dir gerade deine Frühstückseier geholt. Das genieße ich sehr. Außerdem haben wir jetzt auch Bienen. Ich mache im Frühling sogar einen Imker-Kurs, um die Basics der Imkerei zu erlernen. Weil ganz so ohne ist das gar nicht. Und dann werden wir vielleicht heuer schon eigenen Honig haben. Ach ja, außerdem gibt’s da noch unsere zwei Pfaue, meine beiden Hunde und mein Pferd, mit dem ich gern reiten gehe.

GL: Wurde dir dieser Zugang zur Natur auch schon von deinen Eltern mitgegeben?
Ich bin am Stadtrand von Graz aufgewachsen, der Nachbar war ein Landwirt und wir sind halt durchs Tor durch und schon auf der Wiese gestanden. Das hab ich als sehr schön in Erinnerung. Aber durch die Jahre, durch meinen Beruf ist das lange in Vergessenheit geraten, brachgelegen. Aber jetzt, wo ich wieder draußen bin, erwacht das alles wieder. Ich glaube, es ist ein bisschen so wie mit Tieren: Wenn du als Kind Zugang zu Tieren bekommst, dann kannst du damit dein Leben lang mehr anfangen als jemand, der nur in der Großstadt aufgewachsen ist. Erwachsene Menschen, die nie Umgang mit Tieren hatten, sind in Gegenwart von Tieren sehr interessant zu beobachten:
Sie sind unsicher, wissen nicht, wie sie agieren oder reagieren sollen. Kurz gesagt: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. So ist das, glaube ich, in allen Lebensbereichen.

GL: Hat dieser Kontakt zur Natur, dieses Erdige, Auswirkungen auf deine Lebensenergie?
Große sogar! Ich hab letztes Jahr intensiver über dieses Thema reflektiert und bin draufgekommen: Ich brauch die Natur einfach. Nehmen wir ganz simples Rasenmähen her. Dieses monotone Geräusch, im Kreis gehen, du schaust ins Grüne, dir fallen die vielen Farben auf, das wirkt unheimlich beruhigend. Oder der Umgang mit eigenen Lebensmitteln, dem Gemüse, den Hendln, du hast einen ganz anderen Zugang zu dem Thema, die Wertschätzung für Produkte steigt automatisch.

GL: Das äußert sich wie genau?
Ich esse zum Beispiel kein Fleisch. Also, ich bin keine strikte Vegetarierin, aber ich mache eben nur bei einem einzigen Fleischer in unserer Nähe eine Ausnahme. Bei dem weiß ich genau, er hat seine eigenen Rinder, die tötet er direkt auf der Weide und verarbeitet sie sogar in seinem eigenen Schlachtbetrieb. Bei dem weiß ich genau, woher das kommt, was ich zu mir nehme. Das Tier hatte keinen unnötigen Stress, da passt alles. Das esse ich. Aber ich würde nie irgendwo einfach so Fleisch kaufen. Das hat für mich in erster Linie ethische Gründe, aber ich glaube auch, dass zu viel Konsum von Zucker oder Fleisch schlecht ist. Zucker versuche ich eben auch zu vermeiden, wobei das richtig schwierig ist, weil er fast überall drinnen ist. Ich trinke kein Cola, zuckere meinen Kaffee oder Tee nicht. Mit solchen Details versuche ich eben Akzente zu setzen, um gesünder zu leben.

GL: Nach dem Motto: Wenn man Schlechtes isst, kommt auch Schlechtes wieder raus?
Ja, es ist wie mit einem Motor. Wenn du Müll reinschüttest, kann auch keine Leistung rauskommen. Und deswegen ist mir das wichtig. Das heißt nicht, dass ich mich apodiktisch an Regeln halte. Ich denke auch, dass nichts passiert, wenn jemand halt einmal in der Woche Fleisch isst. Aber ich glaube, wenn du dir täglich da ein Wurstsemmerl, dort eine Leberkäsesemmel und dann noch eine Käsekrainer reinhaust, dass das nicht gesund sein kann.

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