Freitag, 25. September 2020

Kochen ist ihr Leben

Ausgabe 09/2009
Johanna Maier gilt als die beste Köchin der Welt. Sie will, dass Spitzenkulinarik auch zu Hause nachkochbar ist und das Genusswissen größer wird. Ihr Motto: „Man schmeckt nur, was man weiß!“

Foto: Joensson Kerstin
Sie ist die weiße Göttin im Kocholymp:  Johanna Maier, 4-Hauben- Köchin, mit zwei Sternen und unzähligen weiteren Auszeichnungen geehrt. Ihre blütenweißen Leinendirndl sind ihr Markenzeichen, ihre raffinierte Küche machte das Restaurant „Hubertus“ im kleinen salzburgerischen Ort Filzmoos zu einer Pilgerstädte für Gourmets aus aller Welt. Dabei war es ein steiniger Weg nach oben, der Erfolg wurde ihr keineswegs in die Wiege gelegt. „Es war nicht einfach“, sagt Johanna Maier dazu. Der kurze Satz steht für eine schwierige Kindheit in armen Verhältnissen, eine Kellner- und Kochlehre in einem Sporthotel der Gegend, die Arbeit als Kellnerin und Zimmermädchen in dem von der Familie ihres Mannes Dietmar geführten „Jägerwirtshaus“, dem heutigen Hotel „Hubertus“. Die Küche übernahm sie nach dem Tod ihrer Schwiegermutter. Disziplin, Kreativität und der Wille, von erfahrenen Köchen zu lernen, führten zum Aufstieg in die kulinarische Weltliga. Inzwischen gilt die vierfache Mutter schlicht als die beste Köchin der Welt. 15 Stunden täglich steht Johanna Maier in der Küche. Ihre Gäste sollen Essen als sinnlichen Hochgenuss erleben: „Das Schönste für mich ist, wenn es schmeckt.“ Leichte und gesunde Küche ist ihr ein besonderes Anliegen, denn Übergewicht muss nicht sein. In eigenen Kochkursen vermittelte sie daher auch Erstanwender der Abnehmpille alli ihr Wissen um gesunde Kost. Die Rezepte dazu finden Sie ab Seite 26 zum Nachkochen. Guten Appetit! Infos: www.hotelhubertus.at

Johanna Maier lebt …

… schön. Sie haben lange Arbeitstage in der Küche und begrüßen auch Ihre Gäste persönlich – wie wichtig ist es Ihnen da, immer perfekt auszusehen?

Perfekt aussehen in der Küche müssen in erster Linie unsere Gerichte (lacht), Spitzenkulinarik verlangt höchste Konzentration, da denkt man nicht ans eigene Aussehen. Make-up kommt beim Kochen nicht infrage, und auch Duft ist tabu, er würde den Geruchs- und Geschmackssinn zu sehr beeinträchtigen. Ich erscheine zwar nicht ausgehfein, aber ich achte für mich persönlich ganz besonders auf gesunde Ernährung. Und ich trinke viel Tee, tägliche eine Schale Matcha, das ist pulverisierter Grüntee mit intensiver Anti-Aging-Wirkung. Und natürlich ist mir auch die bewusste Pflege meiner Haut sehr wichtig.

… schlau.
Sie haben so vieles erreicht, worauf sind Sie besonders stolz?
Auf meine Kinder und Enkelkinder. Beruflich mich weiterzuentwickeln. Mit zunehmendem Alter habe ich zudem erkannt, dass der größte Besitz das Plus an Lebensjahren ist, das man sich selber schenkt. Das ist relativ leicht zu erreichen – eben durch richtige Ernährung, Bewegung und die Kraft positiver Gedanken. Es ist wichtig, dass man den Humor nicht verliert, dass man seiner Linie treu und zugleich weltoffen bleibt. Ein energievolles und intensives Leben zu führen hat immer mit der Einstellung zu sich selbst zu tun. Das Schöne am Altern: Jedes weitere Lebensjahr bringt mehr Erfahrung. Ich freue mich auf die Zukunft. Die beste Zeit meines Lebens liegt noch vor mir!

… gut. Was bedeutet für Sie persönlich essen, Sie selbst sind ja sehr schlank? 
Ganz eindeutig Lebensqualität. Genuss wirkt sich positiv auf die Stimmung und Leistungsfähigkeit aus, Lebensfreude und Sinnesempfindungen werden erhöht. Was ich für mich herausgefunden habe, ist, ab 17 Uhr nichts mehr zu essen. Das ist eines der besten Anti-Aging-Mittel. Und wie ich mich dann auf das Frühstück freue!

… gesund. Sie essen sehr bewusst, was tun Sie noch für Ihre Gesundheit?
Ich gehe regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung, und ich horche in mich hinein. Wer lernt, auf den eigenen Körper zu hören, der weiß, was einem gut tut. Der Körper verlangt instinktiv nach dem, was er braucht.

… aktiv. Sie sagen, dass Kochen schwere körperliche Arbeit ist, wie sorgen Sie da für einen Ausgleich?
Qi Gong hilft mir, zur Ruhe zu kommen. Die fließenden Bewegungen entspannen mich zutiefst, geben mir Frische und Energie. Ich mache auch Yoga, gehe oft auf die Alm, und ich tanze sehr gerne. Als Filzmooserin fahre ich natürlich auch Schi.

… bewusst.
Was gibt Ihnen Kraft und was ist Ihnen im Umgang mit anderen Menschen wichtig?
Meine Familie, meine Freunde, die Natur und mein Glaube. Ich schätze Offenheit, Ehrlichkeit und Herzenswärme. Beruflich ist es heute mein Ziel, mein erworbenes Wissen mit möglichst vielen Menschen zu teilen: mit meinen Kochbüchern und in meiner Kochschule. Ich will erreichen, dass Spitzenkulinarik auch zu Hause nachkochbar und erlebbar ist, dass die Zahl der Genießer sowie das Genusswissen größer wird. Man schmeckt nur, was man weiß!


BUCHTIPP:
Johanna Maier, Paperbackausgabe, Collection Rolf Heyne, € 20,50


BIOGRAFIE

Johanna Maier, 1951 in Radstadt, Salzburg, geboren, sammelte nach Koch- und Kellnerlehre gemeinsam mit ihrem Mann Dietmar erste Berufserfahrung in Frankreich. 1984 übernahm sie die Küche im heutigen Hotel „Hubertus“ und begann mit ihrem Lebenswerk, die üppige, schwere Regionalküche durch eine leichtere Küche zu ersetzen. 2001 erhielt sie die Auszeichnung von Gault Millau als einzige und beste 4-Hauben-Köchin der Welt. Johanna Maier hat vier Kinder, alle teilen ihre Passion fürs Kochen.

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