Sonntag, 23. Juli 2017

„Ich entgifte Körper und Seele!“

Ausgabe 2017.07-08
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„Vorstadtweiber“- und „Bergdoktor“-Star Nicole Beutler über große Egos, Selbstdisziplin und die Ayurveda-Heilkunde. Ein Gespräch darüber, wie man zu sich selbst findet.


Foto: © Caro Strasnik - crazypixx

Nicole Beutler gilt als eine der elegantesten Schauspielerinnen Österreichs – auch wenn sie sich gegen dieses Image lange Zeit wehrte. Mit ihrem aufrechten Gang, der noblen Blässe, der modischen Kurzhaarfrisur und urbanem Chic strahlt die 48-jährige Wienerin pure Eleganz aus. Das fällt uns auch sofort bei unserem Interviewtermin in Beutlers Lieblingslokal am Wiener Naschmarkt auf. Sogar die Nägel sind knallrot lackiert. „Die sind aber nur so, weil wir gerade am Drehen der neuen ‚Vorstadtweiber’-Staffel sind und meine Figur hat nun mal rote Fingernägel!“, lacht sie (Anm.: Beutler gibt in der ORF-Erfolgsserie die Sexualtherapeutin Angela Bragana). Und in diesem Moment ist klar: Ja, Nicole Beutler ist elegant, aber noch viel mehr. Sie lacht gerne, ist vollkommen ohne Allüren und zeigt reges Interesse an ihrem Gegenüber. Sie erzählt über Gartenarbeit, die sie buchstäblich erdet, über Selbstdisziplin und Perfektionismus, darüber, wie es ist, nicht nur den Körper, sondern auch die Seele zu entgiften, sowie über große Egos in der Schauspielbranche.

GESÜNDER LEBEN: Unser Magazin steht unter dem Motto „Achten Sie auf sich“. Wie achten Sie denn auf sich?
Nicole Beutler: So gut es geht, lebe ich schon seit vielen Jahren nach den Prinzipien des Ayurveda, einer Tausende Jahre alten indischen Heilslehre. Laut Ayurveda ist das Leben eine Einheit von Körper, Sinnen, Verstand und Seele. Im Mittelpunkt steht das Konzept der drei Doshas, die sich aus den fünf Naturelementen ableiten. Die Doshas müssen im Einklang sein, sonst gelangen Körper und Seele aus dem Gleichgewicht, was sich durch verschiedene Krankheitssymptome äußert. Gearbeitet wird zum Beispiel mit Meditation, Yoga, verschiedenen Heilpflanzen, Ölmassagen etc. Es geht darum, herauszufinden, was einem guttut und was man besser lassen sollte. Zugegeben: Im stressigen Alltag ist es oft schwierig, nach diesen Prinzipien zu leben. Ich mache aber regelmäßig eine Ayurvedakur in Indien.

GL: Wie kann man sich diese Lehre konkret vorstellen?
Was die Ernährung betrifft, muss ich zugeben, dass ich mich nicht vegetarisch ernähre, obwohl man das laut Ayurveda eigentlich sollte. Ich esse aber selten Fleisch, dafür genieße ich es dann aber auch! Wenn es mal Fleisch gibt, darf es zum Beispiel auch ein herzhaftes Steak sein. Auch versuche ich, auf Rohes zu verzichten, weil das der Körper nicht gut verarbeiten kann – das ist aber aufgrund der vielen köstlichen Salate in Europa nicht ganz so einfach. Und ich esse doch so gerne! Eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen auch Meditation und Yoga. Zudem versuche ich, das eigene Ego nicht ganz so wichtig zu nehmen. Das ist als Schauspielerin einerseits zwar kontraproduktiv, andererseits ist es eine wunderbare Sache, wenn es einem gelingt. Denn schraubt man das eigene Ego zurück, gewinnt man eine ganz neue Perspektive von außen auf gewisse Dinge.

GL: Was fällt Ihnen von all diesen Dingen am schwersten?
Derzeit muss ich mich richtiggehend aufraffen, um meine Yoga-Übungen zu machen oder trainieren zu gehen. Ich habe gerade eine sehr faule körperliche Phase! (lacht) Meditation wiederum fällt mir sehr leicht, ich habe kein Problem damit, in mich zu gehen – man muss sich nur zwingen, sich die Zeit zu nehmen. In guten Phasen meditiere ich täglich zwischen 10 und 20 Minuten, was ich als Segen empfinde. Prinzipiell möchte ich sagen: Alles, was man fanatisch betreibt, halte ich nicht für gesund. Ich trinke zum Beispiel gerne zwischendurch mal ein Glas Champagner – ist sicher nicht das Gesündeste, gönne ich mir aber. Ich versuche, die Ayurveda-Prinzipien in Maßen in mein Leben zu integrieren, weil ich weiß, es tut mir erprobterweise gut.

GL: Was haben Sie dank Ayurveda über sich selbst gelernt?
Dass manche Probleme gar nicht mehr so groß sind, wenn man ein, zwei Schritte zurück macht. Wir sind in vielen Dingen sehr festgefahren, und dank des Wissens, das ich mir in Indien angeeignet habe, erkenne ich mittlerweile bei etlichen Menschen, dass sie sich selbst am meisten im Weg stehen und es sich unnötig schwer machen. Natürlich gelingt es mir auch nicht immer, dieses Bewusstsein anzuwenden; aber hat man es mal gelernt, kann man zumindest versuchen, sich in schwierigen Situationen zurückzunehmen und das Problem von außen zu betrachten. So relativiert sich einiges.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 „Ich entgifte Körper und Seele!“
Seite 2 Interview

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