Mittwoch, 03. Juni 2020

Hör auf deinen Bauch!

Ausgabe 2013/05
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Christine Reiler, 31. Die Miss Austria von 2007 und promovierte Medizinerin verrät im Gespräch mit GESÜNDER LEBEN, wieso sie lieber auf ihren Bauch hört, warum sie Hautärztin wird – und was gesundes Essen wirklich bedeutet.


Foto: X121213_003

Christine Reiler ist eine Miss, ja. Das Angenehme: Sie hat das Aussehen dazu, aber nicht die Allüren. Sechs Jahre nach ihrem Miss-Austria-Titel ist Reiler mit mittlerweile 31 Jahren noch immer gut im Geschäft. Und bewirbt Produkte für einen Brillen- und einen Kosmetikhersteller. Doch ganz unbemerkt von der Öffentlichkeit bereitet sie sich nun auf ihren eigentlichen Lebenstraum vor – die Medizin. Als künftige Dermatologin wird sie Hautsachen zur Hauptsache machen. Bodenständigkeit ist ihr liebster Zustand, das hat die am Society-Parkett erprobte Frau Doktor immer wieder betont. Und tatsächlich: Zum Interview erscheint sie trotz Verkühlung (fast) pünktlich und wählt ihren Lieblingsheurigen in ihrer Heimatstadt Mödling als idealen Treffpunkt zum Plaudern über brisante Themen.

GESÜNDER LEBEN: Sie sind ein wenig verkühlt. Ist auch eine Frau Doktor ängstlich im Umgang mit Keimen und Bakterien?
Christine Reiler: Hypochonder bin ich keiner. Die Zeit im Hygienepraktikum prägt einen aber schon. Man weiß dann einfach, dass man bei der Berührung jeder Türklinke Millionen von Bakterien aufnimmt. Bei Erkältungen setze ich persönlich auf bewährte Hausmittelchen. Ich verwende dann nur wenige pharmazeutische Produkte, aber nicht, weil ich nicht an deren Wirkung glaube – es ist toll, dass es gute Medikamente gibt. Aber ich mache dann lieber Essigpatscherln oder irgendwelche Erdäpfelwickel, denn das hat meine Mutter bei  mir schon als Kind gemacht und es wirkt auch. Sie helfen vor allem der Seele.
 
GL: Wie stark spielen beim Kranksein denn der Seelenzustand, der Kopf mit?
Reiler: Ich glaube, sehr stark. Ich denke auch, dass die Zukunft der Medizin in einer Verbindung aus Alternativ- und Schulmedizin liegt. Man merkt es ja an einem selbst: Ist man unter Stress, leidet das Immunsystem und man wird krank. Denn nur, weil es draußen kalt ist, wird man nicht automatisch krank. Vor allem im Winter schlägt sich das durch Lichtmangel entstehende Vitamin-D-Defizit negativ auf die Psyche und die Abwehrkräfte.
 
GL: Sie gelten ja als sehr naturverbunden. Woher kommt das?
Reiler: Ich glaube, das hängt damit zusammen, wie man aufwächst. Meine Mutter stammt aus der tiefsten Schweiz, mitten aus den Bergen, und ich wurde schon als Kind auf Bergtouren und lange Wanderungen mitgenommen. Mein Vater und ich sind zudem sehr interessiert an Flora und Fauna. Mir gefiel die Natur schon immer; mein erstes Wort war ja auch nicht „Mama“, sondern „Blume“. (lacht) Also „Bume“, es klang nicht so toll.

GL:  Sie werden ab Ende des Jahres mit der Dermatologie-Ausbildung beginnen. Warum ist die Haut für uns so wichtig?
Reiler: Was mich daran fasziniert, ist: Die Haut fungiert als Spiegel der Seele. Das Innere wird äußerlich sichtbar. Sei es, ob man Allergien oder Lebensmittelunverträglichkeiten hat. Für Hautärzte ist die Diagnosefindung wahnsinnig schwer, weil es so viele unterschiedliche Krankheitsbilder gibt. Man kann verschiedene Ansätze verfolgen: Bei der Psyche, bei der Ernährung, bei der Ästhetik und der Pflege – all diese Faktoren haben Einfluss auf unsere Haut.

GL:  Um schlechte Haut zu verbergen, gibt es Make-up. Als einstige Miss Austria sind Sie wohl auch daran gewöhnt? Was ist denn das richtige Maß, auch gesundheitlich?
Reiler:. Ich verwende Make-up nur sparsam, damit die Natürlichkeit nicht leidet. Rein hauttechnisch sind viele Dinge nicht günstig, die man sich ins Gesicht klatscht. Ich habe einmal einen Bericht gelesen, wie viel Kilo Lippenstift eine Frau im Laufe ihres Lebens isst. Ich weiß die genaue Zahl nicht mehr, aber es ging in die Kilogramm. Das ist sicher nicht gesund.

GL:  Der Sommer steht vor der Tür. Aber wie bereitet man sich denn nun wirklich richtig auf die Sonne vor? Gibt es Faustregeln?
Reiler: Die Dosis macht das Gift. Wer sich in einem Turbosolarium toasten lässt, tut seiner Haut nichts Gutes. Wer sich ein-, zweimal vor dem Urlaub auf niedriger Stufe bräunen lässt, sollte hingegen kein Problem haben. Gesund ist ein Solarium aber generell nicht. Doch es ist genauso wenig gesund, sich in Thailand drei Stunden in die pralle Sonne zu legen. Die meisten Kosmetika haben heute schon Lichtschutzfaktoren inkludiert, und außerdem gibt es auch Präparate mit Infrarot-Schutz. Wer sich schützen will, sollte es also gleich richtig tun.

GL:  Sprechen wir über Ernährung. Skandale erschüttern die Öffentlichkeit, die Menschen sind verunsichert.
Reiler: Zu Recht, denn man weiß ja bei vielen Lebensmitteln nicht mehr, was genau drin ist.

GL: Zum Beispiel Pferd.
Reiler: Ja, und dazu sagte ein Radiomoderator: „Das wäre vielleicht noch das Gesündeste in der Tiefkühl-Lasagne gewesen“, womit er nicht unrecht hat.

GL: Weshalb man seine Lasagne lieber selbst machen sollte …
Reiler: Das stimmt, aber die meisten Menschen haben das Selbst-Kochen verlernt.

GL: Welchen Tipp würden Sie im Hinblick auf eine ausgewogene Ernährung geben?
Reiler: Man fährt immer noch am besten, wenn man auf seinen Körper hört. Davon bin ich überzeugt, doch viele Menschen haben das verlernt. Es gibt Phasen, in denen man einen Gusto auf spezielle Lebensmittel hat oder in denen man mehr oder weniger isst. Der Körper teilt uns mit, was er braucht. Leider haben viele Menschen nicht mehr gelernt, darauf zu hören.

GL: Oder sie haben es verlernt, durch all die Fertigprodukte mit ihren Geschmacksverstärkern, die unsere Sinne betäuben.
Reiler: Das schon, aber ich glaube, es sind die Eltern, die ihren Kindern beibringen sollten, auf ihren Körper zu hören. Dazu gehört auch, dass man nicht nur radikale Schienen fährt, alles nur Bio, ohne Zucker, ohne Salz. Das ist schade, finde ich persönlich. Ich denke, dass die Kunst darin besteht, seinem Kind die Möglichkeiten zu geben, es aber letztlich selbst entscheiden zu lassen und ihm beizubringen, dabei auf sich selbst zu hören.

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