Donnerstag, 14. November 2019

Dir Frauen sind das starke Geschlecht

Ausgabe 2018.09
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Christine Reiler, vormals „Miss Austria“, ist Ärztin und seit Kurzem Moderatorin der ORF-Gesundheitssendung „bewusst gesund“. Im Interview spricht sie über Familie und Job, Kinder, Naturheilkunde und eine gesunde Portion Egoismus.


Foto: ORF Thomas Ramstorfer-orf

Christine Reiler ist jeden Samstag bei den TV-Sehern zu Gast, um in der ORF-Sendung „bewusst gesund“ kompetent und charmant über wichtige Gesundheitsthemen – vor allem aber auch über Vorsorge – zu sprechen. GESÜNDER LEBEN bat den vielseitigen TV-Star zum Interview.

Vor elf Jahren wurden Sie zur Miss Austria gekürt. Jetzt sind Sie Ärztin, TV-Moderatorin und Mutter eines eineinhalbjährigen Sohnes. Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit im Blitzlichtgewitter?
Christine Reiler: Ich habe durchaus gute Erinnerungen. Für mich war die Miss-Wahl eine Spielerei, und was daraus geworden ist, finde ich toll. Immerhin wäre ich heute nicht da, wo ich bin, ohne diese Auszeichnung „Miss Austria“. Aber das, was ich jetzt tue, die Moderation von „bewusst gesund“ beim ORF, ist das, was ich immer schon machen wollte: Medienarbeit mit Medizin zu verbinden.

Wäre das ohne den Miss-Titel nicht gelungen?
Die Bekanntheit durch die mediale Aufmerksamkeit hat mir natürlich geholfen, was spätere Angebote betraf. Aber ich hatte schon zu dem Zeitpunkt, als ich Miss Austria wurde, gewusst, dass mein eigentlicher Beruf Ärztin sein würde. Ich studierte ja schon damals Medizin.

Gab es deshalb Vorurteile in Hinblick auf Ihre Qualifikation als Ärztin?
Ich musste nie mit dem Vorurteil kämpfen, nur eine Schönheitskönigin zu sein. Warum kann man nicht eine gut aussehende Medizinerin sein? Ich fühlte mich also nie reduziert auf die Rolle der Miss, denn ich wusste immer, wer ich bin und was ich kann.

Wie gehen Sie mit Neid um?
Es ist mir relativ egal, was andere Leute sagen, denn ich habe ein sehr gutes Umfeld aus Freunden und meiner Familie. Ich habe auch ein großes Selbstbewusstsein, deshalb ist es mir nicht so wichtig, was Fremde über mich sagen. Die Meinung meiner Freunde und Familie zählt natürlich schon.

Sie sind Mutter eines eineinhalbjährigen Sohnes. Wie geht das mit Job und Karriere unter einen Hut?
Wenn jemand Vollzeit arbeitet, daneben ein Kind großzieht und dann noch Zeit für seine Hobbys hat - Gratulation! Ich kann mir das nicht vorstellen. Für mich habe ich versucht, das richtige Maß zu finden. Ich arbeite gerade so viel, dass ich sagen kann, es gut gemacht zu haben, und dass es mir Spaß macht. Daneben will ich genug Zeit für mein Kind haben, denn ich war immer der Meinung, dass ich, wenn ich ein Kind bekomme, es auch aufwachsen sehen will. Und das gelingt. Ich weiß natürlich nicht, ob ich es richtig mache – aber bisher ist er ein sehr fröhlicher Bub, aber wer weiß schon, was kommt? Jedenfalls ohne Hilfe meiner Familie und meiner Schwiegereltern hätte ich gar keine Chance, meinen Beruf auszuüben, das muss man ganz ehrlich sagen.

Was macht das mit einer Frauenpsyche, wenn man ein Kind bekommen hat? Es ist ja ein Ausnahmezustand, körperlich wie seelisch.
Bevor ich schwanger war, habe ich immer gesagt, meine größte Leistung im Leben war das Medizinstudium. Darüber lache ich heute. Denn Mutter sein ist eine ganz andere Dimension. Was ich gelernt habe, ist das Vertrauen in den Körper und in die Natur, weil es hat bei Millionen anderen auch geklappt, also klappte es auch bei mir. Und ohne die Männer diskreditieren zu wollen, ich bin mir jetzt sicher, dass die Frauen das starke Geschlecht sind, und das hat einen Grund (lacht).
Das Leben als Mutter ändert alles um 180 Grad, aber man weiß dann auch, was das Gefühl von bedingungsloser Liebe bedeutet. Und ich ziehe meinen Hut vor jeder Frau, die Kinder hat und diese alleine großzieht, das sind die Königinnen, und da müsste man politisch noch viel mehr machen. Die Anerkennung fehlt, in jeder Form, egal ob bei der Pensionsanrechnung oder im Job. Es wird nicht anerkannt, wenn du dein Kind ordentlich aufziehst. Oft laufen die Kinder quasi nebenher mit, und ich glaube, damit tun wir unserer Gesellschaft langfristig nichts Gutes.

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