Dienstag, 19. November 2019

Intensive Forschung für die Krebstherapie

Ausgabe 2019.10
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Dank weltweiter Forschung sorgen neue Erkenntnisse für Fortschritte in der Behandlung von Krebs. Auch für aggressive Krebsformen, zum Beispiel Lymphdrüsenkrebs, gibt es neue Forschungsergebnisse.


Foto: © Experten Felicitas Matern

s zählt zu den Non-Hodgkin-Lymphomen und ist mit rund 480 neuen Fällen pro Jahr die häufigste Form von Lymphdrüsenkrebs in Österreich: Das diffus großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL) ist ein Tumor der weißen Blutzellen, genauer gesagt der B-Lymphozyten oder auch B-Zellen, die eine wichtige Rolle im menschlichen Immunsystem spielen. „Diese Zellen kommen vorwiegend in den Lymphknoten vor. Der Mensch verfügt über mehrere Hundert dieser Lymphknoten, die an verschiedenen Stellen im Körper als Filterstation dienen, in denen weiße Blutzellen durch Krankheitserreger aktiviert werden, die dann diese Eindringlinge bekämpfen“, erklärt Assoc.-Prof. Priv. Doz. DDr. Philipp Staber, Leiter der Programmdirektionen chronisch lymphatische Leukämie und Lymphdrüsenkrebs der MedUni Wien und des AKH Wien. „Läuft in diesen komplexen Schaltprozessen etwas aus dem Ruder, können Zellen Schaden nehmen und zu Krebszellen werden.“ Das Profil dieser Krebszellen ist äußerst aggressiv, wächst schnell und muss rasch behandelt werden.

Mehrstufige Diagnose
Basis dafür ist eine genaue Diagnose der Erkrankung, die sich mit den sogenannten B-Symptomen bemerkbar machen kann: „Patienten leiden oft an Nachtschweiß, erhöhter Temperatur und starkem Gewichtsverlust“, erklärt Staber. „Dazu können Schwellungen der Lymphknoten zum Beispiel am Hals, Leistungsverlust und körperliches Unwohlsein kommen.“ Zunächst wird bei einer Ultraschalluntersuchung eruiert, ob es sich um einen Infekt handelt, der sich durch entzündete Lymphknoten zeigt. Erhärtet sich dabei der Verdacht auf ein Lymphom, wird eine Biopsie eines Lymphknotens durchgeführt, um das Ausmaß der Erkrankung festzustellen.

Gute Heilungschancen bei Ersterkrankung”
Bei einer Ersterkrankung an DLBCL verschafft eine spezielle Chemoimmuntherapie rund 60 Prozent der behandelten Betroffenen Heilung. „Hier hat sich R-CHOP als derzeitige Standardtherapie etabliert, eine Chemotherapie, die aus vier sehr aktiven Substanzen besteht und durch einen Antikörper ergänzt wird, der sich gegen das Oberflächenmolekül CD20 richtet“, erläutert der Onkologe. Dieses CD20-Molekül ist auf allen B-Zellen vorhanden und greift den Tumor gezielt an. „Ob ein Patient mit der Behandlung geheilt werden konnte, wissen wir erst nach zwei Jahren. Zunächst muss die Therapie gut ansprechen und den Betroffenen in eine komplette Remission führen, das bedeutet, dass der Krebs nicht mehr nachweisbar ist. Hält diese Remission über zwei Jahre lang an, ist ein Wiederauftreten sehr unwahrscheinlich und der Patient gilt als geheilt.“

Zweite Therapielinie: 
Stammzelltransplantation

Schlägt die Therapie jedoch nicht an oder kehrt die Erkrankung zurück, standen Betroffenen lange Zeit nur eingeschränkte Optionen mit schlechten Prognosen wie beispielsweise eine Stammzelltransplantation zur Verfügung. „Dabei werden dem Patienten Stammzellen entnommen, dann kommt eine hoch dosierte Chemotherapie zum Einsatz, die die Tumorzellen zerstören soll. Im Anschluss erhält der Patient die entnommenen Stammzellen oder auch geeignete fremde Stammzellen eines Spenders wieder zurück“, erklärt Staber. Aufgrund der sehr aggressiven Chemotherapie eignet sich diese Behandlungsform jedoch nur für fitte Patienten.

Fortschritte in der Krebsbehandlung
„Dank neuer Therapien können wir nun jedoch Patienten, bei denen die Chemoimmuntherapie nicht den gewünschten Erfolg erzielt und die sich nicht für eine Stammzelltransplantation eigenen, in eine langfristige Remission bringen“, so der Mediziner. Eine dieser Therapieoptionen ist ein sogenanntes Antikörper-Drug-Konjugat. „Dabei handelt es sich um einen Antikörper, der auf das Oberflächenmolekül CD79b gerichtet ist, das auf den Lymphomzellen vorhanden ist, und um ein Toxin. Dieses Gift ist mit dem Antikörper verbunden und kann so zielgerichtet in die Krebszelle eingeschleust werden“, erklärt Staber. Erst in der Zelle wird das Spindelgift freigesetzt, wo es zur Lähmung der Zellteilung kommt und zum Zelltod der Krebszelle führt.
Solche zielgerichteten Antikörper-Therapien zählen zu einer Reihe von fortschrittlichen Behandlungsmethoden, die vor allem im letzten Jahrzehnt an Bedeutung gewonnen haben, wie Prim. Univ.-Prof. Dr. Richard Greil, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin III in Salzburg, erklärt. „Die Geschwindigkeit der Fortschritte ist sehr rasch. Zwar gibt es nach wie vor Tumorerkrankungen, die sehr hartnäckig sind – vor allem die gastrointestinalen Tumoren wie das Dickdarm- oder das Pankreaskarzinom, hier ist die Entwicklung an innovativen Behandlungsmethoden deutlich langsamer“, so Greil. „Dafür gibt es bei anderen Krebserkrankungen, die bisher eine dramatische Prognose hatten, massive positive Veränderungen bei den Therapieoptionen.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Intensive Forschung für die Krebstherapie
Seite 2 CAR-T-Zell-Therapie bei Lymphomen

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