Sonntag, 22. September 2019

Inkontinenz Wir brechen das Tabu!

Ausgabe 2017.10

Eine Million Österreicher leiden an Blasenschwäche. Aber nicht einmal die Hälfte der Betroffenen spricht mit einem Arzt darüber! Dabei kann Inkontinenz erfolgreich behandelt werden. GESÜNDER LEBEN zeigt wie.


Foto: iStock-478673068

Ups! Einmal zu viel gelacht und schon ist das Malheur passiert. Man presst alle verfügbaren Muskeln zusammen, alle reagieren, nur einer nicht. Der Blasenmuskel lässt sich nicht kontrollieren und der Urin rinnt … Blasenschwäche ist, obwohl sehr weit verbreitet, eines der letzten Tabuthemen in der Medizin. „Wir schätzen, dass österreichweit rund eine Million Menschen darunter leiden“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Lothar Klemens Fuith, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt sowie Vorstand der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ). „Wir wissen aus einer Studie, dass jedoch nicht einmal die Hälfte der Betroffenen mit dem Hausarzt darüber spricht. Dabei gehört Blasenschwäche zu den Erkrankungen, die sich hervorragend behandeln lassen.“

So trainieren Sie Ihren Beckenboden!

Das richtige Aufstehen aus einer liegenden Position schont die Wirbelsäule und erspart dem Beckenboden unnötige Belastung. Deshalb sollten Sie in der Rückenlage die Knie beugen und sich behutsam über die Schulter zur Seite drehen und langsam aufstehen.

Übung im Liegen: Legen Sie sich auf den Bauch und atmen Sie ein. Beim Ausatmen den Beckenboden sanft anspannen. Wiederholen Sie diese Übung mehrmals.

Inkontinenz führt zu sozialer Isolation. Geheim gehalten wurde das Leiden und die Qual, die damit verbunden sind – auch vor Familie und Freunden. Weil Betroffene sich fürchten, ihre Blase nicht kontrollieren zu können, ziehen sie sich zurück und vereinsamen zusehends. Experte Fuith: „Viele Betroffene hören zudem auf, Wasser zu trinken, um den Harnverlust so weit wie möglich zu reduzieren. Dabei führt stark konzentrierter Harn nicht nur zu vermehrtem Blasendrang, sondern greift auch die Blasenschleimhaut an. Die Anfälligkeit für Infektionen steigt und die wiederum fördern das Entstehen von Inkontinenz. Überdies“, so der Experte weiter, „wird der Blasenmuskel durch eine volle Blase trainiert und verkümmert bei geringer Füllmenge.“ Darum sei es auch kontraproduktiv, ständig seine Blase zu entleeren, was Betroffene sehr oft vorbeugend machen.

Inkontinenz und ihre Ursachen. Man unterscheidet zwischen Belastungsinkontinenz (auch Stressinkontinenz genannt) und Dranginkontinenz – weitere Formen sind selten und sehr speziell. Die Belastungsinkontinenz – Harnverlust bei defektem Harnröhrenverschluss – tritt meist auf beim Husten, Lachen, Niesen, beim Heben schwerer Lasten, beim Laufen, beim Hüpfen, aber auch beim Stiegensteigen. Der Grund dafür, so Fuith: „Bei jüngeren Frauen liegt es meist an der Schwangerschaft und an der Geburt, die eine große Belastung für den Beckenboden darstellen. Später dann kommen hormonelle und altersbedingte Veränderungen dazu. Bei Männern ist Inkontinenz meist eine Folge einer Operation der Prostata.“ Die zweite verbreitete Form, die Dranginkontinenz – Harnabgang trotz funktionierendem Harnröhrenverschluss –, trifft vor allem ältere Menschen, die oft chronische Entzündungen in Blase, Harnröhre oder Becken haben und krankhafte oder altersbedingte Veränderungen im Nervensystem. „Nicht selten handelt es sich um eine Mischform“, sagt Fuith „und da sich sowohl die physikalischen, als auch die medikamentösen Behandlungen unterscheiden, ist es wichtig, eine genaue Diagnose zu stellen.“

Hilfe bei Inkontinenz. „Bedauerlicherweise wird Inkontinenz trotz breit gefächerter Aufklärung nach wie vor tabuisiert“, so der Fachmann. „Dabei gibt es vielfache und sehr wirksame Möglichkeiten der Behandlung.“ Bei der Belastungsinkontinenz sind folgende Maßnahmen, die Betroffene selbst steuern können, zielführend: Gewichtsabnahme, Rauchen aufhören, Beckenbodengymnastik. Parallel dazu wird medikamentös behandelt, und wenn all das keine Besserung bringt, kann bei der Belastungsinkontinenz die Harnröhre mit einem etwa eineinhalb Zentimeter breiten Band gestützt werden. Die Heilungsquote bei diesem chirurgischen Eingriff liegt bei über 90 Prozent. „Operationen werden jedoch erst dann in Erwägung gezogen, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind“, sagt Fuith. Das gelte auch, so der Experte weiter, „für die Behandlung mit dem Nervengift Botox bei der Dranginkontinenz. Bei sehr schweren Fällen und bei passender Indikation kann, um die Nervenstruktur der Harnblase zu blockieren, Botox eingespritzt werden. Ein Allheilmittel ist Botox jedoch nicht, weil es nur bei einer sehr schmalen Gruppe von Patienten angewandt werden kann.“ Für diese jedoch ist Botox ein Segen: Es wirkt sehr gut, hält bis zu einem halben Jahr an und wird im Allgemeinen problemlos vertragen. Fuith gibt jedoch zu bedenken, „dass die Wirkung des Nervengiftes bei jedem Menschen unterschiedlich sein kann. Es kommt vor, dass Botox so gut wirkt, dass der Patient gar nicht mehr auf die Toilette gehen kann und sich, bis die Wirkung nachlässt, selbst katheterisieren muss.“ Wie kann man vorsorgen? „Indem man seinen Beckenboden konsequent und regelmäßig trainiert.“

Weitere Informationen und kostenlose Broschüren zum Download auf www.inkontinenz.at
Beratungstelefon: 0810 100 455; (zum Ortstarif aus ganz Österreich). Anfragen per E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

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