Mittwoch, 22. Mai 2019

Immer gut zu Fuß

Ausgabe 02/2011
Beinahe die Hälfte der Menschen in unseren Breiten ist von Fußfehlstellungen betroffen. Die moderne Orthopädie behandelt diese Probleme nach ganzheitlichen und individuellen Konzepten.

Foto: istockphoto - Saso Novoselic
Vielleicht erinnern Sie sich noch an Zeiten, als fast jedes Kind Schuheinlagen zur Korrektur einer Fußfehlstellung tragen musste. Nun, diese Zeiten sind vorbei, was aber nicht heißt, dass es heute weniger Fußfehlstellungen gibt als früher. Aber: „Heute versucht man, die Kinder zu Fußgymnastik zu ermuntern, also auf Zehenspitzen, auf der Ferse, auf dem äußeren Fußrand zu gehen, auf kleinen Mauern zu balancieren etc., denn das aktiviert die Unterschenkel und Fußmuskeln und formt den Fuß besser, als wenn man ihn sozusagen passiv auf eine Einlage stellt“, erklärt der Orthopäde OA DR. Nicolas Aigner vom Orthopädischen Spital Speising. Tatsächlich wird in der Kindheit meist die Grundlage dafür gelegt, ob ein Mensch später auf gesunden Füßen durchs Leben gehen kann oder nicht, und ein ganz wesentlicher Faktor dabei ist das richtige Schuhwerk, doch schon da hapert es oft. Dr. Aigner: „Eine groß angelegte Untersuchung zeigte auf, dass praktisch alle Kinderschuhe eine falsche Nummerierung aufweisen, was sich natürlich fatal auf Fußwachstum und -formung auswirkt. Man sollte sich daher nicht auf diese Angaben verlassen, sondern genau überprüfen, wie groß die Sohle tatsächlich und wie groß der Kinderfuß ist.“

Ein „Frauenleiden“
Schuhe sind hinsichtlich Fußfehlstellungen überhaupt ein neuralgisches Thema, denn dass das Problem so häufig ist, liegt zu einem großen Teil daran, dass wir alle immer ungesündere Schuhe tragen. „Schuhe – vor allem Frauenschuhe – sind oft zu spitz, zu eng, oder sie haben zu hohe Absätze, weshalb auch mehr Frauen als Männer unter deformierten Füßen leiden“, sagt Dr. Aigner. Wohl gibt es aber auch Dispositionen, die Fußfehlstellungen begünstigen: Frauen neigen zum Beispiel oft zu überbeweglichen Gelenken, die den gefürchteten Hallux valgus oder auch die Hammerzehe begünstigen können; kommt dann noch Übergewicht, ein stehender Beruf und ungeeignetes Schuhwerk dazu, besteht grundsätzlich eine höhere Wahrscheinlichkeit, sich eine Fußfehlstellung einzuhandeln.

Was schief läuft
Deren Folgen sind zwar nicht immer schmerzhaft und müssen auch nicht immer (chirurgisch) behandelt werden, aber wenn man gar nichts dagegen tut und seine schlechten Angewohnheiten beibehält, können sich lästige und schmerzhafte Ballen, Schwellungen und Schwielen entwickeln. Hühneraugen können entstehen, die Bänder und Sehnen im Fuß können zu schmerzen beginnen, chronische Entzündungen können eine Folge sein. Mit zunehmendem Alter führen die Fehlstellungen manchmal auch zu weitreichenden Beschwerden am gesamten Bewegungsapparat.

Der berüchtigte Hallux valgus
Die häufigste und auffälligste Fußfehlstellung beim Menschen ist der sogenannte Hallux valgus. „Er charakterisiert sich durch eine Abweichung der Großzehe im Grundgelenk nach außen und einer Drehung der Zehe nach innen“, erklärt Dr. Aigner. Häufig kommt es mit der Zeit durch die Fehlbelastung des Gelenks zu einer schmerzhaften Arthrose im Großzehengrundgelenk und folglich zu einem Hallux rigidus. „Jeder Hallux ist mehr oder weniger individuell, und es gibt daher eine Vielzahl an Behandlungs- und Operationstechniken. Wir arbeiten etwa in Frühstadien mit Nachlagerungsschienen oder Einlagen, die das Fortschreiten der Erkrankung verzögern können, und in fortgeschrittenen Stadien verfügen wir über mehr als hundert Operationstechniken, die von der Versteifung des Großzehengrundgelenks bis hin zur Prothetik reichen“, so Dr. Aigner.

Behandlungsbedürftige Hammerzehe
Das zweithäufigste, sehr oft behandlungsbedürftige Fußfehlstellungsproblem ist die Hammerzehe. „Die Form einer Hammerzehe ergibt sich durch die permanente krallenartige Beugung einer Zehe und ist meist aufgrund des Tragens von ungeeignetem Schuhwerk mechanisch bedingt. Auch hier können wir in Frühstadien mit Einlagen gute Verbesserungen erzielen bzw. gibt es für spätere Stadien mehrere entsprechende Operationstechniken“, sagt Dr. Aigner, der auch darauf hinweist, dass vor einer solchen Fußoperation heute niemand mehr Angst zu haben braucht. Chirurgische Eingriffe zur Fußkorrektur sind gut eingespielte Routine. Die meisten Betroffenen sind im Nachhinein sehr erleichtert und zufrieden, weil sie sich wieder schmerzfrei bewegen können, leichter passende Schuhe finden und es auch kosmetische Vorteile bringt. Denn dieFüße sind einfach wieder schöner.

Vielfalt der Fußformen
Ganz grundsätzlich will der Experte uns auch eines noch ans Herz legen: „Man muss nicht jede Fußfehlstellung operieren. Wir achten heute sehr darauf, wie sich der Patient in seiner Gesamtheit fühlt, ob er von seinem Fußproblem beeinträchtigt ist oder nicht. Manche Fußfehlstellungen, die früher als behandlungsbedürftig galten, sind es heute nicht mehr zwangsläufig. Das gilt etwa für den Senkspreizfuß, den man mit Fug und Recht als die in unseren Breiten durchaus übliche Fußform bezeichnen kann. In Südamerika haben sehr viele Menschen Hohlfüße und etwa in Äthiopien Plattfüße. Solange man sich damit gut und schmerzfrei fortbewegen kann, ist kein Handlungsbedarf gegeben. Es gibt in unserer vielfältigen Welt eben auch vielfältige Fußformen.“


Ein Wort zu High Heels
Gegen Stöckelschuhe ist laut Experten generell nichts einzuwenden, solange sie nicht das Hauptschuhwerk darstellen. Gelegentlich High Heels im Theater oder im Club zu tragen ist gesundheitlich unbedenklich. Anders liegt der Fall, wenn man einen stehenden Beruf ausübt und/oder acht bis zehn Stunden pro Tag darin herumsteht oder spazieren geht. Schlägt sich noch eine ungünstige Disposition (Übergewicht, überbewegliche Gelenke, ein schon bestehender Hallux valgus) hinzu, so kann es durch das Tragen von Stöckelschuhen zu ernst zu nehmenden Beschwerden kommen. Abgesehen von der Gefahr umzuknöcheln ...

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