Montag, 23. September 2019

Im Takt mit Tag und Nacht

Ausgabe 09.2014

Unser Leben wird von etlichen, immer wiederkehrenden Biorhythmen bestimmt. Der wichtigste davon: der Wechsel von Tag und Nacht. Wir zeigen, warum es sich lohnt, im Einklang mit der Natur zu leben.


Foto: Can Stock Photo Inc. - llaszlo, Egon Kern

Es war unter anderem der Wach-Schlaf- bzw. Tag-Nacht-Rhythmus, der uns ursprünglich das Überleben gesichert hat, wie Verena Stummvoll, MSc, Physiotherapeutin in Graz sowie Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für klinische Psycho-Neuro-Immunologie (kPNI), erklärt: „Um zu überleben, mussten sich die Menschen vor Millionen von Jahren nicht nur immer wieder aufs Neue an die Gegebenheiten der Erde anpassen, sondern auch sehr sorgsam mit ihren Ressourcen umgehen. Und zwar indem sie ausreichend gegessen und geschlafen bzw. geruht haben.“ Die Tag-Nacht-Rhythmik ist hormonell bestimmt und der Hauptakteur ist das Schlafhormon Melatonin: Bei Dunkelheit oder wenn keine UV-Strahlung auf die Netzhaut gelangt, setzt die Zirbeldrüse viel, bei Helligkeit wenig davon frei. „Unsere Kommandozentrale bzw. der chronobiologische Orchesterdirigent ist der Nucleus suprachiasmaticus, ein Hirnkern, der sich über der Sehnervenkreuzung befindet. Dieser reagiert auf Licht und bestimmt so gut wie alles, was in unserem Körper passiert“, weiß Stummvoll. Im Prinzip ist die Rhythmik Tag-Nacht für jeden gleich, dennoch gibt es kleinere Verschiebungen bzw. unterschiedliche Aktivitätstypen. Stummvoll: „Wer morgens ohne Probleme aus den Federn kommt, abends müde ist und früh einschläft, zählt zu den Lerchen. Sogenannte Eulen werden hingegen erst in der zweiten Tageshälfte aktiver und gehen  später ins Bett.“

Lerchen und Eulen. Nichtsdestotrotz sind wir generell eher tagaktive Wesen, die untertags auf Leistungsbereitschaft und nachts auf Erholung gepolt sind – zumindest sollten wir das sein. Allerdings führt die heutige Zeit vielfach dazu, dass die Menschen unter (Dauer-)Stress stehen, wodurch zu viel des Stresshormons Cortisol ausgeschüttet wird. Laut Stummvoll führt das wiederum dazu, dass man abends nicht einschlafen bzw. nachts nicht durchschlafen kann: „Chronischer Stress hält uns wach, daher ist der Cortisolspiegel im Normalfall in der Früh am höchsten und sinkt im Laufe des Tages wieder ab. Menschen, die unter Stress stehen, haben daher meist auch mit Schlafproblemen zu kämpfen.“ Übrigens: Bei Schichtarbeitern oder Menschen, die sehr viel reisen, ist der Schlaf- Wach-Rhythmus häufig gestört. Zudem haben Studien gezeigt, dass diese Personen zu Kopfschmerzen, Übergewicht, zum metabolischen Syndrom, zu chronischen Schlafstörungen oder gar Depressionen neigen. Dabei braucht es nicht unbedingt Stress, Schichtarbeit oder zu viele Jetlags, damit unser Tag-Nacht-Biorhythmus aus dem Takt gerät. Es reicht schon, wenn wir abends stundenlang vor dem Fernseher oder Computer sitzen und durch künstliches, mitunter zu grelles Licht den Tag verlängern – besser wären Kerzen bzw. schummriges Licht. Außerdem rät Stummvoll, statt der Fernbedienung ein gutes Buch zur Hand zu nehmen und den Fernseher aus dem Schlafzimmer zu verbannen. Ein anderer hervorragender Regulator für den Biorhythmus ist Bewegung – abgesehen davon, dass die meisten von uns in dieser Hinsicht sowieso ein Manko aufweisen. Freilich müssen wir nicht 15 Kilometer täglich zurücklegen, wenngleich der Mensch ursprünglich genau dafür „gebaut“ wurde. Doch täglich eine Runde nach der Arbeit zu drehen, tut dem Körper gut, da Stresshormone abgebaut werden – man sorgt also auf natürliche Weise dafür, dass man abends müder ist.

Bewegen. Essen. Ruhen. Abgesehen vom Tag-Nacht-Rhythmus gibt es etliche andere Rhythmen: von der Veränderung der Körpertemperatur im Tagesverlauf bis zum Menstruationszyklus der Frau. Verena Stummvoll nennt noch einen weiteren, sehr wichtigen Rhythmus: „Bewegen, essen, ruhen. Was tun wir? Wir essen, bewegen uns bzw. gehen der Arbeit nach, essen wieder, sind wieder aktiv usw. Die Ruhephasen kommen meist viel zu kurz, obwohl unser Verdauungsapparat nach der Nahrungsaufnahme eine solche benötigen würde. Schließlich sollte er die Nährstoffe verarbeiten, um sie dem Körper zur Verfügung zu stellen. Bewegen wir uns sofort nach dem Essen, strömt die ganze Energie in den Bewegungsapparat. So gesehen ist also vom Verdauungsspaziergang abzuraten – Raubtiere laufen ja auch nicht sofort wieder los, nachdem sie gefressen haben.“ Nun sind wir zwar keine Raubtiere, sondern sitzen vielmehr oft den ganzen Tag am Schreibtisch – aber auch das fällt nicht unter die Kategorie „Ruhe“, denn wenngleich wir nicht körperlich aktiv sind, sind wir es geistig, und so fließt die Energie schnurstracks ins Gehirn. Stummvoll empfiehlt daher, sich tunlichst mit nüchternem Magen zu bewegen, dann zu essen und danach bis zu einer Stunde oder, wenn möglich, sogar mehr als eine Stunde zu ruhen – die Siesta ist also durchaus sinnvoll. Im Übrigen passen sich die Südländer dadurch ihrer chronobiologischen Tagesform an, haben wir Menschen doch meist rund um die Mittagszeit ein Tief und erst im Laufe des Nachmittags (Lerchen) oder in den frühen Abendstunden (Eulen) steigt unsere Leistungsfähigkeit wieder an.

Im Takt leben? Es gäbe noch etliche Dinge über die unterschiedlichen Biorhythmen zu sagen. Um es jedoch auf einen Punkt zu bringen: „Wer in der Früh ausgeschlafen aufwacht, sich auf den Tag freut, untertags keine massiven Einbrüche hat, abends sukzessive müder wird und innerhalb von 15 Minuten einschläft, wenn er sich ins Bett legt, und dann auch durchschläft, wer einmal am Tag eine gute Verdauung hat und als Frau nicht über Zyklusstörungen klagt, kann davon ausgehen, dass der Biorhythmus im Takt ist“, so Stummvoll.

 

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