Dienstag, 19. Februar 2019

Im Einklang mit der inneren Uhr

Ausgabe 2016.04

Sie wollen gesünder, fitter und schlanker werden? Dann hören Sie auf den natürlichen Rhythmus Ihres Körpers! gesünder leben sagt, warum Sie am Vormittag kränklichen Kollegen aus dem Weg gehen, erst um 15 Uhr einen Termin beim Zahnarzt wahrnehmen und viele Tabletten erst ab 19 Uhr einnehmen sollten.


Foto: Can Stock Photo Inc. - stokkete

Wissenschafter haben diese sogenannte Chronobiologie des Körpers erforscht. Daher weiß man: „Wenn wir ständig gegen unseren inneren Rhythmus leben, werden wir unzufrieden und schneller krank“, so Allgemein- und Komplementärmediziner Dr. Wolfgang Molnár. Umgekehrt werden wir leistungsfähiger, wenn wir mit der inneren Uhr im Einklang sind. Natürlich tickt jeder Mensch sprichwörtlich etwas anders: Kinder schlafen mehr als Erwachsene, Pubertierende haben eine stark nach hinten verschobene innere Uhr. Darüber hinaus bestimmen auch die Gene, ob wir Morgenmenschen oder Nachteulen sind und morgens eher leicht oder schwer aus dem Bett kommen. Molnár: „Der innere Rhythmus ist dennoch bei allen Menschen gleich, er kann nur jeweils um ein bis zwei Stunden nach vorn oder nach hinten verschoben sein.“ In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) zeigt die Organuhr im Zwei-Stunden-Rhythmus an, wann unser Körper wo gerade sehr aktiv ist. Werfen Sie mit GESÜNDER LEBEN einen Blick auf unsere innere Uhr!


7 bis 9 Uhr
Start in den Tag

Gesundheit: Am Morgen ist man sehr schmerzempfindlich, ein kratzender Hals tut nun besonders weh, Migränepatienten bekommen jetzt am häufigsten Anfälle, sie sollten starke Reize meiden. Auch Entzündungen können jetzt besonders lästig sein, Rheumatiker sollten ihre Gelenke daher nicht unnötig mit Turnübungen belasten. Aufpassen gilt auch für Herz-Kreislauf-Patienten: Da die Herzfrequenz und der Blutdruck morgens ansteigen, ist das Infarkt- und Schlaganfall-Risiko hoch. Nach der Organuhr sind der Magen und danach die weiteren Verdauungsorgane in Höchstform. Jetzt wäre die Idealzeit für ein ausgiebiges Frühstück – aber bitte ohne Stress.

Geist: Wenn die grauen Zellen morgen besonders lange brauchen, um einsatzbereit zu sein, kann man den Wecker auch einmal 15 bis 30 Minuten früher klingeln lassen. Molnár: „Unser Schlaf durchläuft einen 90-minütigen Rhythmus.“ Wenn wir währendessen aus dem Tiefschlaf gerissen werden, sind wir zumeist unausstehlich. Damit man noch besser aus den Federn kommt, kann man die innere Uhr zusätzlich mit dem natürlichen Taktgeber Licht austricksen: Zum Beispiel sich bei offenen Vorhängen von der Sonne wecken lassen oder mithilfe eines Lichtweckers in den Tag starten. „Helligkeit stoppt die Produktion des Schlafhormons Melatonin, man wacht leichter auf“, sagt der Mediziner. Morgens produziert der Körper zudem besonders viele Sexualhormone – auch eine Möglichkeit, Körper und Geist zu wecken!


9 bis 12 Uhr
Mental in Höchstform

Gesundheit: Das Immunsystem ist nun leicht verwundbar. Kranken Kollegen sollte man besser nicht zu nahe kommen. Die Schmerzempfindlichkeit ist auch noch immer hoch: Impfungen sollte man zu dieser Zeit aber aushalten – sie nimmt der Körper vormittags am besten auf. Das Kreuz zwickt? Dann geht es Ihnen wie zwei Drittel aller Rückenschmerz-Geplagten. Sie leiden zu dieser Zeit besonders und sollten kräftigende Übungen auf später verschieben.

Geist: Die Gehirnbotenstoffe reagieren nun besonders schnell, spätestens ab 10 Uhr beginnt eine Phase extrem hoher Leistungsfähigkeit. Vor allem das Kurzzeitgedächtnis ist so aufnahmefähig wie zu keiner anderen Tageszeit. Stehen Prüfungen oder Verhandlungen an, wird man sie jetzt am ehesten gut über die Runden bringen. Aufgaben, die unsere analytischen Fähigkeiten fordern, geht man am besten ebenfalls zu dieser Tageszeit an.


12 bis 14 Uhr
Der Organismus hält Siesta

Gesundheit: Mittags ist der Magen bereit für Höchstleistungen. Wir sollten ihn füttern, er braucht das Essen regelmäßig. Das hält ihn in Takt und beugt Magen-Darm-Problemen vor. Bitterstoffe in Salaten wie Endivie und Chicorée helfen dem jetzt besonders aktiven Dünndarm, in Balance zu bleiben. Zur Verdauung wird das Blut dann in den Bauch gelenkt, die übrigen Systeme laufen jetzt eher auf Sparflamme. Molnár: „Gönnen Sie daher Ihrem Organismus die Pause, nach der er verlangt: Am besten wäre es jetzt, die Beine hochzulegen, den Nacken zu lockern, wenn man verspannt ist, oder die Augen zu schließen, wenn sie von der Bildschirmarbeit müde sind.“
Geist: Für den Kopf wäre ein ca 30-minütiges Nickerchen jetzt ideal. Studien zeigen, dass man danach schneller reagiert, konzentrierter arbeitet und besser gelaunt ist. Sie können sich nicht hinlegen? Dann gilt der zweite Teil vom Sprichwort: „Nach dem Essen sollst du ruhn oder tausend Schritte tun“ .Ein Spaziergang um den Block hilft beim Abschalten.


14 bis 18 Uhr
Der Körper ist in Topform

Gesundheit: Die Schmerzempfindlichkeit sinkt nun auf den tiefsten Wert des Tages – um 15 Uhr tut die Behandlung beim Zahnarzt am wenigsten weh. Die Muskeln sind nun wärmer und beweglicher als am Vormittag, ab 16 Uhr steigen der Blutdruck und die Herzfrequenz deutlich an, die Lunge versorgt die Zellen optimal mit Sauerstoff. Jetzt darf man sich beim Sport so richtig auspowern. Ärztlicher Rat: „Die körperlichen Grenzen sollte man aber dennoch nicht überschreiten: Weil man jetzt weniger sensibel für Schmerzen ist, steigt die Verletzungsgefahr an.“ Ab 16 Uhr beginnt die optimale Zeit für Power-Yoga oder Krafttraining. Energieblockaden des Blasenmeridians, der von den inneren Augenwinkeln über den Kopf, die gesamte Wirbelsäule und an der Hinterseite der Beine bis zur kleinen Zehe verläuft, können in dieser Zeit zu Kopfschmerzen und Schmerzen zwischen den Schultern führen.

Geist: Die Verdauung des Mittagessens ist gegen 15 Uhr abgeschlossen, dem Gehirn steht wieder die maximale Sauerstoffmenge zur Verfügung. Im Job schafft man nun wieder das gewohnte Pensum an Arbeit. Pausen sollte man aber dennoch machen, denn auch das Gehirn unterliegt einem energetischen Rhythmus. Am besten alle 45 Minuten 5 Minuten Pause machen, spätestens alle 90 Minuten 15 Minuten unterbrechen, in denen man etwas ganz anders macht. Molnár: „Was viele unterschätzen: Ohne Pausen erzielt man nur 75 Prozent der möglichen Leistung.“ Nachmittags befinden wir uns übrigens auch in der philosophischen Phase: Das bedeutet, wir sind kreativ und können knifflige Aufgaben leichter lösen.


18 bis 21 Uhr
Die Sinne wollen genießen

Gesundheit: Pünktlich zum Feierabend entgiftet der Körper am stärksten. Alkohol wird jetzt am schnellsten abgebaut. Nun tut auch ein Bad sehr gut, es unterstützt beim Entschlacken. Ab 19 Uhr reagieren wir vier Stunden lang am stärksten auf Allergene, Medikamente gegen Heuschnupfen, Asthma und Rheuma wirken um diese Zeit besonders gut. Das Gleiche gilt für Schmerzmittel: „Abends benötigt man meist eine geringere Dosis als am Morgen – bei gleich starken Beschwerden.“ Wer auf sein Gewicht schauen möchte, sollte sein Abendessen mit viel Eiweiß genießen. Aber am besten vor 19 Uhr, dann beginnt laut TCM-Organuhr nämlich die Ruhephase für den Magen.

Geist: Wer gerne malt oder musiziert hat, sollte sich seiner kreativen Seite widmen. Der Körper schaltet nun die Aktivität der lebenswichtigen Organe herunter, das Gehirn ist damit weniger beschäftigt, der Kopf wird freier. Dadurch kommt der künstlerische Trieb durch, unser Langzeitgedächtnis wird leistungsfähiger. Tipp: Jetzt den Tag Revue passieren lassen und mit dem/der Partner/in Dinge besprechen, die sie/er sich merken soll.  

21 bis 24 Uhr
Zeit zum Loslassen

Gesundheit: Jetzt sollte man sich nicht wundern, wenn sich das Kniegelenk meldet, nachdem es den ganzen Tag ruhig war. Denn nun beginnt die schmerzempfindliche Phase. Viele Stoffwechselorgane wie z. B. der Darm arbeiten jetzt auf Sparflamme. Vor dem Zubettgehen sollte man daher am besten gar nichts mehr essen. „Ab 23 Uhr startet dann das Abwehrsystem seine Regenerationsphase“, erklärt der Mediziner. „Jetzt sollte man bewusst alles meiden, was den Organismus belastet – wie  Stress, Nikotin, Alkohol.“

Geist: Auch dem Kopf sollte man jetzt bewusst Ruhe gönnen. Ein nettes Buch, eine entspannende DVD oder Kuschelstunden lassen den Tag ruhig ausklingen. Die Melatoninproduktion steigt innerhalb einer Stunde von null auf hundert, man wird müde. Wann dieser Moment kommt, ist aber unterschiedlich. Die ideale Zeit zum Schlafengehen muss daher jeder für sich herausfinden.

24 bis 7 Uhr
Träume für neuen Schwung

Gesundheit: Während wir schlafen, laufen die körpereigenen Reparaturprozesse auf Hochtouren. Das Immunsystem produziert gegen 1 Uhr die meisten Abwehrzellen. Leider sind nachts auch die Schmerznerven sehr empfindlich, bei akuten Schmerzen sollte man vor dem Einschlafen noch eine Schmerztablette nehmen. Molnár: „Gegen 3 Uhr sackt der Blutdruck deutlich ab. Schlafende wachen nun leichter auf, da der Blutzucker deutlich absinkt.“ In diesem Fall lässt uns ein Stückchen Schokolade schneller wieder einschlummern. Gegen 3 Uhr schraubt dann die Lunge ihre Tätigkeit herunter, Asthmaanfälle sind nun besonders stark. Ab 5 Uhr wacht der Organismus wieder auf, der Dickdarm ist aktiv. Hormone und andere Stoffwechselprodukte gehen jetzt besonders schnell ins Blut – Alkohol übrigens auch. Schwangere aufgepasst: Die meisten Babys kommen gegen 6 Uhr auf die Welt.

Geist: Um 24 Uhr tendiert unsere Denkfähigkeit gegen null. Jetzt bricht man besser keine Diskussion vom Zaun. Sinnvoller ist es, Probleme im Traum zu lösen: Im Schlaf verarbeitet das Gehirn die Ereignisse des Tages. Wer wach bleibt, fällt meist um 2 Uhr in ein Energietief – wegen Übermüdung passieren jetzt die meisten Unfälle. Spätestens um 3 haben sogar Nachteulen merkliche Konzentrationsstörungen. Erst ab 5 geht es geistig wieder bergauf, das Gehirn wird dank des steigenden Blutdrucks wieder besser mit Sauerstoff versorgt.

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-02 130x173

Aktuelles Heft 02/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 8. März

 

Unsere Ausgabe 12/2018-01/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Sind Sie zu Ihrem Arzt immer ehrlich?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information