Im Bett bleiben oder doch ins Büro?

Ausgabe 2016.09

Husten, Schnupfen, Fieber, steifer Nacken: Wann man sich wirklich schonen sollte und wann man trotz Krankheit in die Arbeit darf.


Foto: © Can Stock Photo - Bialasiewicz

Nicht nur draußen vor der Tür, auch am Arbeitsmarkt weht der Wind immer rauer. Die Krankenstandstage der Österreicher sind rückläufig, immer mehr Beschäftigte quälen sich mit Erkältungen und sogar Fieber in die Arbeit. Doch mit diesem Verhalten steckt man nicht selten seine Kollegen an und gefährdet bisweilen auch die eigene Gesundheit. Tatsache ist: Zu Hause wird man schneller wieder gesund als im Büro. „Wenn der Körper sich ganz auf die Genesung konzentrieren kann, indem man ihm Ruhe gönnt und beispielsweise reichlich Kräutertee trinkt, ist es oft nicht einmal nötig, Medikamente einzunehmen. Wenige Tage oder ein langes Wochenende reichen dann meist, um sich auszukurieren“, betont  Dr. Wolfgang Molnár, Allgemein- und Komplementärmediziner in Wien. Er erklärt, mit welchen Zipperlein man ins Büro darf und wann man besser das Bett hüten oder ärztlichen Rat einholen sollte.

Rücksicht auf Kollegen nehmen!

Lässt es sich in arbeitsintensiven Phasen oder wegen besonderer Termine nicht verhindern, dass man angeschlagen in die Arbeit muss, sollte man zumindest auf die Kollegen Rücksicht nehmen. „Allgemeine Hygieneregeln sollten da selbstverständlich sein“, sagt Dr. Wolfgang Molnár.

„Gebrauchte Papiertaschentücher sollten nicht am Arbeitsplatz liegen bleiben, sondern sofort entsorgt werden, etwa in einem Plastiksackerl. Möglichst in ein frisches Taschentuch statt in die offenen Hände niesen, mit denen man dann später Türschnallen oder Oberflächen angreift, die auch von anderen berührt werden. Und regelmäßig die Hände gründlich mit warmem Wasser und Seife waschen.“ Auf Händeschütteln sollte man nach Möglichkeit verzichten. Niemand wird das für unhöflich halten!

Schnupfen
Die Nase läuft, man schnäuzt sich gefühlte hundert Mal am Tag und die gebrauchten Taschentücher türmen sich.
Kann ich arbeiten? Ein Schnupfen ist wirklich lästig, aber kein Grund für einen Krankenstandstag. Wenn man sonst gesund ist, darf man ins Büro.
Wann sollte ich zum Arzt?  Ändert sich das Nasensekret von klar auf gelb oder grün, kann das auf eine Entzündung der Nebenhöhlen hindeuten: Dann sollte man den Arzt aufsuchen. Das gilt auch für den Fall, dass Schmerzen oder Nasenbluten dazukommt.
Was kann ich tun? Da sich die Virenkonzentration im Herbst und Winter überall dort erhöht, wo viele Menschen zusammenkommen, sollte man häufiger als sonst die Hände waschen. Und im Umgang mit kranken Kollegen dezent auf Abstand bleiben und wenn möglich Händeschütteln vermeiden.

Husten
Kann ich arbeiten?  In den meisten Fällen ist es kein Problem, mit einem Husten zu arbeiten.
Wann sollte ich zum Arzt?  Dauern die Beschwerden länger als eine Woche an, sollte man einen Arzt aufsuchen. Trockener Husten wird meist von Viren verursacht, Schleim produzierender Husten kann von einer Erkältung, einer Bronchitis oder auch einer Lungenentzündung herrühren. Wer aufgrund einer Infektion geschwächt ist oder gar Fieber hat, riskiert eine deutliche Verschlechterung seiner Erkran­kung.
Was kann ich tun? Ist der Husten trocken, hilft es meistens, die Schleimhäute feucht zu halten, indem man mit Meersalz-Lösung inhaliert. Auch warme Getränke wie etwa Kräutertee tun bei
Husten gut. Generell sollte man darauf achten, mehr zu trinken.

Fieber
Fieber ist ein häufiges Krankheitszeichen, auf das jeder individuell reagiert. Fühlt sich der eine bei 38 Grad furchtbar elend, ist der andere noch relativ fit. Manche Menschen bekommen bereits bei einer leichten Erkältung Temperatur, während andere sehr selten Fieber haben. Fieber messen sollte man am besten mit einem Ohrthermometer im Ohr oder auch rektal – in der Achselhöhle ist das Ergebnis sehr ungenau und zeigt meist zu wenig an.  
Kann ich arbeiten?  Mit erhöhter Temperatur – also mit 37,5 Grad – zur Arbeit zu gehen, ist aus ärztlicher Sicht noch in Ordnung, solange man sich dabei halbwegs wohlfühlt. Spätestens wenn das Fieberthermometer auf 38 Grad klettert, sollte man zu Hause bleiben, damit sich der Körper erholen kann. Schließlich ist Fieber immer ein Anzeichen dafür, dass der Körper gegen Krankheitserreger kämpft.
Wann sollte ich zum Arzt? Steigt das Fieber auf mehr als 38,5 Grad an, sollte man zum Arzt gehen. Das gilt auch, wenn andere (Grippe-)Symptome dazukommen, etwa Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen und trockener Husten. Auch wer über einen längeren Zeitraum erhöhte Temperatur aufweist, sollte sich untersuchen lassen. Das kann auf einen schwelenden Infekt hinweisen.
Was kann ich tun?  Vor allem sollte man seinem Körper bei Fieber Ruhe gönnen. Bewährte Hausmittel: Wadenwickel zum Fiebersenken und viel (Tee) trinken.

Kopfschmerzen
Kann ich arbeiten?  Es spricht nichts dagegen, mit leichten, erträglichen Kopfschmerzen zu arbeiten, sofern keine anderen Beschwerden dazukommen. Ausschlaggebend ist, wie fit man sich fühlt. Wenn die Konzentration darunter leidet, sollten Beschäftigte bestimmter Berufsgruppen mit Verantwortung (Piloten, Buschauffeure) lieber vom Arbeiten
Wann sollte ich zum Arzt?  Treten zu den Kopfschmerzen Grippesymptome wie Fieber, Krankheitsgefühl und Gliederschmerzen auf, sollte man zum Arzt. Dauern die Kopfschmerzen länger als drei Tage an oder treten sie auch ohne Infekt regelmäßig auf, sollte man sich ebenfalls medizinisch untersuchen lassen.
Was kann ich tun?  Möglicherweise lindert die frische Luft auf dem Weg zur Arbeit die Schmerzen. Sonst hilft eine Kopfschmerztablette. Wichtig ist außerdem darauf zu achten, dass der Körper mit genügend Flüssigkeit versorgt ist.


 

Ohrenschmerzen
Ohrenschmerzen werden von den meisten, ähnlich Zahnschmerzen, als äußerst unangenehm empfunden, entsprechend oft wird der Arzt in solchen Fällen aufgesucht.
Kann ich arbeiten?  Ohrenschmerzen können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Weil sie zudem schnell sehr schmerzhaft werden können, ist es ratsam, mit Ohrenschmerzen seinen Hausarzt aufzusuchen. Der Arzt kann die genaue Ursache abklären und die richtige Behandlung empfehlen. In vielen Fällen handelt es sich um eine Mittelohrentzündung oder um eine Entzündung des Gehörgangs. Bei Nichtansprechen der Therapie sollte nach spätestens 3 Tagen ein HNO-Facharzt konsultiert werden.
Was kann ich dagegen tun?  Zusätzlich zu der vom Arzt empfohlenen Therapie hilft Wärme bei einer Mittelohrentzündung gegen die Ohrenschmerzen. Ein altes Hausmittel ist das Auflegen von Zwiebelsäckchen: warme Zwiebeln klein schneiden, in ein Tuch wickeln und auf das Ohr legen.

Halsschmerzen
Kann ich arbeiten?  Im Normalfall schon: Bei leichten Halsschmerzen liegt oft nur ein leichter viraler Infekt vor. Das lässt sich in der Regel gut selbst behandeln.
Wann sollte ich zum Arzt?  Bei starken Halsschmerzen und Schluckbeschwerden oder Fieber ist es ratsam, zum Arzt statt zur Arbeit zu gehen. Ursache für die Beschwerden kann eine bakterielle Mandelentzündung sein, die mit einem Antibiotikum behandelt werden muss. Außerdem kann starker Schluckschmerz ein Alarmzeichen für eine Kehldeckelentzündung sein. Ist das der Fall, kann das Schlucken schnell sehr unangenehm werden und zu Atemnot führen. Damit sollte man unbedingt zum Arzt.
Was kann ich dagegen tun? Viel trinken hilft den Schleimhäuten. Bestimmte Tees wirken zusätzlich, Salbeitee zum Beispiel desinfizierend. In der Apotheke erhält man desinfizierende Sprays und Gurgellösungen für den Rachenraum, auch herkömmliche Schmerzmittel bringen Linderung.

Durchfall/Erbrechen
Kann ich arbeiten? Bei Brechreiz, Erbrechen oder Durchfall sollte man zu Hause bleiben – dies kann auf eine ansteckende Infektion mit einem Magen-Darm-Keim hindeuten.
Wann sollte ich zum Arzt?  Wenn nach zwei Tagen keinerlei Besserung eintritt, sollte man einen Arzt hinzuziehen. Bei einer akuten Durchfallkrankheit, die auf eine Infektion des Darms hindeuten kann, nimmt man am besten zuerst telefonisch Kontakt mit seinem Arzt auf und berichtet ihm über den plötzlichen Beginn, eine mögliche Infektion und den Infektionsweg, Fieber und Übelkeit. Er wird dann entscheiden, ob man zu Hause behandelt werden kann oder in ein Krankenhaus gehört.
Was kann ich dagegen tun?  Vorerst unbedingt Daheim bleiben, niemandem die Hand schütteln und viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Wenn nach 3 Tagen keine Besserung eintrittt, sollte der Arzt eine Stuhluntersuchung veranlassen.

Steifer Nacken
Nackenschmerzen sind häufig auf Verspannungen der Halsmuskulatur zurückzuführen. Ursache des sogenannten Zervikalsyndroms ist oft eine unnatürliche Körperhaltung.
Kann ich arbeiten?  Ja – solange sich die Schmerzen in Grenzen halten.
Wann sollte ich zum Arzt?  Wenn die Schmerzen nicht nachlassen, zusätzlich Ohrgeräusche oder Gleichgewichtsstörungen dazukommen, sollte man einen Facharzt  konsultieren. Strahlen die Schmerzen in den Arm aus, kribbelt es dort, sind womöglich auch das Berührungsempfinden und die Beweglichkeit am Ober- oder Unterarm, an der Hand, an ein oder mehreren Fingern beeinträchtigt, ist unverzüglich ein Neurologe gefragt.
Was kann ich dagegen tun?  Heiße Duschen, Wärmebehandlungen, Massagen und Akupunktur können die akuten Beschwerden lindern. Langfristig sollte man auf Ausgleich durch Bewegung achten.

 

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