Ihr Schutzprogramm fürs Herz

Ausgabe 09/2011
Schlag für Schlag hält das Herz den Kreislauf des Lebens in Gang – für den bekannten Mediziner Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer ist dies eines der größten Wunder. Seinen Patienten legt er einen eigenverantwortlichen und liebevollen Umgang mit diesem besonderen Organ ans Herz und gibt Tipps für ein sehr persönliches Vorsorgeprogramm.

Foto: istockphoto.com - Marek Tihelka
Machen Sie bitte mit Ihrer rechten Hand eine Faust – so groß ist ungefähr Ihr Herz. Es ist Ihr größter Muskel und ein starker Motor. Es schlägt zwischen 60 und 80 Mal pro Minute, 100.000 Mal am Tag, 36 Millionen Mal im Jahr und 2,5 Milliarden Mal im Laufe eines 70-jährigen Lebens. Pro Minute werden mehr als fünf Liter Blut transportiert, was in etwa dem gesamten Blutvolumen des Körpers entspricht. Macht wiederum mehr als 300 Liter in einer Stunde, die der Herzmuskel bewegt – eine Spitzenleistung.

Bis heute ist es jedoch ein ungelöstes Rätsel, wie der Taktgeber des Herzens – der sogenannte Sinusknoten – gestartet, wie und wodurch er programmiert wird. „Es scheint, als seien uns der Herzschlag und sein Rhythmus geschenkt, woher und von wem auch immer“, schreibt der renommierte deutsche Arzt Prof. Dietrich Grönemeyer nicht ohne Ehrfurcht in seinem neuen Buch – einem vorprogrammierten Bestseller. Grönemeyer, eigentlich Radiologe und Rückenspezialist, hat einen Ausflug in die Kardiologie gewagt. Er hat „Dein Herz. Eine andere Organ­geschichte“) vor allem auch als seine Geschichte –als betroffener Patient –geschrieben. „Ich lag selbst mit Vorhofflimmern infolge einer Herzmuskelentzündung auf der Intensivstation. Ich hatte Todesangst. Das war ein einschneidendes Erlebnis.“ Spätestens seit damals steht für den Mediziner fest: „Das Herz ist nicht nur eine Pumpe. Das Herz fühlt, was uns bewegt.“

Sorgen Sie vor
Grönemeyer weiß also aus Erfahrung, was es bedeutet, wenn das Herz besonderen Schutz braucht. Es unterliegt wie fast alle Organe natürlichen Verschleißerscheinungen, die sich mit zunehmendem Alter immer deutlicher bemerkbar machen. Herzerkrankungen gehören zu den häufigsten Zivilisationserscheinungen und der Herzinfarkt ist Todesursache Nr. 1 nicht nur in Österreich, sondern in allen Industrienationen, in denen das Leben durch Stress, Nikotin, Alkohol, falsche Ernährung und Umweltgifte belastet ist. Der deutsche Mediziner plädiert für einen ­liebevollen und eigenverantwortlichen Umgang mit dem eigenen Herz, denn die gute Nachricht ist eindeutig: Ob ein Mensch über 50 an einem Herzleiden stirbt, hat weniger mit dem Schicksal oder den Genen zu tun als mit seiner Lebensführung. Nehmen Sie also Ihr Schicksal selbst in die Hand, denn für Ihre Herzgesundheit können Sie viel tun. Hier die sieben wichtigsten Schritte für ein gesundes Herz (Quelle u.a. siehe Info-Kasten, Seite 49) zusammen mit sehr persönlichen Tipps von Mediziner Grönemeyer:

1 Bewegung
Schon dreimal zehn Minuten Bewegung täglich reichen aus, das Herz-Kreislauf-System zu stärken und sich wohler zu fühlen. Vor allem wer sich bisher kaum bewegt hat, profitiert schon von diesem kleinen Training. Sie müssen dabei nicht unbedingt ins Schwitzen kommen, wenn Sie durch die Bewegung schneller und tiefer atmen, sind Sie auf dem richtigen Weg. Erledigen Sie z.B. kleine Einkäufe zu Fuß, fahren Sie mit dem Fahrrad zur Arbeit, verzichten Sie auf den Lift. Wichtig ist, dass Sie auf mindestens diese 30 Minuten kommen – und natürlich darf es auch mehr sein! Aus dem raschen Spaziergang kann auch regelmäßiges Walking oder Jogging werden. Auch Schwimmen und Tanzen ist empfehlenswert.


Grönemeyers Tipp:
Betreiben Sie Ausdauersport „Arteriosklerose erstreckt sich über Jahrzehnte und ist so lange schmerzlos, solange keine relevante Einengung von Gefäßen entsteht. Am besten kann man mit einem gefäßstabilisierenden Bewegungstraining und mit Wasseranwendungen vorbeugen. Bei Einengungen an den Beinen sind Wärme- und Kälteanwendungen ab einer bestimmten Stufe verboten, besprechen Sie alle Fragen gezielt mit Ihrem Kardiologen.“



2 Gewicht
Übergewicht belastet Herz und Gefäße im wahrsten Sinn des Wortes. Besonders gefährlich ist Fett im Bauchbereich, da hier das Fettgewebe Stoffe produziert, die das Risiko für Gefäßverkalkungen erhöhen. Auskunft darüber, ob man übergewichtig ist, gibt z.B. der Taillenumfang – bei Männern sollte er nicht mehr als 102 cm, bei Frauen nicht mehr als 88 cm messen. Auch der Body-Mass-Index (BMI) zeigt, ob Ihr Gewicht im unbedenklichen Bereich liegt oder Sie besser ein paar Kilos verlieren sollten. Um ihn zu errechnen, teilt man das Körpergewicht durch das Quadrat der Körpergröße, also z.B.: 80 kg Körpergewicht : 1,80 m x 1,80 m Körpergröße ergibt einen BMI von 24,69.

Der BMI verändert sich im Laufe des Lebens und sollte laut WHO so aussehen:

Grönemeyers Tipp:
Leben Sie bewusst, aber ohne Stress„Mein eigener BMI ist etwas zu hoch, ich bin ein Genussmensch. Aber ich weiß auch, dass man dem entgegensteuern muss, und so nutze ich Urlaubszeiten und Freizeit überhaupt zu viel Sport und Bewegung.“


3 Ernährung

Für seine konstante und zuverlässige Leistung braucht das Herz eine ausgewogene Mischkost mit reichlich Obst,
Gemüse und Vollkornprodukten. Doch wie viel ist reichlich Obst und Gemüse? Sind drei Portionen Fleisch in der Woche zu viel? Sind Süßigkeiten erlaubt? Wie eine gesunde Ernährung im optimalen Fall aussehen kann, zeigt die österreichische Ernährungspyramide (Bundes­ministerium für Gesundheit, 2010) mit folgenden Empfehlungen:

Einen Folder mit Detailinformationen zur Ernährungspyramide können Sie z.B. beim Fonds Gesundes Österreich gratis downloaden (www.fgoe.org/presse-publikationen/downloads/broschueren-folder ; „Ernährungsfolder“ anklicken).

Grönemeyers Tipp:
Essen Sie Nüsse„Nüsse verbessern die Durchblutung und wirken ebenso cholesterin­senkend wie Haferflocken. Vitamin B und E spielen bei der Arteriosklerose-Vorbeugung eine wichtige Rolle.“



4 Vorsorge
Jede Österreicherin und jeder Österreicher über 18 Jahre hat einmal jährlich Anspruch auf eine umfassende Unter­suchung – und das gratis. Auch wenn Sie sich fit fühlen, sollten Sie dieses Angebot nützen. Abgeklärt werden nämlich die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Blutdruck, Blutfette (Gesamt-Cholesterin, „gutes“ HDL-Cholesterin, „schlechtes“ LDL-Cholesterin), Blutzucker etc. Frühzeitig erkannte Risikofaktoren können dazu beitragen, dass Sie gesund bleiben. Wichtig ist, dass Sie die Vorsorgeuntersuchung regelmäßig nutzen!

Die wichtigsten Normalwerte auf einen Blick:
(Achtung: Diese Werte gelten nur, solange bei Ihnen nicht schon ein erhöhtes Risiko festgestellt wurde.)

Grönemeyers Tipp:
Messen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck„Die Messung beim Arzt, in der Apotheke oder zu Hause sollte für jeden zum persönlichen Vorsorgeprogramm gehören.“


5 Alkohol
Alkohol ist der Dickmacher Nr. 1. Darüber hinaus erhöht zu hoher Konsum u.a. den Blutdruck, das Risiko für Schlaganfälle, Lebererkrankungen und bestimmte Krebserkrankungen. Im Interesse Ihrer Herzgesundheit genießen Sie am besten mit Maß und Ziel:

Grönemeyers Tipp:
Wir brauchen keinen Alkohol, um fröhlich zu sein„Ich trinke gelegentlich ein Glas Rotwein, am Wochenende, im Kreis von Freunden oder der Familie. Aber eher selten.“

Das tut Prof. Grönemeyer für seine Gefäße
Verkalkungen und Ablagerungen in den Arterien sind die Wegbereiter für plötzliche Gefäßverschlüsse, die wiederum zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen können. Der Prozess der Gefäßschädigung erstreckt sich jedoch über Jahrzehnte – Sie haben also reichlich Zeit, gegenzu­steuern. Auch Prof. Dr. Dietrich Gröne-meyer schützt sich vor Arteriosklerose. So sieht sein persönliches Vorsorge-Programm aus:
  • Haferflocken zum Frühstück mit Nüssen und Beeren.
  • Fünf Mal am Tag Obst und Gemüse in kleinen Portionen.
  • Salate mit Olivenöl, Avocados (gesundes Fett), frischen Kräutern und Knoblauch.
  • Wenig Salz: Es erhöht den Blutdruck Nein zu Nikotin und Alkohol (oder nur geringe Mengen).
  • Wenig Kaffee und Tee, Ersatz durch Kräutertees und auch warmes Wasser.
  • Aufsteigende Fußbäder auf nicht mehr als 35 Grad und Wechselbäder.
  • Jeden Tag zehn Minuten Gymnastik und drei Mal pro Woche 30 Minuten Sport.



6 Rauchen
Auch wenn Sie seit vielen Jahren rauchen: Gesundheitlich zahlt es sich für Herz und Blutgefäße immer aus, wenn Sie vom Rauchen loskommen – oder den Zigarettenkonsum zumindest deutlich reduzieren. Als kleine Motivationshilfe –so wirkt sich Nichtrauchen auf Ihre Gesundheit aus:
Die Tatsache, ob Sie Raucher oder Nichtraucher sind, entscheidet wesentlich darüber, wie hoch Ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Wichtig ist Ihr Wille, etwas daran ändern zu wollen: Es gibt vielfältige Beratungs- und Unterstützungsangebote. Fragen Sie Ihren Arzt oder informieren Sie sich z.B. beim Rauchertelefon (www.rauchertelefon.at; Tel. 0810 810 013)

Grönemeyers Tipp:
Raucherentwöhnung geht mit Unterstützung gleich leichter„Keiner kann mehr für Ihre Gesundheit tun als Sie selbst. Eine Pille Gesundheit, die man so einfach schlucken könnte, gibt es nicht. Wenn Sie sich entschieden haben, mit dem Rauchen aufzuhören, nutzen Sie auch Hilfen dabei, z.B. Akupunktur.“

7 Stress
Stress gehört zum Leben, er kann beflügeln und zu neuen Leistungen anspornen. Erst wenn die Anspannung zum Dauer­zustand wird, Entspannung fehlt und Angst und Frustration überwiegen, entsteht der negative Stress, der sogenannte Disstress. Als fortdauernder Gesamtzustand wird er gesundheitsgefährdend und schließlich bedrohlich fürs Herz. Spannung und Entspannung müssen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen – diese Harmonie kann Ihnen allerdings kein Arzt verschreiben. Achten Sie auf Erholungspausen und bewusste „Auszeiten“ im Alltag, sie tun dem Herzen gut. Für jeden Menschen ist etwas anderes entspannend. Wichtig ist herauszufinden, was einem selbst gut tut, z.B. ein ausgiebiger Spaziergang, Musik hören, Sport … Ist der Stress­pegel höher, ist es sinnvoll, ganz gezielt Entspannungstechniken zu lernen und die in den Alltag zu integrieren (z.B. Progressive Muskelentspannung, Artikel Seite 56). Wenn Stress für Sie ein andauerndes
Problem darstellt, fragen Sie Ihren Arzt bzw. in psychologischen Beratungsstellen, damit Sie frühzeitig gegensteuern können.

Grönemeyers Tipp:
Entspannen Sie genussvoll„Am besten durch das Zusammensein mit geliebten Menschen und Freunden. Geselligkeit ist gut fürs Herz. Schaffen Sie sich bewusste Ruhe- und Entspannungsphasen oder Kreativpausen. Mir gelingt das durch Wandern, lange Spaziergänge oder Joggen im Wald, lesen, Musik hören. Finden Sie heraus, was für Sie passend ist.“

Dem Herzen zuliebe
Hand aufs Herz, das waren jetzt jede Menge Tipps. Wie soll man die alle befolgen? Will man oder frau das überhaupt? Tatsache ist, dass es im Vergleich zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen nur wenig andere Krankheiten gibt, denen Sie so effektiv vorbeugen können. Dennoch –auch Spaß und Genuss gehören zu einem gesunden Leben, ist Herzpatient und Mediziner Grönemeyer überzeugt: „Ich will nicht der strengen Askese das Wort reden. Wir sollten nur nicht die Chance vertun, im Wissen um die Gefahren etwas bewusster mit unserem Körper umzugehen. Machen wir es unserem Herzen einfach etwas leichter, länger zu schlagen und den Kreislauf des Lebens in Gang zu halten.“


7 Schritte für ein gesundes Herz
Die Informationsbroschüre „7 Schritte für ein gesundes Herz“, herausgegeben von der Wiener Gesundheitsförderung (WIG) der Stadt Wien, können Sie gratis über die Homepage www.wig.or.at beziehen (siehe Downloadbereich).


Buchtipp:
"Dein Herz. Eine andere Organgeschichte", von Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer, S. Fischer Verlag, € 22,95
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Ernährung
Für seine konstante und zuverlässige Leistung braucht das Herz eine ausgewogene Mischkost mit reichlich Obst,
Gemüse und Vollkornprodukten. Doch wie viel ist reichlich Obst und Gemüse? Sind drei Portionen Fleisch in der Woche zu viel? Sind Süßigkeiten erlaubt? Wie eine gesunde Ernährung im optimalen Fall aussehen kann, zeigt die österreichische Ernährungspyramide (Bundes­ministerium für Gesundheit, 2010) mit folgenden Empfehlungen:
Täglich min. 1,5 Liter Wasser und alkoholfreie bzw. energiearme Getränke.
Täglich 3 Portionen Gemüse oder Hülsenfrüchte und 2 Portionen Obst.
Täglich 4 Portionen Getreide, Brot, Nudeln, Reis oder Erdäpfel (5 Portionen für sportlich Aktive und Kinder) – vorzugsweise Vollkorn.
Täglich 3 Portionen fettarme Milch und Milchprodukte.
Pro Woche 1–2 Portionen Fisch. Pro Woche maximal 3 Portionen fettarmes Fleisch oder fettarme Wurstware. Pro Woche maximal 3 Eier.
Täglich 1–2 Esslöffel pflanzliche Öle, Nüsse oder Samen. Streich-, Back- und Bratfette und fettreiche Milchprodukte sparsam.
Fett-, zucker- und salzreiche Lebensmittel und energiereiche Getränke selten.
Einen Folder mit Detailinformationen zur Ernährungspyramide können Sie z.B. beim Fonds Gesundes Österreich gratis downloaden (www.fgoe.org/presse-publikationen/downloads/broschueren-folder; „Ernährungsfolder“ anklicken).

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