Freitag, 20. September 2019

Ich will ein Kind von dir!

Ausgabe 2017.10

Zehn bis fünfzehn Prozent der österreichischen Paare leiden an einem unerfüllten Kinderwunsch. Die Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit sind dabei genauso vielfältig wie die Behandlungs­methoden. GESÜNDER LEBEN klärt über Ursachen und Lösungen auf.


Foto: iStock-danchooalex

Der Wunsch nach Kindern nimmt bei vielen Frauen und Männern nach wie vor einen zentralen Stellenwert im Leben ein. Nicht immer aber klappt es: 10 bis 15 Prozent der österreichischen Paare leiden an einem unerfüllten Kinderwunsch. „Stellt sich eine Schwangerschaft trotz intensivem ‚Basteln’ nicht ein, empfinden das die betroffenen Paare als große seelische Belastung“, gibt Dr. Mathias Brunbauer, ärztlicher Leiter der KinderWunschKlinik Wien zu bedenken. Und sehr häufig, so der Experte weiter: „Frauen zweifeln an ihrer Weiblichkeit und empfinden es als persönliches Versagen, nicht schwanger werden zu können. Die gesamte Lebensplanung wird plötzlich infrage gestellt.“ Nachsatz: „Klar, dass dann auch der Sex keinen Spaß mehr macht.“Bitte blättern Sie um

Enttabuisierung. Schon allein aus diesen Gründen begrüßt der Experte den gesellschaftlichen Trend, dass künstliche Befruchtung immer mehr aus der Tabu-Ecke gedrängt wird. „Die Hemmschwelle bei Betroffenen, sich aufgrund von ungewollter Kinderlosigkeit an einen Arzt zu wenden, ist merklich gesunken.“ Laut einer Statistik des österreichischen IVF-Fonds wurden 2016 über 9.000 künstliche Befruchtungen in Österreich durchgeführt, womit sich in den vergangenen fünf Jahren diese Anzahl beinahe verdoppelt hat. Brunbauer führt diesen Anstieg allen voran auf die immer älter werdende Gesellschaft zurück. Aber auch die Karriere oder die Wahl des richtigen Partners würden eine wichtige Rolle beim Trend zur späten Schwangerschaft spielen, so der Experte. Denn bereits ab dem 30. Lebensjahr nimmt die Qualität als auch die Quantität der Eizellen langsam, aber kontinuierlich ab.

Ursachen. Laut Studien liegt in etwa 40 Prozent der Fälle die Ursache bei der Frau, in 40 Prozent beim Mann und in 20 Prozent bei beiden. Bei Frauen mit unerfülltem Kinderwusch finden sich häufig Störungen der Eileiter: Diese können verklebt, verwachsen oder gar verschlossen sein. Ein weiteres häufiges Problem: Endometriose, woran rund 15 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter leiden. Bei dieser gutartigen immunologischen Erkrankung, die sich durch starke Menstruationsbeschwerden bemerkbar machen kann, kommt es zu einer Verschleppung von Schleimhaut aus der Gebärmutterhöhle in den Unterleib, was letztlich zu einer schlechten Eizellenausreifung führt. Tritt der Zyklus sehr unregelmäßig auf, kann dies auch auf ein polyzystische Ovar-Syndrom, kurz: PCO, hindeuten. „Diese weibliche Hormonstörung, bei der es zu einer Überproduktion von Eizellen kommt, ist eine der häufigsten Ursachen für eine erschwerte Schwangerschaft“, so Brunbauer. Und wie sieht es beim Mann aus? Hier können, zusammengefasst, Störungen der Spermienreifung und/oder des Spermientransports mögliche Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch sein, auch Krampfadern im Hodensack oder ein Hodenhochstand sind nicht selten. Ein Spermiogramm ist eine unkomplizierte und rasche Methode, die Qualität des Spermas festzustellen.

Start an der Basis. „Der erste Schritt der Behandlung ist die Abklärung, ob an der sogenannten Basis etwas zu optimieren ist“, erklärt der Gynäkologe. Allen voran: Hat das Paar zum richtigen Zeitpunkt Geschlechtsverkehr? Wird der Zyklus genau beobachtet? Und: Wie lange probiert man bereits, schwanger zu werden? „Es ist völlig normal, dass es mindestens sechs Monate dauern kann, bis eine Schwangerschaft eintritt“, beruhigt Brunbauer, der empfiehlt: „Erst wenn es nach einem Jahr intensiven Bastelns nicht klappt, sollte man sich an einen Arzt wenden.“ Präventiv kann es helfen, den eigenen Lebensstil zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern: Vor allem das Rauchen (bei beiden Geschlechtern!) vermindert die Schwangerschaftschancen erheblich. Zudem rät Brunbauer beiden Partnern zu einer gesunden, ausgewogenen Ernährung mit ausreichend Vitaminen (C, E, A, B12), Spurenelementen (Eisen, Zink, Selen, Magnesium) und Eiweiß. Frauen sollten sich ausreichend bewegen, ohne sich zu überanstrengen. Für Männer gilt: Enge Hosen sowie heiße Bäder führen zu einer Überhitzung der Hoden, auch Handys sollten nicht in der Hosentasche getragen werden. Nicht zuletzt wirkt sich auch psychischer Stress negativ auf das Schwangerwerden aus.

Vielfältige Methoden. Greifen diese Methoden nicht, kann über eine Intrauterine Insemination nachgedacht werden, bei der das Ejakulat in konzentrierter Form zum richtigen Zeitpunkt in die Gebärmutterhöhle eingebracht wird. „Diese Behandlung führt allerdings nur bei rund 10 Prozent der Frauen zu einer Schwangerschaft.“ Die In-Vitro-Methoden – also jene Behandlungen, die man gemeinhin als „künstliche Befruchtung“ bezeichnet – sind folglich am erfolgversprechendsten: Die am häufigsten angewandte Behandlung ist hier die ISCI-Methode, bei der ein einzelnes Spermium mit einer Mikronadel direkt in die Eizelle injiziert wird. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die IVF-Methode: Die mittels Follikelpunktion entnommenen reifen Eizellen werden unter dem Mikroskop mit den aufbereiteten Spermien befruchtet und (nach einigen Tagen im Brutkasten) erneut in die Gebärmutter injiziert. Durchschnittlich sind bei der IVF-Methode drei Versuche nötig, um eine Schwangerschaft herbeizuführen.

Keine Frage der Schuld. All diesen Methoden geht stets eine Hormonbehandlung voran, deren Ziel es ist, möglichst viele Eizellen zu produzieren. Dazu Brunbauer: „Es ist normal, dass die meisten Eizellen für eine Befruchtung nicht geeignet sind. Bei einer gesunden 25-jährigen Frau benötigt man durchschnittlich vier Eizellen für ein gesundes Kind. Bei einer 40-Jährigen sind es bereits acht Eizellen.“ Die Chance, ausschließlich durch eine hormonelle Unterstützung schwanger zu werden, liegt bei 40 Prozent. Da während der Behandlungen die Frauen hormonellen Schwankungen ausgesetzt sind, bietet jede Kinderwunschklinik die Möglichkeit eines Gesprächs mit einem Psychologen an. „Selbstvorwürfe und Schuldzuweisungen sind fehl am Platz!“, betont Brunbauer und: „Eine künstliche Befruchtung ist nichts, wofür man sich schämen müsste. Dem Kind ist es egal, ob es im Schlafzimmer, im Urlaub oder im Labor unter dem Mikroskop gezeugt wurde!“

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