Hurra, die Schule geht los!

Ausgabe 2019.09

Der erste Schultag löst nicht nur bei Taferlklasslern oft Ängste oder Unsicherheiten aus. Mit den Tipps von GESÜNDER LEBEN gelingt ein entspannter Schulstart.


Foto: © iStock - Imgorthand

Wie werde ich mich mit meinen Mitschülern verstehen? Werde ich rasch Freunde finden? Wie sind wohl die Lehrer? Und wird das Lernen schwierig? Fragen wie diese gehen vor den ersten Schultagen den meisten Kindern durch den Kopf. Ines Berger ist Familienberaterin, Lerncoach und ehemalige AHS-Lehrerin. Sie kennt alle kleinen und großen Schulprobleme und -sorgen, sowohl aus Sicht der Kinder als auch der Eltern. „Das Wichtigste ist, den Kindern ihre Gefühle nicht auszureden. Besser, als zu sagen, dass sie keine Angst zu haben brauchen, ist, ihnen zu vermitteln, dass man sie versteht, dass diese Gefühle von Unsicherheit am Anfang von etwas Neuem normal sind.“ Eltern können Kindern etwa erzählen, wie ihr eigener Schulstart oder Umstieg in eine weiterführende Schule war und was ihnen damals geholfen hat. „Man kann seine Kinder fragen, was sie denn zur Überbrückung für die Einstiegszeit stärken könnte? Vielleicht ein Schal, der nach Mama riecht, das Lieblings-Schleich-Tier in der Schultasche und vorher alles üben, was eventuelle Unsicherheiten birgt“, schlägt Ines Berger vor. Also zum Beispiel gemeinsam den Schulweg abgehen bzw. abfahren oder einen Plan vom Schulgebäude anschauen und sich schon mal merken, wo Klassenzimmer, Turnsaal und Kantine sind. „Man kann sie auch daran erinnern, wie schnell sie Freunde in Kindergarten, Volksschule oder Sportverein gewonnen haben und dass sie wahrscheinlich wieder ähnlich rasch Anschluss finden werden“, meint die Familienberaterin.

Expertin

Ines Berger, Familienberaterin, Lerncoach und ehemalige AHS-Lehrerin
Unsere Expertin bietet auch Workshops für Eltern zum Thema Schule darf sich leicht anfühlen! an. Und zwar gemeinsam mit Yoga- & Meditationslehrerin Astrid Wecht.

Termine: Einführungs-Workshop am 17.9.2019
Tages-Workshop am 23.11.2019

Info: www.inesberger.at und
https://www.chillthemonkey.com

Risikofaktor eigene Schulzeit
Nicht selten werden Eltern durch ihre Kinder noch mal an die Erfahrungen der eigenen Schulzeit erinnert, und die Gefahr ist groß, dass sich eigene Gefühle mit denen der Kinder vermischen. „Eltern waren auch mal Schüler, wurden eventuell gedemütigt, beschämt oder ausgelacht. Diese negativen Gefühle sind abgespeichert, und mit seinen Kindern erlebt man sie oft noch einmal“, erklärt Berger. Wichtig ist es aber zu unterscheiden, welche sind die eigenen Gefühle und Erfahrungen und welche gehören zu seinem Kind. „Wird ein Kind zum Beispiel ungerecht behandelt und man hat diese Situation selber auch erlebt, reagiert man nicht aus dem Verstand, sondern emotional. Damit ist man kein geeigneter Unterstützer“, betont Berger.

Schule soll Freude machen
Generell ist es das Wichtigste, Kindern zu vermitteln, dass Schule eigentlich durchaus was Tolles ist. Denn Schule bedeutet Interessantes und Neues zu lernen, Gemeinschaft zu erleben und Freunde wiederzusehen. „Leider hört man aber so oft Sätze wie ‚Da musst du durch’, ‚Zum Glück ist die Schule bald vorbei’, ‚Jetzt beginnt der Ernst des Lebens’ und ähnliches“, weiß Ines Berger sowohl aus ihrer Zeit als Lehrerin wie auch als Beraterin. „Dabei ist das eine so lange und wichtige Lebenszeit. Und eine der schädlichsten Folgen aus diesem Denken ist es, wenn Kinder die Freude am Lernen verlieren, denn das wirkt sich oft ein Leben lang aus.“ Was hilft aber, Schule locker anzugehen, das Thema nicht nur negativ zu beladen? „Das Hauptproblem ist zu viel Druck auch von Seiten der Eltern. Oft ist der Faktor Schule so massiv, dass es kaum mehr ein anderes Thema in der Familie gibt. Ich darf aber als Elternteil meinem Kind vertrauen, dass es seinen Weg gehen wird. Mit der nötigen Unterstützung, die man ihm selbstverständlich immer anbietet.“ Das können dann Fragen sein, wie beispielsweise: „Wie kannst du dich am besten motivieren?“, „Was brauchst du, damit du dich besser konzentrieren kannst?“ Durch diese Fragen lernen Kinder die Kompetenz der Selbstwirksamkeit. Sie finden heraus, was sie brauchen und was sie stärkt.


 

Organisation und Ordnung
Eine gute Hilfestellung ist es, den Kindern zumindest anfangs bei der Organisation ihres Schulalltags zu helfen. So kann man am Abend gemeinsam den nächsten Tag besprechen und gemeinsam eine Liste erstellen, was in die Schultasche gepackt werden muss. Für Termine wie Schularbeiten, Klassenfahrt oder Schulaufführungen kann man einen Kalender aufhängen – so haben die Kinder immer im Blick, was in der Schule gerade ansteht. „Wie man so einen Kalender führt, dabei können Eltern ihren Kindern helfen. Wie er aber ausschauen soll, sollten die Kinder selbst entscheiden dürfen“, betont Berger. Wie sie überhaupt auch bei der Wahl der Stifte, Schultasche oder Hefteinbände möglichst viel eingebunden werden sollen und mitentscheiden dürfen. Das macht Spaß und bringt Vorfreude auf die Schule.

Gesunde Jause

Eine ausgewogene Ernährung unterstützt das Gehirn bei seiner Arbeit. Was sollte also in die Jausenbox der Schulkinder? Kohlenhydrate als Energielieferant, möglichst ballaststoffreich, damit die Energie auch lange anhält. Ideal sind ein Vollkornbrot oder Dinkelweckerl mit Sonnenblumen oder Kürbiskernen. Als Aufstrich oder Belag eignet sich eine Portion Eiweiß: magerer Schinken, Käse, Frischkäse, Humus- oder Thunfischaufstrich. Eine fixe Beilage sollte immer eine Portion Obst und Gemüse sein, die wichtige Vitamine liefern. Am besten saisonal und bio. Von Paprika, Gurken, Radieschen und Karottensticks über Äpfel, Birnen, Marillen und Kirschen. Fürs kleine Snacken zwischendurch eignen sich verschiedene Nüsse oder Trockenfrüchte. Das ideale Getränk ist Wasser, das man aber mit einer Zitronen- oder Gurkenscheibe oder Kräutern wie Minze aufpeppen kann. Je nach Jahreszeit kann die Jause natürlich abgewandelt werden: So sind im Winter ein warmer Grießbrei oder Haferflocken geeignet; im Sommer auch mal ein Gemüsesalat mit Quinoa oder Bulgur.

Hausaufgaben in Kinderhand
Ein häufiger Stressauslöser sind die täglichen Hausübungen. Äußere Faktoren, die helfen können, sind ein guter Arbeitsplatz mit ausreichend Platz und Licht. Der Tisch sollte aufgeräumt und nicht mit anderen Dingen beladen sein, die ablenken. Für die zeitliche Planung ist auf jeden Fall das Kind zuständig. „Jedes Kind ist zu einer unterschiedlichen Zeit aufnahmefähig, hat einen anderen Biorhythmus“, weiß Ines Berger, die selbst mit Vorliebe ihre Hausaufgaben um drei Uhr morgens gemacht hat. „Manche Kinder konzentrieren sich am besten direkt nach der Schule, andere machen lieber erst später am Abend ihre Hausaufgaben. Da brauchen Eltern auch ein Stück Gelassenheit, dass sie diese erst dann erledigen.“ Und das am besten auch möglichst bald alleine, schließlich sollen sie auch das Selbstvertrauen bekommen, dass sie es selbstständig schaffen. Dabei dürfen sie selbstverständlich Fehler machen, denn schließlich heißt es ja, zu üben und nicht zu Hause perfekt alles zu können. Berger: „Wenn man aber merkt, dass es nicht funktioniert, dass ein Kind immer ewig lange braucht oder sich häufig überfordert fühlt, kann man natürlich unterstützen und fragen, wie man helfen kann.“ Was auch entspannt: Hausarbeiten müssen nicht immer perfekt und wunderschön sein. „Das ist oft vorauseilender Gehorsam der Eltern und vielen Lehrern eigentlich ganz egal“, weiß Berger aus der Praxis.

Selbstständig lernen
Ein weiterer häufiger Stressfaktor ist Lernen. Kaum eine Familie, die nicht wilde Diskussionen oder Streitereien hat, weil Eltern finden, dass ihr Kind öfter und länger lernen sollte, während der Nachwuchs das naturgemäß ganz anders sieht. „Das Problem ist, dass Druck Gegendruck erzeugt“, erklärt die Familienberaterin. „Kinder wissen ganz genau, was sie tun müssen, aber wenn sie zu viel Druck spüren, wehren sie sich und gehen in den Widerstand. Somit ist das Verhalten der Eltern oft kontraproduktiv.“ Dabei meinen es Eltern eigentlich gut, wollen ihren Kindern eventuellen Notenstress ersparen, den sie oft auch aus eigener Erfahrung kennen. Aber: „Das funktioniert so nicht. Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen machen. Zum Beispiel was passiert, wenn sie nicht üben.“ Im Gespräch kann man aber fragen, warum das Lernen so schwierig ist oder ob einem Kind eine bestimmte Note reicht.

Das Fazit der Expertin: „Wichtig ist, dass Kinder lernen, dass Fehler notwendige Erfahrungen sind, die sie machen dürfen; dass sie wissen, was sie können und wie und wo man Hilfe oder Unterstützung bekommt. Diese Haltung ermöglicht einen gelassenen Umgang mit schulischen Konflikten in der Familie.“ Und so geht es auch entspannt durchs Schuljahr … 

© Gesünder Leben Verlags GsmbH.