Mittwoch, 03. Juni 2020

Hörst du mich? - Unsichtbare Behinderung

Ausgabe 2020.03
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Unsichtbare Behinderung
Eine alltägliche Hürde, die von vielen Betroffenen genannt wird, ist, dass Schwerhörigkeit nicht von außen sichtbar ist. Fast könnte man sagen: Die Betroffenen können (die Mitmenschen) nicht hören, die Mitmenschen (die Behinderung) nicht sehen. Das ist nicht immer von Vorteil: Viele hörbehinderte Menschen trauen sich nicht nachzufragen, tun so, als hätten sie alles verstanden – und im Rahmen der somit häufig entstehenden Missverständnisse kommt es zu Ärgernissen zwischen den Gesprächspartnern. „Mitmenschen denken häufig, dass der Schwerhörige begriffsstutzig ist, und wollen mit ihm nichts mehr zu tun haben“, meint Bräuer. „Selten ziehen die Mitmenschen jedoch den Schluss, dass das Gegenüber schwerhörig ist.“ Generell, wirft der Experte ein, tritt soziale Vereinsamung vor allem dann auf, wenn die Schwerhörigkeit versteckt wird – was nicht selten vorkommt, womit erneut der Bogen zur mangelnden gesellschaftlichen Akzeptanz gespannt wäre. „Die Schwerhörigkeit zu verbergen, ist im Alltag sehr anstrengend, führt auf Dauer zu massivem Stress und somit zu ähnlichen Symptomen wie Burn-out: Depression, Angststörungen, totale Erschöpfung und damit verbunden eben Rückzug, soziale Isolation und Vereinsamung.“ Wie sich eine Hörbehinderung auf die Persönlichkeit selbst auswirken kann, ist individuell verschieden: Manche Betroffenen werden trotzig, mürrisch, gereizt oder cholerisch, andere ängstlich, still und sehr selbstkritisch. Auch ein wachsendes Misstrauen sowie eine stark ausgeprägte Nervosität sind bei Schwerhörigen nicht selten. Übrigens ist das Risiko, an Demenz zu erkranken, bei Hörbehinderten im Vergleich zu Normalhörigen deutlich erhöht.

Es ist ein Miteinander
„Meiner Meinung nach ist es für hörbehinderte Menschen früher oder später unumgänglich, in der Öffentlichkeit beziehungsweise vor den Mitmenschen zu ihrer Schwerhörigkeit zu stehen und auch darauf aufmerksam zu machen“, rät Bräuer. „Es ist wichtig, konsequent darauf zu achten, alles in der direkten Kommunikation zu verstehen und – wenn nötig auch mehrmals – nachzufragen, wenn dies nicht so ist.“ Genauso essenziell ist es, das Gegenüber zu bitten, auf die Beeinträchtigung Rücksicht zu nehmen, aber auch deutlich die persönlichen Bedürfnisse kundzutun. „Auf dem Weg zu einem selbstbewussten Umgang mit der Schwerhörigkeit beziehungsweise wenn bereits psychische Probleme entstanden sind, kann eine professionelle Begleitung durch Psychotherapie hilfreich sein“, ist Bräuer überzeugt – und erinnert daran: „Die Schwerhörigkeit ist nur ein Aspekt des Menschseins der Betroffenen!“

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