Samstag, 16. Februar 2019

Hören Sie einmal gut zu!

Ausgabe 09/2012
Seite 1 von 2
Wer schlecht hört, versteckt oft sein Leiden. Wir zeigen, wie man zu einem besseren Gehör kommt.

Foto: Can Stock Photo Inc. - 4774344sean
Die Zahlen sind erschreckend: Rund 1,5 Millionen Österreicher sind von einer Hörminderung betroffen, und es sind bei Weitem nicht nur ältere Menschen, die schlecht verstehen, was in ihrer Umwelt gesprochen wird, die Hörprobleme beim Fernsehen, im Kino und Theater haben, die in sogenannten „Partysituationen“ verzweifeln, weil sie sich nur von einer diffusen Lärmkulisse umgeben fühlen, und die aus all diesen Gründen oft das Gefühl haben, dass „schlecht hören“ gleichbedeutend ist mit „nicht dazugehören“.

Straße zum Herzen. „Das Ohr ist die Straße zum Herzen“, sagte schon der französische Schriftsteller der Aufklärung, Voltaire. Und die moderne Medizin gibt ihm da recht. Denn das Hören hat vielfältige soziale und psychologische Funktionen: Es erlaubt uns, Informationen aufzunehmen, uns zu orientieren und zu kommunizieren. Wir können dadurch Emotionen, die in der Stimme mitklingen, wahrnehmen und vor Gefahren gewarnt werden. Ohne Hörvermögen kann der Mensch keine Sprache entwickeln. Wer nicht gut hört, wird meist unsicher, hat das Gefühl, die Dinge nicht mehr zu verstehen, an Gesprächen nicht mehr teilnehmen zu können. Betroffene entwickeln oft ein Vermeidungsverhalten und ziehen sich zurück. Dadurch können Einsamkeit und Ängste, in der Folge manchmal sogar Depressionen entstehen.

Ihre Meinung ist gefragt. Das alles muss heutzutage nicht mehr in Kauf genommen werden, denn die Medizin und die Hörgerätehersteller kennen zahlreiche Mittel und Wege, dem Problem – wie auch immer es geartet ist – beizukommen. Wirklich interessant ist in diesem Zusammenhang eine brandneue Studie, an der mehr als 1000 Österreicher mit Hörminderungen teilgenommen haben. Den Studienautoren der Karmarsin Marktforschung war vor allem wichtig, die Meinungen und Erfahrungen von Hörgeräteträgern wie auch -testern zu erfassen, um in der Folge entsprechend auf die individuellen Bedürfnisse von Menschen mit Hörminderungen besser eingehen zu können.

Betroffene sind immer jünger. Wichtigste Erkenntnis der Studie: Hör-störungen sind schon lange kein „Altersproblem“ mehr. 55 Prozent der Studienteilnehmer waren unter 70 Jahren. Knapp ein Viertel war sogar unter 60, also zum größten Teil noch vor dem Pensionsantritt. Und: Es ist klar erkennbar, dass sich mittlerweile auch jüngere Betroffene mit der Thematik auseinandersetzen. Andererseits muss man aber auch konstatieren, dass es leider noch viele gibt, die die Problematik des schlechten Verstehens in Gesellschaft ignorieren. „Ich höre doch gut, aber wenn die Leute nuscheln, dann kann ich sie nicht verstehen. Das liegt doch nicht an mir!“, heißt es dann oft. Und das bedeutet auch, dass viele gar nicht wissen, dass bereits eine Indikation für ein Hörgerät vorliegt. Verdrängung pur, die auf lange Sicht eine weitere Verschlechterung der eigenen Hörleistung mit sich bringt.

Gewünscht: klareres Verstehen. Klarheit bringt in diesem Fall eine professionelle Hörmessung bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder bei einem Hörakustiker. Denn heutzutage gibt es moderne Hörlösungen, die Verstehschwierigkeiten ausgleichen und dabei helfen, sich in großen Gesprächsrunden nicht mehr ausgeschlossen zu fühlen. Auch die Studie hat in diesem Zusammenhang bestätigt, dass sich der Großteil der Betroffenen nicht unbedingt ein lauteres Hören, sondern ein klareres Verstehen wünscht.

Männer denken um. Besonders interessant sind die Ergebnisse der Studie auch im Hinblick auf die Anschauungen der beiden Geschlechter in Bezug auf Hörsysteme, denn: Die Männer, die traditionellerweise bei Gesundheitsthemen die Nase nicht gerade vorne haben, beginnen hier mit- und umzudenken. Mehr als 60 Prozent der Studienteilnehmer waren männlich, obwohl üblicherweise Frauen in diesen Dingen engagierter sind. Und: Auch Hörgerätehersteller bestätigen diesen Trend. Waren früher Frauen als Hörgerätebenutzer deutlich in der Überzahl, haben die Männer nun aufgeholt. Mehr noch: Einzelne Anbieter berichten, dass sich inzwischen sogar mehr Männer des Themas „schlechtes Hören“ bewusst werden und folglich zu Hörhilfen greifen.

Kein Grund zur Scham. Auch ein anderer Aufbruch eines Tabus, das vor noch nicht allzu langer Zeit gang und gäbe war, lässt sich aus der Studie ablesen. Die Scham, ein Hörgerät tragen zu müssen, weicht – nicht zuletzt deshalb, weil viele moderne Hörgeräte nahezu unsichtbar sind. Die technische Entwicklung und Miniaturisierung auf diesem Sektor geht rasant voran. Ständig werden neue Materialien und neue Verarbeitungsmöglichkeiten entwickelt, die die Geräte immer kleiner und präziser machen. Ein Besuch in einem der Hörkompentenz-Zentren lohnt sich jedenfalls, denn dort findet jeder und jede zahlreiche Hörlösungen, die völlig unauffällig sind und dennoch präzise für ein besseres Verstehen sorgen. Tatsächlich geht aus der Befragung auch hervor, dass sich 87 Prozent der Studienteilnehmer ein unsichtbares Hörsystem wünschen, und nach dem Test einer solchen neuen Hörlösung gaben 72 Prozent an, dass das Hörgerät nicht oder kaum bemerkt wurde. Interessant auch ein weiteres Ergebnis der Studie: Knapp 90 Prozent der Probanden würden auch anderen Betroffenen zum Test von Hörsystemen raten.  


Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Hören Sie einmal gut zu!
Seite 2 Heilende Stille

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-02 130x173

Aktuelles Heft 02/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 8. März

 

Unsere Ausgabe 12/2018-01/2019 als E-Paper Lesen!

Verwandte Artikel

Aktuelle Online Umfrage

Sind Sie zu Ihrem Arzt immer ehrlich?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information