Sonntag, 19. Mai 2019

Hör auf dein Herz!

Ausgabe 06/2012
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Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor Todesursache Nummer eins in der westlichen Welt. Wir stellen neue Therapien vor. Aber: Die beste Vorsorge ist und bleibt gezielte Bewegung.

Foto: Valth - canstockfoto Es ist und bleibt Faktum: Herzinfarkt und Co sind auch in Österreich Todesursache Nummer eins. „Die Todesrate der Herz-Kreislauf-Erkrankungen beträgt 40 bis 45 Prozent. Etwa 35.000 Österreicher sterben Jahr für Jahr an den Folgen von Herzinfarkt, Angina pectoris oder Herzrhythmusstörungen“, bestätigt Experte Prim. Dr. Franz Roithinger, Vorstand der Internen Abteilung des Landesklinikum Thermenregion Mödling. Seit Langem weiß man auch, dass Rauchen, Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte die Hauptrisikofaktoren für die Entwicklung einer koronaren Herzerkrankung sind und dass Bewegungsmangel und falsche Ernährung ebenfalls eine gewichtige Rolle spielen.


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Sie können sich schützen! Doch genau diese Risikofaktoren sind auch von jedem beeinflussbar. Und tatsächlich zeigen sich bereits erste Erfolge etwa der Antirauchkampagnen. „Bei Männern, die auf diese Kampagnen offenbar mehr reagieren als Frauen, sind die Herzinfarktraten bereits leicht zurückgegangen“, betont Roithinger. Eine andere Waffe im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die man fast als Wundermittel bezeichnen könnte, ist Bewegung. Regelmäßiges Training bewirkt eine Umstellung des Stoffwechsels, lässt den Blutdruck absinken und verändert die Fließeigenschaften des Blutes, das infolgedessen weniger zu Verklumpungen neigt und flüssiger wird – die Durchblutung des Herzmuskels wird verbessert. Der richtige Sport kann auch noch helfen, wenn bereits entsprechende Erkrankungen bestehen. Tatsächlich wirkt gezieltes Ausdauertraining nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gegen viele Erkrankungen ebenso gut wie die mittlere Dosis eines einzelnen Medikaments. Das gilt zum Beispiel für Bluthochdruck, erhöhte Cholesterin- und Triglyzeridwerte, aber etwa auch für leichte Formen von Depressionen. Wenn ein Patient in der Therapie einer derartigen Erkrankung mit einer einzigen Substanz auskommt, so ist es sehr wahrscheinlich, dass mit regelmäßigem Sport dieselben Ergebnisse erzielt werden können. Bei leichten Formen der Hypertonie (Bluthochdruck) sprechen bis zu 80 Prozent der Patienten auf diese Form der „Behandlung“ an. Viele andere, die mehrere Tabletten gegen ihre Erkrankung nehmen müssen, könnten sich dadurch zumindest eine der Pillen sparen.

Wunder Herz
Das menschliche Herz schlägt hunderttausend Mal pro Tag, zweieinhalb Milliarden Mal im Laufe eines siebzigjährigen Lebens. Ob der Mensch arbeitet, ruht oder schläft, es passt sich automatisch den unterschiedlichen Belastungen an und versorgt den ganzen Körper mit Blut. Das Blut wird vom Herzen weg in die Arterien gepresst – entweder zur Lunge oder zu allen übrigen Bereichen des Körpers. Die Arterien verzweigen sich immer wieder, werden enger und enger, formen sich zu Arteriolen, verzweigen sich weiter, bis sie zu winzigen Blutgefäßen werden, die man Kapillaren nennt. Über diese Kapillaren wird das Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.
Auf dem Weg durch die Kapillaren nimmt das Blut Abfallstoffe auf. Das beim Stoffwechsel entstehende Kohlendioxid färbt das Blut dunkel. Über die Venen wird das verbrauchte Blut zum Herzen zurückgeleitet und von dort in die Lungen gepumpt. Es wird erneut mit Sauerstoff beladen und in den Kreislauf zurückgepumpt.


Essen Sie sich gesund.  Wo jedermann noch ansetzen könnte und sollte, ist bei der Ernährung. „Wenn wir die Portionsgröße unserer Speisen betrachten, müssen wir feststellen, dass diese in den letzten Jahrzehnten um 30 bis 40 Prozent zugenommen hat. Das heißt, wir nehmen ständig zu viel an Kalorien zu uns, und dies hierzulande auch in einer sehr ungünstigen Zusammensetzung: nämlich zu mehr als 50 Prozent als Fett“, sagt Roithinger, der auch weiß, was stattdessen zu tun ist: Das Zauberwort heißt mediterrane Ernährung, deren Zusammensetzung eine ganz andere ist: 50 Prozent Kohlenhydrate wie Reis, Kartoffeln und Nudeln, 25 Prozent Eiweiß und maximal 25 Prozent Fett. Gemüse und Obst natürlich nicht zu vergessen – das wäre das Ideale für unser Herz.

Neue Diagnosemethoden. Allerdings sind gerade wir Österreicher einerseits oft große Fans von Schnitzel und Co, andererseits auch Bewegungsmuffel. So nehmen die von Experte Roithinger genannten Zahlen zur Herz-Kreislauf-Erkrankungssterblichkeit leider nicht wunder, aber die Medizin hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte in Diagnostik und Therapie dieser Erkrankungen gemacht. Roithinger: „Goldstandard in der Diagnostik von Patienten, deren koronare Situation sich im Belastungs-EKG problematisch zeigt, die typische Angina-pectoris-Beschwerden haben oder unter ungeklärter Atemnot leiden, die einen akuten Herzinfarkt erlitten haben oder die unter einer Herzklappenerkrankung leiden und vor einer Operation stehen, ist die Herzkatheteruntersuchung.“ Bei dieser Untersuchung wird ein Katheter über die Leistenarterie bis zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben. Über den Katheter wird ein jodhältiges Kontrastmittel in die Gefäße gespritzt, und über Röntgenaufnahme wird klar sichtbar, ob bzw. welche Herzkranzgefäße verengt sind.

Computertomografie ist besonders schonend. Mit einer Computertomographie ist es auch möglich, Verkalkungen und Veränderungen der Herzkranzgefäße ganz unblutig – also ohne eine Sonde einführen zu müssen – darzustellen. „Für diese Untersuchung kommen nicht alle Patienten infrage, aber etwa zehn Prozent der Betroffenen wird man die Herzkatheteruntersuchung damit ersparen können“, erklärt Roithinger.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Hör auf dein Herz!
Seite 2 Innovative Behandlungsverfahren

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