Montag, 18. Dezember 2017

Hilfe! Tinnitus!

Ausgabe 2017.12/2018.01

Immer mehr Menschen leiden an einem permanenten Ohrgeräusch. GESÜNDER LEBEN zeigt, was Betroffene dagegen tun können.


Foto: iStock-Leks Laputin

In Österreich leiden rund eine Million Menschen an Tinnitus aurium (lat.: „Klingeln der Ohren“). Bei mindestens 100.000 Betroffenen sind die Ohrgeräusche so ausgeprägt, dass sie die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Seit einigen Jahren ist zudem ein Anstieg der Krankheit unter Jugendlichen zu beobachten: „Dies ist auf den oftmals vorherrschenden Bewegungsmangel unter Kindern und Jugendlichen zurückzuführen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Gstöttner, Leiter der Wiener Universitätslinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten: „Aber auch eine chronische Lärmbelastung, etwa durch zu lautes Musikhören, schädigt auf lange Sicht das Innenohr.“

Pfeifen, klingeln und knallen. Prinzipiell ist Tinnitus ein Oberbegriff für alle Arten von Ohr- und Kopfgeräuschen, die auf keinen äußeren akustischen Reiz zurückzuführen sind. Die Palette der wahrgenommenen Ohrgeräusche ist individuell. Der Tinnitus kann ein- oder beidseitig auftreten, auch in der Lautstärke können die Geräusche variieren. „Nicht immer sind die Geräusche durchgehend vorhanden“, räumt Gstöttner mit einem Mythos auf. „Stress beispielsweise kann einen neuen ‚Anfall’ auslösen, der nach einiger Zeit wieder vergeht und nach einer Ruhepause wiederkehrt.“ Patienten mit einer hochgradigen Hörstörung, betont der Experte, müssten allerdings damit rechnen, dass sie das störende Hörgeräusch permanent wahrnehmen.

Haarzellen-Schädigung. „Der häufigste Auslöser ist eindeutig der Hörverlust“, erklärt Gstöttner. „Sind die Haarzellen im Innenohr geschädigt, können bestimmte Ton-Frequenzen nicht mehr wahrgenommen werden.“ Durch die Schädigung des Innenohrs kommt es zu einer fehlerhaften Informationsbildung beziehungsweise -verarbeitung im auditorischen System. „Streng genommen ist es erst die schlechte Weiterverarbeitung der Frequenzen in die Hörzentren im Gehirn, die beinahe zu hundert Prozent einen Tinnitus entstehen lassen.“ Eine Haarzellen-Schädigung im Innenohr kann auf einen plötzlichen Hörsturz zurückzuführen sein, aber auch eine langsam fortschreitende Verlaufsform ist möglich: So sind Menschen mit Durchblutungsstörungen oder Diabetiker besonders gefährdet, chronische Ohrgeräusche zu entwickeln. Aber auch Verspannungen der Wirbelsäule oder ein starker Muskeltonus können einen Tinnitus hervorrufen. „Wenn sich das Ohrgeräusch beim Anspannen der Kiefermuskulatur verstärkt, ist dies ein Zeichen für eine muskuläre Ursache“, so Gestöttner. Der Experte rät, Geräusche im Ohr, die wiederholt auftreten oder nach circa fünf Tagen nicht abklingen, ärztlich abklären zu lassen. „Ein akuter Tinnitus mit ausgeprägtem Hörverlust sollte allerdings umgehend behandelt werden!“ Während bei einem akuten Hörsturz meist eine hoch dosierte Kortisontherapie zum Einsatz kommt, steht beim chronischen Tinnitus die Steigerung der Hörqualität im Mittelpunkt. Gstöttner: „Auch wenn es paradox klingen mag: Je schlechter man hört, desto intensiver wird der Tinnitus wahrgenommen.“ Mithilfe von Hörgeräten soll das Hören wieder verbessert werden, womit gleichzeitig auch der psychische Leidensdruck der Betroffenen gelindert wird. Denn es ist nicht selten, dass Tinnitus-Patienten psychische Begleiterscheinungen entwickeln. Gstöttner: „Erst wenn es Betroffene schaffen, sich wieder auf die verschiedensten Geräusche in ihrer Umgebung zu konzentrieren, schafft es das Gehirn, den Fehler im auditorischen System auszumerzen. Der Tinnitus tritt daraufhin in den Hintergrund – und in manchen Fällen bildet er sich sogar komplett zurück.“

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