Dienstag, 20. August 2019

Hilfe! Die Pollen kommen - Das Führen eines Beschwerdetagebuches macht Sinn

Ausgabe 03.2015
Seite 2 von 2

 

Das Führen eines Beschwerdetagebuches macht Sinn. Da die Sache für Laien nicht so einfach zu erkennen ist, macht es Sinn, sich an einen Facharzt für Allergologie zu wenden. Wer etwa auf Äpfel mit Juckreiz, Bläschenbildung oder auch Magen-Darm.Beschwerden reagiert, könnte aufgrund der Kreuzreaktion (Baumpollen von Birke, Erle und Hasel haben unter anderem gemeinsame Allergene mit Äpfeln) auch auf Baumpollen allergisch sein. „Das Wichtigste bei der Testung ist, was der Patient erzählt“ sagt Blagojevic. „Dafür ist eine genaue Beobachtung, ein Beschwerdetagebuch hilfreich. Wenn der Patient genau sagen kann, dass er auf Äpfel mit Bläschenbildung reagiert, dann können wir das mit einem Blut- oder Hauttest bestätigen. Mit der Anamnese kommt dann ein Mosaik heraus, ein Gesamtbild, das zusammenpasst. Was nicht geht“, so der Experte weiter, „ist, wenn man diese Tests ohne Vorliegen von Beschwerden durchführt und dann aufgrund positiver Testergebnisse auf eine Allergie rückschließt.“

Die Immuntherapie ist langwierig, aber wirksam. Menschen, die nur einige Tage bis zwei Wochen Probleme haben, kann mit entzündungshemmenden Augentropfen, einem Nasenspray, aber auch mit Antihistamintabletten geholfen werden. Gute Erfolge – wenn auch meist wissenschaftlich nicht belegbar – können mit alternativmedizinischen Behandlungsmethoden erzielt werden. In der Schulmedizin wird bei langanhaltenden und heftigen Beschwerden eine Immuntherapie empfohlen. „Bei diesen Patienten ist es sinnvoll, nicht nur die Beschwerden zu lindern, sondern eine intensivere Immuntherapie, eine Hyposensibilisierung, zu machen“, sagt Blagojevic. „Um das Immunsystem daran zu gewöhnen, dass die Allergene nicht fremd sind, führt man kleine Mengen von diesen Allergenen zu. Da lernt der Körper, damit umzugehen, und toleriert diese Substanzen nach und nach. Dieser Prozess dauert drei Jahre, wird gut vertragen und hat in der Regel keine nennenswerten Nebenwirkungen.“

Pollenkalender

Die heurige Pollensaison

Ein kurzer Überblick, welche Pollen auf uns zukommen …

Jänner bis März: Haselpollen
Februar und März: Erlenpollen
März bis April: Birken- und Eschenpollen
Mai bis Juli: Gräserpollen
Mai bis Ende August: Roggenpollen (nur in den Anbaugebieten)
Juli, August bis Oktober: Beifuß und Ragweed (nur im Osten Österreichs)
Dezember: NEU! Purpurerle: vereinzelt in den Städten möglich

Die Neigung zu Allergien ist genetisch vorbedingt

Prim. Dr. Daniel Blagojevic,
ärztlicher Leiter
Allergie-Ambulatorium
Rennweg in Wien

Der ärztliche Leiter des Allergie-Ambulatoriums Rennweg in Wien, Primar Dr. Daniel Blagojevic, über den Anstieg der Allergien, Genetik und Umweltbelastung.

Ist es richtig, dass immer mehr Menschen unter Allergien leiden?
Blagojevic: Das stimmt. Wir sehen in den letzten Jahrzehnten und vor allem in den letzten zehn Jahren einen steilen Anstieg bei allen Allergien, nicht nur bei der Pollenallergie. Auch die Intensität der Beschwerden nimmt zu.

Woran liegt das?
Man nimmt an, dass Umweltfaktoren, etwa Dieselrußpartikel, sowie generell die Feinstoffbelastung die Pollen so verändern, dass sie auch von Menschen als fremd wahrgenommen werden, die sie früher toleriert haben. Als gesichert gilt, dass die Umweltbelastung bei der Entstehung von Allergien eine beträchtliche Rolle spielt.

Wie kann es sein, dass etwa eine Pollenallergie nur einmalig auftritt und danach nie wieder?
Allergien können einmalig auftreten, aber auch über Jahre und dann plötzlich verschwinden. Man kann auf vieles allergisch reagieren oder isoliert auf eine Pflanzengruppe. Allergien sind sehr unberechenbar.

Was unterscheidet einen gewöhnlichen Schnupfen von einem Heuschnupfen?
Die Symptome eines Schnupfens sind ähnlich jenen bei einem Heuschnupfen. Aber bei einem infektiösen Schnupfen ist der Schleim oft grünlich gefärbt, bei einer Allergie ist das Sekret immer wasserklar. Es gibt auch einen gewöhnlichen Schnupfen, der Symptome erzeugt wie ein Heuschnupfen, allerdings nicht auf immunologischem Weg, sondern durch eine chemische Reizung der Schleimhäute. Denn Pollen enthalten auch aggressive Stoffe, sogenannte Proteasen, die die Atemwege reizen können. Im Zweifelsfall sollte man zum Allergologen gehen, um das abzuklären.

Sind Menschen, die auf eine Substanz allergisch reagieren, zwangsläufig gefährdet, auf vieles allergisch zu reagieren?
Das kann, muss aber nicht sein. Wer auf Frühblüher, wie Birke, Hasel und Erle, reagiert, muss nicht auch auf Gräser oder später auf Roggenpollen allergisch sein. Eine Pollenallergie ist manchmal mit einer Nahrungsmittelallergie vergesellschaftet. So etwa sind die Allergene, die in den Birken enthalten sind, chemisch verwandt mit den Proteinen von Äpfeln und Nüssen. Bei Menschen, die auf diese Früchte mit Kribbeln auf der Mundschleimhaut, Magenschmerzen oder Durchfall reagieren, sprechen wir von einer Kreuzallergie.

Wie viel hat die Ernährung generell mit dem Auftreten von Allergien zu tun?
Nach derzeitigem wissenschaftlichem Stand weniger, als allgemein angenommen wird. Inwieweit Konservierungsmittel in der Ernährung Einfluss haben, ist noch weitgehend unerforscht. Bei den Geschmacksverstärkern sieht die Sache anders aus: Sie sind meist sehr histaminreich, bewirken eine verstärkte Histaminausschüttung im Körper. Rotwein, reifer Käse, geräuchertes Fleisch und Fisch sowie Sauerkraut enthalten von Natur aus viel Histamin. Und Histamin ist der Hauptbotenstoff, der den allergischen Prozess im Körper begründet.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Hilfe! Die Pollen kommen
Seite 2 Das Führen eines Beschwerdetagebuches macht Sinn

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-07 130x173

Aktuelles Heft 07-08/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 6. September

 

Unsere Ausgabe 06/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Mit welchem Sport halten Sie sich (überwiegend) fit und gesund?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information