Sonntag, 16. Juni 2019

Hilfe! Die Pollen kommen

Ausgabe 03.2015
Seite 1 von 2

Jeder vierte Österreicher hat die Nase voll vom beginnenden Frühling und atmet erst wieder Ende Oktober richtig durch. Lesen Sie in gesünder leben, wie Sie mit der Pollenallergie zu leben lernen, was Erleichterung bringt und wohin Sie sich wenden können.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - andersonrise

Kommt langsam der Frühling, kommt nochmals eine Schnupfenwelle, weil es doch noch recht kühl ist, auch wenn die Sonne schon kräftig wärmt. Hinzu kommt: Unsere Reserven sind nach dem Winter aufgebraucht und unser Immunsystem schwächelt. Bei zwei Millionen Österreichern jedoch haben eine rinnende Nase, tränende Augen, Juckreiz und Niesen nichts mit einem grippalen Infekt zu tun: Sie leiden an einer Pollenallergie. Primar Dr. Daniel Blagojevic, ärztlicher Leiter des Allergie-Ambulatoriums Rennweg in Wien (www.allergieambulatorium.at): „Genau genommen sind es knapp über 22 Prozent, es geht also in Richtung jeder Vierte. Die Zahl steigt von Jahr zu Jahr stetig an. Und zwar auch in Altersgruppen, in denen früher sehr wenige mit Allergien zu tun hatten. Wir haben jetzt sehr häufig mit Patienten zu tun, die in höherem Alter erstmalig Beschwerden haben.“ Überholt sei demzufolge die Annahme, dass sich Allergien grundsätzlich in jungen Jahren erstmals bemerkbar machen.

Webtipps

Weitere Informationen
www.arztsuche.netdoktor.at/allergie
www.naturheiltherapeuten.at
www.allergenvermeidung.org
www.lungenunion.at

www.pollenwarndienst.at
(regionale Pollenwarndienste in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien, HNO-Klinik)

Aktuelle Pollenwerte:
pollenwarndienst.at/de/aktuelle-werte

Die Belastung ist heuer durchschnittlich. Für heuer erwarten Forscher eine eher durchschnittliche Belastung bei den Frühblühern wie Erle, Hasel, Birke und Esche. „Wir erwarten kein extremes Jahr, weil nach derzeitigem Stand die Anzahl der Kätzchen nicht extrem ist“, sagt Uwe E. Berger, MBA, Leiter der Forschungsgruppe Aerobiologie und Polleninformation der HNO-Klinik der Medizinischen Universität Wien. „Unsere Prognosemodelle basieren darauf, dass wir mittels meteorologischer Faktoren wie Niederschlag, Temperatur, Luftverfrachtungen und Sonneneinstrahlung den möglichen Blüh-beginn errechnen. Mit dieser Basisinformation bekommen wir erste Hinweise, wann eine Pflanze theoretisch bereit ist zu blühen. Wobei“, so der Forscher weiter, „es natürlich lokale Unterschiede gibt. Generell aber kann man davon ausgehen, dass die Blühbereitschaft der Frühblüher durch den Klimawandel bereits um sieben bis 14 Tage eher eintritt als noch vor zehn bis 15 Jahren.“

Die Beschwerden hängen von mehreren Faktoren ab. Weiters zeigen Forschungsergebnisse, dass die Pollenmenge nicht immer mit den Beschwerden korrelieren muss. Experte Berger: „Die Menge an Pollen in der Luft steht nicht zwingend in Bezug zu den Beschwerden. Die Intensität der Beschwerden hängt vom Muster des Auftretens ab. Wird das Pollenkonto wetterbedingt (etwa nach einer längeren Kaltwetterperiode) schlagartig geleert, so ist zwar die Gesamtmenge an Pollen in der Luft geringer, die Beschwerden sind aber durch das schlagartige Auftreten um vieles stärker. Und“, so Berger weiter, „am Beginn einer Pollensaison können bereits weniger Pollen genügen, um Symptome herbeizuführen, da nach einer allergenfreien Zeit der menschliche Körper schon auf geringe Mengen stärker reagiert als im späteren Verlauf der Pollensaison.“

Das Immunsystem ist überfordert. Der steile Anstieg von Allergien ist vor allem in Wohlstandsgesellschaften zu beobachten. Das heißt: Uns geht es zu gut. Allergologe Blagojevic: „ Wir nehmen zu viel Cholesterin, Zucker, Fette und andere Stoffe zu uns. Aber auch Wohlstandsfaktoren wie mangelnde Bewegung sowie Abgase und Feinstoffbelastung in der Luft tragen vor allem in Städten zu einem Anstieg der Allergien bei.“ Hinzu kommt: „Es gibt immer mehr Kinder, die unter einer Käseglocke aufwachsen sowie Natur und Tiere nur vom Fernsehen kennen.“ Das sei der Hauptgrund für das starke Stadt-Land-Gefälle. „Die Immunisierung findet in den ersten Lebensjahren, etwa bis zum Volksschulalter, statt. Wenn Kinder in einem keimfreien Milieu aufwachsen, erkennt das Immunsystem die Keime nicht und reagiert zwangsweise abwehrend.“

Die Neigung ist genetisch bestimmt. Allergie ist eine Immunantwort des Körpers auf etwas, das als fremd angesehen wird. So weit, so klar. Die Neigung zu Allergien ist genetisch programmiert und vererbbar. Auch das leuchtet ein. Experte Blagojevic: „Wenn ein Elternteil Allergiker ist, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Kind Allergiker ist, bei 33 Prozent. Sind beide Elternteile Allergiker, dann verdoppelt sich das auf 66 Prozent.“ Nur: So einfach berechenbar ist die Sache nicht. Denn es gibt auch Spontanmutationen. So kann etwa jemand auch dann Allergiker werden, wenn es in der Familie keine Allergien gibt. Meistens jedoch ist die Anfälligkeit, eine Allergie zu entwickeln, erblich bedingt. Was nicht heißt, dass bei jedem Menschen, der genetisch auf Allergien programmiert ist und bei dem durch Tests eine Neigung nachgewiesen wird, eine Allergie ausbricht. „Das Immunsystem“, erklärt Blagojevic, „ist wie ein Muskel. Manchmal schwächer, manchmal stärker. Wir haben es nicht mit einem statischen Zustand zu tun, sondern mit einem dynamischen Prozess.“ Das sei auch der Grund dafür, dass Allergien, unter denen Kinder leiden, sich auswachsen können und klinisch verschwinden. Manchmal werden sie aber auch schlimmer, so etwa kann aus einem allergischen Schnupfen ein allergisches Asthma entstehen. Die Wissenschaft nennt diesen Vorgang dann „Etagenwechsel“.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Hilfe! Die Pollen kommen
Seite 2 Das Führen eines Beschwerdetagebuches macht Sinn

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