Mittwoch, 18. September 2019

Herz-Kreislauf: Sensibles System

12. Mai 2006
Bedrohlich. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in den westlichen Industrieländern die Haupttodesursache. Mit über 50 % machen sie den Löwenanteil an der Gesamtmortalität aus, gefolgt von Krebserkrankungen mit rund 25 %. Zu den etablierten, nicht beeinflussbaren Risikofaktoren zählen Alter, Geschlecht und familiäre Belastung. Beeinflussbar dagegen sind die Risikofaktoren Hypertonie, Hypercholesterinämie, Nikotinabusus und Diabetes mellitus. Auch Übergewicht gilt als unabhängiger, eigenständiger Risikofaktor. Nachdem die genannten Faktoren aber nur einen Teil der Erkrankungen erklären können, scheinen noch weitere, derzeit unbekannte, Risikofaktoren zu existieren. Ein potenzieller "Kandidat" hierfür ist ein erhöhter Homocysteinspiegel.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind auf arteriosklerotische Veränderungen an der Gefäßinnenwand zurückzuführen. Durch Ablagerungen, arteriosklerotische Plaques, wird der Gefäßdurchmesser immer geringer bis es im schlimmsten Fall zur völligen Verstopfung kommt. Je nach dem, welche Gewebe dadurch schlecht oder gar nicht mehr durchblutet werden, sind die Folgen mehr oder weniger gravierend. Ernährungsgewohnheiten gelten als wesentliche Risikofaktoren bei der Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Fette Tatsachen
Als gesichert gilt mittlerweile, dass eine hohe Konzentration von LDL-Cholesterin einen bedeutenden Risikofaktor für arteriosklerotische Gefäßerkrankungen und insbesondere den Herzinfarkt darstellt. Ebenso gesichert ist, dass eine Normalisierung der Blutfettwerte das Risiko senkt.

Der positive Effekt ungesättigter Fettsäuren auf den Cholesterinspiegel kommt erst bei einer Gesamtfettzufuhr über 30 Energieprozent zum Tragen. Wenn es dagegen gelingt, die Gesamtfettzufuhr unter 30 % der Kalorienaufnahme zu senken, dann verliert das Verhältnis von gesättigten zu (einfach- und mehrfach-) ungesättigten Fettsäuren, das Fettsäuremuster, in Bezug auf die Cholesterinwerte an Bedeutung. Priorität sollte daher die generelle Fettreduktion haben. Erst wenn dies nicht gelingt, sollte der Anteil an gesättigten Fettsäuren – und auch Trans-Fettsäuren – soweit als möglich gegen einfach ungesättigte Fettsäuren ausgetauscht werden.

Omega-3-Fettsäuren
Besondere Bedeutung für das Herz-Kreislauf-Risiko haben langkettige Omega-3-Fettsäuren erlangt. Ausgangspunkt für die Forschungstätigkeit rund um die Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) waren Beobachtungen an Eskimos in Grönland und Dänemark. Die Kost der Eskimos in Grönland war hochkalorisch, reich an Fett, Cholesterin und tierischem Protein, enthielt wenig Linolsäure und war ballaststoffarm. Sie wies somit alle Voraussetzungen für ein hohes Arterioskleroserisiko auf. Dennoch war in dieser Eskimo-Population die Infarktrate deutlich geringer, verglichen mit jenen Eskimos, die am dänischen Festland lebten. Grund war letztlich der hohe Gehalt an EPA und DHA in der Kost der Grönland-Eskimos.

Nahrungscholesterin – ein nennenswerter Risikofaktor?
Die Rolle von Cholesterin aus der Nahrung wird widersprüchlich beurteilt. Grund ist, dass das Ausmaß der Cholesterinresorption maßgeblich von Art und Menge der gleichzeitig aufgenommenen Nahrung abhängt. Zusätzlich wird der Einfluss des Nahrungscholesterins auf die Höhe der Serumcholesterinkonzentration vom Ausgangswert im Serum bestimmt. Trotz der uneinheitlichen Studienergebnisse empfehlen Expertengremien bei Personen mit zu hohen Cholesterinwerten die Cholesterinzufuhr über die Nahrung auf 300 mg/d zu beschränken. Dass das Cholesterin aus der Nahrung den Serumcholesterinspiegel nicht in direktem  Verhältnis beeinflusst, ist auch auf die Koppelung mit der körpereigenen Cholesterinbiosynthese zurückzuführen. Sie wird bei hoher Nahrungszufuhr gedrosselt. Dazu kommt, dass Individuen auf eine Cholesterinzufuhr mit der Nahrung sehr unterschiedlich ansprechen. Cholesterin kommt, wie allgemein bekannt, nur in Lebensmitteln tierischer Herkunft vor. Sterine, die von Pflanzen gebildet werden, so genannte Phytosterine, senken dagegen aktiv den Serumcholesterinspiegel indem sie die Resorption von Cholesterin im Dünndarm behindern. Dieses Wissen hat u. a. bereits zur Entwicklung spezieller funktioneller Speisefette geführt.

Pflanzenbegleitstoffe mit Präventionspotenzial
Wasserlösliche, von der Colonflora leicht fermentierbare Ballaststoffe, wie Pektin oder ß-Glucane aus Haferkleie können die Serumcholesterinkonzentration senken und somit einen gewissen Schutzeffekt ausüben. Die generelle Empfehlung einer ballaststoffreichen Kost (> 30 g/d) entspricht einer Ernährungsweise, die auch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt. Einerseits aufgrund der direkten cholesterinspiegelsenkenden Wirkung einiger Ballaststoffe, andererseits aufgrund der Tatsache, dass eine ballastoffreiche Kost in der Regel energie- und fettarm ist.

Homocystein – ein neuer Risikofaktor
Erst in den letzten Jahren ist Homocystein als Risikofaktor für Arteriosklerose ins Gerede gekommen. Es handelt sich dabei um eine toxische Aminosäure, die aus Methionin gebildet wird. Sie schädigt die Gefäßwände und fördert möglicherweise die Fettoxidation. Ein erhöhter Homocysteinspiegel gilt mittlerweile als eigenständiger Risikofaktor für koronare Herzerkrankungen. Durch eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B6, B12 und Folsäure wird Homocystein allerdings "entgiftet". Umgekehrt gilt eine unzureichende Zufuhr dieser Vitamine als Risikofaktor für zu hohe Homocystein-Blutwerte. Mit ein Grund, weshalb die Empfehlung für die Folsäurezufuhr mit den letzten DACH-Referenzwerten angehoben wurde, auch für Männer. In
letzter Zeit werden jedoch auch zweifelnde Stimmen laut, die aufgrund diverser Studienergebnisse vermuten, dass eine erhöhte Konzentration an Homocystein eher Folge einer durch andere Risikofaktoren (Rauchen, Bluthochdruck...) ausgelösten Arteriosklerose sein könnte. Demnach wäre ein hoher Homocysteinspiegel eher ein Marker, denn ein eigenständiger Risikofaktor für Arteriosklerose.

In Summe gilt: Bei Umsetzung der allgemeinen Empfehlungen für eine ausgewogene Kost, dem Verzicht auf das Rauchen, einem "gesunden" Verhältnis von positivem und negativem Stress sowie der Vermeidung von Übergewicht kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gering gehalten werden. Bei Übergewichtigen reicht oft schon die Gewichtsnormalisierung um den Cholesterinspiegel wieder in den "grünen Bereich" zu schrauben.

Quelle
forum.ernährung heute
www.forum-ernaehrung.at

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