Samstag, 16. Februar 2019

Herz im Takt

Ausgabe 2014.02
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Während das Herz schlägt und schlägt, entwickelt sich die Kardiologie laufend weiter. GESÜNDER LEBEN präsentiert die neuesten Entwicklungen, Techniken und Heilmethoden.


Foto: Can Stock Photo Inc. - dolgachov

Hunderttausendmal pro Tag, zweieinhalb Milliarden Mal im Laufe eines siebzigjährigen Lebens schlägt das menschliche Herz. Wen wundert es da, dass dieser tausendfach besungene faustgroße Hohlkörper aus Muskelmasse bisweilen Abnutzungserscheinungen und Defekte aufweist? Tatsächlich resultieren laut Berichten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 30 Prozent der weltweiten Todesfälle aus Herz- und Gefäßkrankheiten. Immer wieder angeführte Hauptursachen sind klassische Zivilisationsfaktoren wie Stress, Rauchen, zu fettes Essen, damit einhergehendes Übergewicht oder Bluthochdruck. Aber auch genetische Disposition oder Virusinfektionen können Herzerkrankungen auslösen.

Achten Sie auf Ihr Herz!

Das können Sie für Ihre Herzgesundheit tun:

  • Treiben Sie Sport! Regelmäßiges körperliches Ausdauertraining stärkt das Herz und hat positive Effekte auf die Risikofaktoren Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck.
  • Verzichten Sie aufs Rauchen! Antirauchkampagnen zeigen, dass die Herzinfarktraten dadurch signifikant zurückgehen.
  • Essen Sie sich gesund! Experten empfehlen eine mediterrane Ernährung: 50 Prozent Kohlenhydrate, 25 Prozent Eiweiß, maximal 25 Prozent Fett. Gemüse und Obst nicht vergessen!

Länger leben mit Herzschwäche. Das Fachgebiet der Kardiologie macht indes seine immer wieder aufs Neue beeindruckenden Fortschritte, und das in Diagnostik, Therapie und Prävention – zum Beispiel in Sachen Herzinsuffizienz, die eine der häufigsten Erkrankungen in Europa und den USA überhaupt darstellt. „Erfolgreiche neue Ansätze verzeichnen wir bei der Entwicklung neuer Medikamente gegen die Herzinsuffizienz. So erhöht etwa der Einsatz der Substanz Serelaxin – eigentlich ein körpereigenes Hormon, das in der Schwangerschaft aktiviert wird – bei akuter Herzschwäche, die bislang nach wie vor mit einer hohen Sterblichkeitsrate verbunden war, die langfristigen Überlebenschancen“, erklärt Prim. Univ.-Doz. Dr. Franz Xaver Roithinger, President elect der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG). Und auch bei chronischer Herzschwäche gibt es vielversprechende medikamentöse Ansätze, so zum Beispiel einen neuen Herzmuskelaktivator, der laut dem Experten seinem Namen in der Tat gerecht wird.

Kunstherz als Dauerlösung. Für schwer kranke Patienten mit Herzinsuffizienz steht operativ ein breit gefächertes Spektrum an Behandlungen zur Verfügung, das auch Kunstherzimplantationen umfasst. Prim. Roithinger: „Die Fortschritte der allerletzten Jahre ermöglichen es immer häufiger, das Kunstherz nicht nur zur Überbrückung der Zeit bis zur Genesung oder aber zur Transplantation, sondern als Dauerlösung im Körper zu belassen. Modernste Blutpumpen sind mittlerweile so klein und ihre Batterie- und Steuerungstechnologie so ausgefeilt, dass sie auch im Alltag eine akzeptable Lebensqualität ermöglichen.“

Neueste Technologien. Im Einsatz für Herzinsuffizienz-Patienten, die einen Schrittmacher oder einen Defibrillator tragen,  ist heute auch die Telemedizin mittels Smartphone und Near-Field-Communication-Technologie. Die automatische Überwachung individueller Grenzwerte führt bei Über- oder Unterschreitung zu einer Meldung an den betreuenden Arzt – zum Beispiel per E-Mail oder SMS. „Bis vor Kurzem war nicht klar, ob bzw. welchen Benefit die Telemedizin hier bringt, doch heute wissen wir, dass Patienten, die auf diese Art überwacht werden, eindeutig länger leben“, so Prim. Roithinger. „In Zukunft werden vermutlich alle neu mit Geräten implantierten und dafür geeigneten Patienten telemedizinisch überwacht werden.“

Kochsalzreduktion mindert Herzinsuffizienz-Risiko. Doch auch in Sachen Prävention weiß man heute Neues: so etwa, dass eine Kochsalzreduktion auf fünf bis sechs Gramm pro Tag eine effektive Prävention der Herzinsuffizienz darstellt. „Die Kochsalzreduktion mindert – vermutlich über den Umweg der Blutdrucksenkung – auch das Risiko für Herzinsuffizienz“, erklärt Prim. Roithinger, der allerdings auch eines hinzufügt: „Die Umsetzung dieser Erkenntnis würde auch ein Umdenken in der industriellen Lebensmittelherstellung erfordern, denn bis zu 80 Prozent des Kochsalzes nehmen wir in der Regel aus fertigen Produkten zu uns.“

Herz-CT statt Herzkatheter bei KHK. Die zweite, häufige Herzerkrankung, zu der es Neues zu berichten gibt, ist die Koronare Herzkrankheit (KHK), häufigste Todesursache in Industrieländern, bei deren Diagnostik sich die neueren bildgebenden Verfahren als eminent bedeutsam herausstellen. Prim. Roithinger: „Das Herz-CT, welches die Herzkranzgefäße heute in sehr hoher Auflösung zeigen kann, ist zwar wegen der hohen Strahlenbelastung keine Vorsorgeuntersuchung, aber Patienten mit mittlerem Risiko, die unter Beschwerden leiden, kann man mit dieser Untersuchungsmethode die invasive Abklärung mittels Herzkatheter ersparen, und das ist ein großer Fortschritt.“ Auch die invasiven Behandlungen der Koronaren Herzkrankheit – sprich Herzkatheter, Ballondehnung und Stentimplantation – werden immer ausgefeilter. Neue Stents können durch ihre spezielle Beschichtung die betroffene Engstelle verändern, und es gibt bereits Stents, die sich nach einer gewissen Zeit im Körper selbst auflösen. „Ziel ist, dass das Gefäß nicht nur wieder offen ist, sondern auch seine Elastizität wiedererlangt. Bei ausgewählten Patienten arbeiten wir bereits damit, und alles in allem bedeuten die Verbesserungen bei diesen Behandlungen, dass man mehr Patienten die Bypassoperation ersparen kann“, so Prim. Roithinger.  

Herzchirurgie und ihre Topleistungen. Nächstes Stichwort: Herzklappenfehler, die ebenfalls eine große Häufigkeit aufweisen und bei denen es Neuerungen dort gibt, wo eine Herzklappe ersetzt werden muss. Die Experten verwenden dabei mechanische Herzklappen aus Titan oder Kunststoff oder aber biologische Klappen von menschlichen Spendern oder aus Tiergewebe. Letztere halten zwanzig Jahre und länger, erstere oft mehr als dreißig Jahre, und grundsätzlich bricht der Kardiologe Roithinger bei diesem Thema eine Lanze für die Herzchirurgen: „Selbst bei schwerst Kranken ist die Sterblichkeit bei und nach diesen Eingriffen extrem niedrig geworden, und für Risiko-patienten gibt es heute auch die Herzklappen-Implantation über einen Katheter: Über die Leiste wird die (gefaltete) Herzklappe an den dafür vorgesehenen Ort vorgeschoben, und die Operation am offenen Herzen mit Vollnarkose ist nicht mehr notwendig.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Herz im Takt
Seite 2 Herzerkrankungen im Überblick

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