Dienstag, 21. Mai 2019

Herpes? Bläschenalarm!

Ausgabe 2015.12/2016.01

So gut wie jeder Mensch trägt das Herpesvirus in sich. Aber nicht bei jedem kommt es zum Ausbruch. Wir zeigen, was man dagegen tun kann und wie man sich schützt.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - pepperbox

GESÜNDER LEBEN hat mit Prof. Dr. Elisabeth Puchhammer-Stöckl, Fachärztin für Hygiene und Mikrobiologie sowie Fachärztin für Virologie an der Abteilung Virologie der Medizinischen Universität Wien, gesprochen.

Alternativmedizin gegen Fieberblasen

Bisherige Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass die Aminosäure Lysin zu einem Wachstumsstopp des Virus führt, während die Aminosäure Arginin zur Vermehrung beiträgt. Deshalb empfiehlt die Alternativmedizin bei ersten Anzeichen von Bläschen sofort Lysin – gibt es auch zum Kauen – sowie Vitamin C und E, Selen und Zink einzunehmen und auf Nahrungsmittel, die viel Arginin enthalten (etwa Mandeln, Nüsse und Getreideprodukte), zu verzichten.

 Die Spezialistin über …

… die unterschiedlichen Herpes-Viren

Herpes-simplex-Viren gehören zu der Gruppe der menschenpathogenen Herpesviren (das sind Krankheitserreger, die nur für den Menschen ansteckend sind). Es gibt zwei Typen: Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV1) und Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV2). Beide können Herpes labialis (Lippenherpes) oder Genitalherpes verursachen, wobei HSV1 vor allem mit dem Herpes labialis assoziiert ist und HSV2 mit Herpes genitalis. Davon abgesehen, gibt es noch sechs andere menschenpathogene Herpesviren, zu denen unter anderem das Epstein-Barr-Virus (Ursache des Pfeifferschen Drüsenfiebers), das Varizella-Zoster-Virus (Ursache von Feuchtblattern) und Herpes Zoster (Ursache der Gürtelrose) gehört.

… die gefährlichen Herpes-Viren
Sowohl HSV1 als auch HSV2 verursachen meist nur harmlose Erkrankungserscheinungen, vor allem die bei vielen Menschen immer wiederkehrenden Fieberblasen. Selten können diese Viren schwere Erkrankungen verursachen, wie zum Beispiel Gehirn- oder Gehirnhautentzündungen, die ein sofortiges Eingreifen erfordern und ohne Behandlung tödlich verlaufen können. Auch gefährliche Entzündungen am Auge können vorkommen. Ebenfalls sind HSV-Infektionen beim Neugeborenen höchst gefährlich, vor allem wenn die Mutter zum Zeitpunkt der Geburt eine Erstinfektion mit Genitalherpes hat. Auch bei Patienten, die – zum Beispiel nach Transplantationen – stark immunsupprimiert (die körperliche Immunabwehr wird herabgesetzt) sind, können Herpes-Viren zu Komplikationen führen.


… die Diagnose
Die meisten Menschen werden mit HSV1 schon in der Kindheit infiziert. Diese Erstinfektion ist entweder ohne Symptome oder geht mit Fieber und schmerzhaften Bläschen im Mund einher. Diese Infektion wird durch das Immunsystem bekämpft, aber es kommt nicht zu einer Elimination des Virus, sondern das Virus bleibt latent im Körper des Menschen, in den Ganglienzellen. Von dort kann das Virus gelegentlich reaktivieren und dabei zu Fieberblasen führen. HSV2-Infektionen sind seltener und werden vor allem über sexuelle Kontakte übertragen. Auch HSV2 bleibt latent im Organismus und kann immer wieder reaktivieren und zu Episoden von Genitalherpes führen. Wenn man wissen will, ob man mit einem (oder beiden) dieser Viren infiziert ist, kann man einen Bluttest machen und die Antikörper bestimmen lassen.


… den Verlauf der Ansteckung
Die Ansteckung mit HSV 1 erfolgt üblicherweise in der frühen Kindheit über Speichel und Tröpfcheninfektion im Nahkontakt mit anderen Personen, die gerade HSV1 im Rahmen von Reaktivierungen ausscheiden. HSV2 ist vor allem eine sexuell übertragbare Erkrankung. Eine Infektion mit HSV1 schützt nicht vor Infektion mit HSV2 und umgekehrt.


… die Folgeerkrankungen
Komplikationen von HSV1 oder HSV2 können vor allem Infektion des Zentralnervensystems sein, also Gehirn- oder Gehirnhautentzündungen. Sie sind aber äußerst selten, sind aber wie die Entzündungen im Auge überaus gefährlich. Sehr bedrohlich ist auch die Infektion eines Neugeborenen zum Zeitpunkt der Geburt: Hier kann das Virus entweder zu einer schweren Infektion des Gehirns führen oder zu einer generalisierten Infektion im Körper.


… die Behandlung
Es gibt Medikamente, die gegen Herpesviren wirken, sie behindern die Vermehrung der Viren im Organismus. Bei schweren Infektionen und Komplikationen werden diese Substanzen intravenös hoch dosiert verabreicht. Bei milden Formen wie Lippenherpes gibt es antivirale Salben, die aber schon im ganz frühen Stadium auf die befallenen Stellen aufgetragen werden sollten. Beim Genitalherpes wird das je nach Schwere der Infektion oder des Rezidivs von den behandelnden ÄrztInnen entschieden.


… den Schutz vor Ansteckung
Gegen HSV1 kann man sich nicht wirklich schützen, da das Virus in einem Großteil der Bevölkerung zirkuliert. Die Übertragung von Genitalherpes kann man großteils durch Kondome verhindern.


… die typische Fieberblasenzeit
Fieberblasen bekommt man unter anderem, weil die Balance zwischen dem latenten Herpes-Virus und der Immunantwort gegen dieses Virus beeinträchtigt ist. Fieberblasen treten daher oft in Folge von oder zusammen mit einem grippalen Infekt auf. Die Häufung solcher Infekte im Herbst und Winter ist daher mit einem vermehrten Auftreten der Fieberblasen verbunden.

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