Sonntag, 19. November 2017

Hepatitis C gemeinsam bekämpfen!

Ausgabe 2017.07-08
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Die WHO möchte bis 2030 das Virus eliminiert haben. Eine Quelle von Hepatitis C ist der Drogenkonsum. Niederschwellige Einrichtungen versuchen durch Aufklärung die Wiederansteckungsrate einzudämmen. GESÜNDER LEBEN war in einer Einrichtung vor Ort und hat sich selbst ein Bild gemacht.


Foto: _MG_0037

Die 36-jährige Conny hatte vor vier Jahren einen schweren Autounfall – der Fahrer hatte sie nicht gesehen, als sie am Fußgängerübergang die Straße überqueren wollte. „Ich bin 18 Meter weit durch die Luft geflogen und lag viele Wochen im Krankenhaus“, erzählt sie. „Ich musste wieder gehen lernen. Noch heute erhole ich mich von den Unfallfolgen, kann nicht ganztags arbeiten gehen. Ich bin auf Jobsuche.“ Seit wenigen Wochen wohnt sie in Leipzig („Wegen der Liebe!“) und versucht dort wohl auch, ein neues Leben anzufangen. Connys früherer Verlobter verstarb nämlich, ebenfalls vor vier Jahren, an Leberzirrhose, eine Folge seiner Hepatitis-C-Erkrankung. Angesteckt hat er sich durch gemeinsamen Nadelgebrauch beim Drogenkonsum.

Hepatitis C erkennen und behandeln

• Hepatitis C ist eine Entzündung der Leber, die hauptsächlich durch infiziertes Blut übertragen wird. Eine besondere Risikogruppe stellen Drogenkonsumenten dar, die ihre Utensilien mit anderen teilen.
• Unbehandelt kann eine Hepatitis zu einer Leberzirrhose und in weiterer Folge zu Leberkrebs führen. Die Erkrankung bleibt lange unbemerkt, da kaum oder sehr unspezifische Symptome (eventuell anfangs Fieber, Gliederschmerzen, Müdigkeit, Gelbsucht, heller Stuhl, dunkler Urin, Druckgefühl im rechten Oberbauch) auftreten. Nur ein Bluttest kann Klarheit verschaffen. Je früher die Diagnose, desto besser der Behandlungsverlauf!
• Eine akute Hepatitis C kann spontan ausheilen, wird meist jedoch chronisch. Ansteckend sind aber beide Arten!
• Eine ausgeheilte Hepatitis C schützt nicht vor einer erneuten Ansteckung!
• Am 28. Juli ist Internationaler Hepatitis-C-Tag. Die WHO hat es sich zum Ziel gesetzt, Hepatitis B und C bis 2030 global einzudämmen bzw. gar zu eliminieren.

Quelle: Infobroschüre „Hepatitis C: Schützen – Testen – Behandeln – Heilen“ von „Kontaktladen & Streetwork im Drogenbereich“ (Caritas) in Graz.

Hepatitis C. Obwohl Conny nicht aktiv konsumiert hat, hat sie sich trotzdem mit Hepatitis C angesteckt. „Mein Verlobter hatte eine starke Schürfwunde an der Hand“, erzählt sie, hält sich ansonsten bei diesem Punkt aber eher bedeckt. Einige Zeit später hat sie sich testen lassen, „denn ich wusste einfach, dass da etwas nicht stimmt, auch wenn ich keine Symptome hatte. Auf mein Bauchgefühl kann ich mich immer verlassen.“ Die Diagnose war deshalb auch kein Schock für Conny, meint sie. „Ich habe mich schon im Vorfeld genau über die Krankheit informiert.“ Der Virennachweis war hoch, mit der medikamentösen Therapie wurde sofort begonnen. Heute gilt Conny als geheilt, worüber sich nicht zuletzt auch ihr 17-jähriger Sohn, der (noch) bei der Oma in Wien wohnt, freut. „Ich habe von Beginn an offen mit ihm über meine Krankheit gesprochen, er konnte gut damit umgehen“, erinnert sich Conny. Allerdings sei es ihre Mutter gewesen, die die Krankheit zum Problem für den Jugendlichen machte: „Sie war in Panik und bläute ihm ein, nicht dasselbe Handtuch oder dasselbe Glas wie ich zu benutzen. Nicht mal umarmen sollte er mich.“ So viel Unwissenheit ärgert Conny, auch heute noch. „Ich habe mit ihm danach ein aufklärendes Gespräch geführt. Es gibt immer noch so viele Mythen über Hepatitis C.“

Aufklärung in Graz. Das bestätigen – mehr oder weniger – auch Roland Urban und Milena Simonitsch. Urban ist Leiter der niedrigschwelligen Einrichtung „Kontaktladen“ in Graz, Simonitsch ist dort Sozialarbeiterin. Der „Kontaktladen“, der auch Streetwork anbietet, richtet sich an Konsumenten illegaler Substanzen. „Unsere Zielgruppe ist die Drogenszene in Graz“, erklärt Urban. Da die Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus nach wie vor eines der größten Risiken beim (intravenösen) Drogenkonsum ist, ist die Erkrankung wichtiges Thema in der Einrichtung. „Viele unserer Klienten glauben immer noch, dass Hepatitis C nicht heilbar ist bzw. dass die Therapie nach wie vor mit starken Nebenwirkungen einhergeht“, erklärt Simonitsch. „Hier ist es wichtig und grundlegend, Aufklärungsarbeit zu leisten.“ Diese sieht im „Kontaktladen“ so aus: Neben regelmäßigen Infoveranstaltungen für Klientel und Personal und einer Aufklärungskampagne im vergangenen Jahr, die u. a. Poster und Infobroschüren umfasste, werden dreimal wöchentlich Testungen (also Blutabnahmen) im Haus angeboten. Einmal im Monat gibt es eine Hepatitis-C-Sprechstunde, für die Dr. Bernd Bauer, gemeinsam mit ein oder zwei Kolleginnen, verantwortlich zeichnet. „Die Klienten haben die Möglichkeit, uns alles rund um das Thema zu fragen“, so Bauer. „Es ist wichtig, ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie nicht alleine sind.“ Der Wissensstand, betont der Experte, sei unter den Klienten trotz einiger Mythen erstaunlich hoch: „Unsere Aufklärungsarbeit beginnt immer mehr zu wirken. Besonders unter den Jüngeren sinkt die Anzahl der Neuinfektionen. Dafür steigt die Awareness (Problembewusstsein, Anm.), auch wenn Hepatitis C nach wie vor ein großes Thema ist.“ In Zahlen: Der „Kontaktladen“ betreut rund 600 Klienten im Jahr, davon unterziehen sich 100 einem Hepatitis-C-Test.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Hepatitis C gemeinsam bekämpfen!
Seite 2 Kooperation mit LKH

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