Mittwoch, 22. Mai 2019

Harmloser Husten?

Ausgabe 2016.11

Wenn wir husten, ist dies meist harmlos – und der Körper wird damit rasch fertig. Aber was ist, wenn ein Husten hartnäckig ist? Und wann sollte man zum Arzt?


Foto: © Can Stock Photo Inc. - petrdlouhy

Eines vorweg: Husten ist keine Krankheit, sondern ein Symptom oder vielmehr ein natürlicher und wichtiger Reflex, schließlich werden dadurch Fremdkörper aus unseren Atemwegen befördert. Ob es sich dabei um Krankheitserreger, Staubpartikel oder anderes handelt, ist der Lunge einerlei, erklärt Dr. Ralf Harun Zwick, Facharzt für Innere Medizin, Lungenkrankheiten und Sportmedizin am Uni-Klinikum Tulln sowie ärztlicher Leiter der ambulanten pneumologischen Rehabilitation in der Therme Wien Med: „Unsere Lunge ist prinzipiell so konzipiert, dass nichts hineinkommt, was dort nichts zu suchen hat.“ Sie hat sozusagen einen körpereigenen Schutzschild und das beginnt, so Zwick weiter, „schon im Nasenrachenraum, wo feine Härchen und Schleimhäute die Partikel auffangen, die nicht in die Atemwege gelangen sollten.“ Dennoch schaffen es krankheitserregende Keime hin und wieder, die schützenden Barrieren zu durchbrechen. Die Folge: ein Infekt, der Husten und andere Erkältungssymptome auslöst.

Die besten Hausmittel bei Husten

Neben abwarten und Tee trinken, können wir auch einen Wickel oder Hustensaft nützen, um die Beschwerden zu lindern.

Tee: Salbei ist der Klassiker bei Atemwegserkrankungen. Aber auch Eibisch, Fenchel, Schlüsselblume oder Thymian werden empfohlen. Speziell bei trockenem Husten hat sich Spitzwegerich bewährt.

Wickel: Eukalyptus fördert das Abhusten, Thymian löst den Schleim und Myrhe wirkt entzündungshemmend. Einfach ein Baumwolltuch mit ätherischem Öl tränken und in Alufolie einschlagen. Handtuch auf die Brust, Wickel und Wärmeflasche oder Kirschkernpolster drauflegen und mindestens eine Stunde auf der Brust lassen.

Zwiebelhustensaft selbst gemacht: Kleinwürfelig geschnittene Zwiebel in eine Schüssel geben, kaltes Wasser hinzufügen, sodass die Zwiebeln im Wasser schwimmen.
4 bis 6 gehäufte EL Rohrzucker hinzufügen und verrühren, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Mind. 2 Stunden durchziehen lassen (im Kühlschrank oder im Freien). Danach
3-mal täglich 2 bis 3 Löffel Sirup (ohne Zwiebel) einnehmen.

Husten behandeln. Je nachdem, in welchem Bereich sich die Entzündung der Atemwege manifestiert, sprechen Mediziner von einer Sinusitis (Entzündung der Nasennebenhöhlen), einer Pharyngitis (Entzündung der Rachenschleimhaut), einer Laryngotracheitis (kombinierte Entzündung des Kehlkopfes und der Schleimhaut der Luftröhre) oder einer Bronchitis. Bei Letzterer handelt es sich um eine Entzündung der Bronchien und Bronchiolen, das sind die verzweigten Atemwege und deren Verästelungen in der Lunge. Ist auch die Luftröhre betroffen, was häufig vorkommt, spricht man von einer Tracheobronchitis. Und warum husten wir dann? Weil die Schleimhaut durch die Entzündung zuerst gereizt wird und in der Folge zähen Schleim produziert – und das lässt uns husten. „Zu einem hohen Prozentsatz wird ein Husten durch Viren ausgelöst und ist somit harmlos“, sagt Lungenfacharzt Zwick und empfiehlt seinen Patienten daher: „Abwarten, Tee trinken und viel schlafen. Selbstverständlich gibt es auch Arzneimittel – von schleimlösenden bis hustenstillenden Mitteln, von Medikamenten auf pflanzlicher Basis bis zu kodeinhaltigen Tabletten. Diese dienen indes nur zur symptomatischen Behandlung des Hustens. Das heißt: Eine durch Viren ausgelöste Erkältung wird dadurch nicht behandelt – das ist aber gar nicht nötig, da sich das körpereigene Immunsystem darum kümmert.“ Übrigens: Antibiotika wirken bei einem derartigen Infekt nicht, da er ja nicht durch Bakterien, sondern, wie bereits erwähnt, in den überwiegenden Fällen durch Viren ausgelöst wurde. Gesellt sich jedoch zum Husten auch Fieber hinzu, sollte man zur Sicherheit einen Arzt aufsuchen, denn dies könnte Anzeichen für eine bakteriell bedingte Lungenentzündung sein, was wiederum die Gabe eines Antibiotikums verlangt.

Wenn Raucher husten. Im Normalfall allerdings heilt sich der Körper bei einem Husten selbst. Problematisch wird es, wenn der Husten chronisch wird. Allein: Von einer chronischen Bronchitis ist laut Dr. Zwick erst dann die Rede, „wenn der Husten länger als drei Monate in zwei aufeinanderfolgenden Jahren andauert.“ Ist das der Fall, gilt es in erster Linie, eine genaue Anamnese zu erheben. Und meist ist die Ursache dann auch rasch gefunden, wie der Lungenexperte aus der Praxis weiß: „In Österreich ist nach wie vor das Rauchen das größte Problem.“ Die dafür angezeigte Therapie ist schnell gefunden: eine strukturierte Raucherentwöhnung. Zwick hat hierbei schon sehr gute Erfahrungen mit dem „Rauchfrei Telefon“ (rauchfrei.at) gemacht: Unter der Nummer 0800 810 013 bieten speziell in der Tabakentwöhnung und in der Telefonberatung ausgebildete Klinische und Gesundheitspsychologen österreichweit ein kostenfreies Beratungs- und Informationsangebot. Klagt ein Raucher nicht nur über Husten, sondern auch über Auswurf sowie Atemnot, handelt es sich meist um eine COPD, eine chronisch obstruktive Lungenkrankheit – „und hier sind wir dann schon bei den nicht gar nicht mehr harmlosen Hustenerkrankungen“, warnt Zwick. Es wird geschätzt, dass hierzulande rund elf Prozent unter einer COPD leiden, wobei nur gut die Hälfte davon diagnostiziert wird – so oder so ist die Tendenz allerdings steigend.

Was aber, wenn man nicht raucht und trotzdem hustet? Dann handelt es sich möglicherweise um Asthma bronchiale. Da diese chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege diverse Ursachen haben kann, schaut sich Ralf Harun Zwick die Lebensumstände des Patienten noch genauer an: Ist er vielleicht starkem Passivrauch ausgesetzt? Kommt oder kam es etwa im Rahmen des Berufs zu einer ständigen Feinstaubbelastung? Leidet er unter allergischem Asthma? Oder ist der Husten vielleicht belastungsabhängig? In diesen Fällen kann, so Zwick, „eine HNO-ärztliche Untersuchung aufschlussreich sein. Bei Refluxbeschwerden ist eine Gastroskopie ratsam.“ Fakt ist: Es gibt unzählige Gründe, warum man hustet. Immer gleich vom schlimmsten auszugehen, hat jedoch keinen Sinn, denn meist handelt es sich um einen harmlosen Infekt, der nach einigen Tagen wieder überstanden ist.

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-05 130x173

Aktuelles Heft 05/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 7. Juni

 

Unsere Ausgabe 04/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Wie informieren Sie sich über Nebenwirkungen von Medikamenten?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information