Sonntag, 15. September 2019

Hämorrhoiden

Ausgabe 2018.11

Über Hämorrhoiden spricht man nicht gerne. Doch fast jeder hat zumindest einmal im Leben damit zu tun. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie Hämorrhoiden vermeiden können – und wie Sie diese auf schonende Weise wieder loswerden.


Foto: iStock-467707054_mtlapcevic

Jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Zum Glück, denn man braucht sie zum gasdichten Abschluss des Enddarms. „Der Schließapparat des Enddarms besteht aus einem komplexen ringförmigen Schließmuskel“, erklärt Dr. Richard Tichatschek, 1. Oberarzt am Landesklinikum Thermenregion Baden–Mödling. „Ein Ring kann nie vollkommen dicht schließen, daher haben wir sozusagen ein Zusatzprogramm, die Hämorrhoiden. Das sind kleine blutgefüllte Gefäßpölsterchen, die unseren Darm gasdicht abschließen und dadurch verhindern, dass Darminhalt austritt und wir inkontinent sind.“ Aber wenn sich der Plexus haemorrhoidales erweitert und nach unten sinkt, kann es zu Beschwerden kommen – dann spricht man von einem Hämorrhoidalleiden. Werden die Gefäßpölster, die mit arteriellem Blut gefüllt sind, größer und fallen vor, ist dies ein Prolaps. Jeder Zweite ab 40 Jahren und 60 Prozent der über 60-Jährigen haben laut dem Magazin „Der Chirurg“ zumindest einmal im Leben eine hämorrhoidale Erkrankung. Frauen sind durch Schwangerschaft, Entbindung und Sitzarbeit etwas häufiger betroffen als Männer. Ursachen für die Entstehung von Hämorrhoiden sind regelmäßige Verstopfung, zu harter Stuhl, übermäßiges und langes Pressen beim Stuhlgang, eine überwiegend sitzende Tätigkeit, aber auch eine angeborene Bindegewebsschwäche oder mangelnde Analhygiene.

Erste Hilfe durch Salben und Sitzbäder
Die häufigsten Beschwerden durch Hämorrhoiden sind hellrote Blutungen und drückende oder stechende Schmerzen beim Stuhlgang, Juckreiz, Nässen, Brennen, Stuhldrang ohne Stuhl, das Gefühl eines Fremdkörpers im Enddarm, aber auch Inkontinenz mit Stuhl in der Unterwäsche sowie ertastbare und verschiebbare Wölbungen und Knoten. „Hämorrhoiden bedürfen normalerweise keiner Behandlung, außer man hat Beschwerden wie zum Beispiel Entzündungen, Thrombosen oder Blutungen“, erläutert Dr. Tichatschek. „Wir unterscheiden außerdem zwischen echten Hämorrhoiden und Marisken, das sind Hautfalten rund um den After, die ebenso nur dann behandelt werden müssen, wenn sie entzündet sind oder die Analhygiene erschweren.“ Allen Betroffenen rät Oberarzt Tichatschek: „Wenn Sie Blutungen aus dem After bemerken, sollten Sie auf jeden Fall einen Facharzt konsultieren, weil das auch andere, bedrohlichere Ursachen haben kann. Bluten die Hämorrhoiden nur gelegentlich und der Leidensdruck des Patienten ist nicht allzu groß, muss man nichts tun. Kommt es aber regelmäßig zu Blutungen beim Stuhlgang, sollte das auf jeden Fall behandelt werden. In erster Linie versuchen wir, durch konservative Therapie mit Zäpfchen, Sitzbädern und Cremes eine Operation zu vermeiden.“

Die Kraft der Natur
Auch natürliche Substanzen können im Anfangsstadium helfen. Der Klosterneuburger Apotheker Prof. Roman Kostiuk verweist auf die wichtige Rolle pflanzlicher Arzneimittel mit ihren desinfizierenden, kühlenden, pflegenden, entzündungshemmenden und zusammenziehenden Effekten. Er nennt Kamille, Ringelblume, Kornblume, Rosskastanie und den Asiatischen Wassernabel, deren Wirkung durch gezielte Kombination zusätzlich verstärkt wird. Kostiuk empfiehlt: „Das moderne Behandlungskonzept für Hämorrhoidalleiden und Analbeschwerden ist ein 3-Phasen-Pflegesystem, bestehend aus Creme, Schaum sowie Reinigungs- und Pflegetüchern. Die Creme-Emulsion erzeugt einen schützenden Gleitfilm und hilft bei Schmerzen, Juckreiz und Brennen. Der cremige Schaum dient der schonenden Reinigung für den empfindlichen äußeren Analbereich und die milden Feuchttücher eignen sich für unterwegs.“

Sanfte OP-Methoden
„Wenn das alles nichts hilft, haben wir als weitere Möglichkeit die Sklerotherapie, also das Veröden durch Unterspritzen der zuführenden Gefäße“, berichtet Chirurg Tichatschek. „Die Methode der Gummibandligatur wurde früher häufig angewendet, das Gefäß wird abgebunden und die Hämorrhoide fällt schließlich ab. Eine neue, sehr innovative Methode ist die sogenannte Transanale Hämorrhoidalarterienligatur. Sie ist minimalinvasiv, findet in Narkose in der Tagesklinik statt und kann beliebig oft wiederholt werden. Mit Ultraschall werden die zuführenden Arterien aufgesucht und umstochen. Dadurch wird die Blutzufuhr gedrosselt und die Hämorrhoide schrumpft.“ Damit gehört die alte Methode der Hämorrhoidektomie, also die radikale chirurgische Entfernung von Hämorrhoiden, die nach der Operation äußerst schmerzhaft ist und außerdem durch Vernarbungen eine hohe Komplikationsrate mit sich bringt, der Vergangenheit an.

Vorbeugen ist besser als Heilen
„Am wichtigsten ist aber Vorbeugen. Das kann jeder durch eine Veränderung seines Lebensstils tun. Vermeiden Sie langes Sitzen, machen Sie Ausgleichssport und verhindern Sie harten Stuhl bzw. Verstopfung durch entsprechende Ernährung und Bewegung“, legt Dr. Tichatschek allen Betroffenen ans Herz.

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