Sonntag, 26. Mai 2019

Gut hören von klein auf

Ausgabe 05/2012
Hörstörungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen alarmierend zu. Experten warnen vor MP3-Playern und Co. Plus: Wie Sie erkennen, dass Ihr Kind schlecht hört.

Foto: iStock - gianlucabartoli
Unsere Kinder sind überzeugte Nutzer von MP3-Playern und Co. Und wir sorgen uns zu Recht um ihre Ohrengesundheit. Denn: „Tragbare Musikgeräte – etwa MP3-Player mit Earbud-Hörern – können aufgrund der Nähe des Lautsprechers zum Trommelfell und der dadurch bedingten Lautstärke vermehrt zu Innenohrschäden führen“, erklärt der Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Dr. Georg Hollenstein. Er warnt auch vor dem allzu häufigen bzw. ungeschützten Besuch von Rock- und Popkonzerten. Denn bei diesen Musikevents werden – je nach Abstand, den man zu den Boxen hält – Lärmspitzen von bis zu 140 Dezibel erreicht – was für das menschliche Ohr im wahrsten Sinn des Wortes unerträglich ist. „Anfänglich sind die so entstehenden Innenohrschäden noch reversibel, doch häufige Konzertbesuche ziehen mit größter Wahrscheinlichkeit einen messbaren Hörschaden und oft auch einen Tinnitus nach sich“, so der Experte.  Tatsächlich hat eine US-amerikanische Studie, für die 134 Rock- und Jazzmusiker untersucht wurden, ergeben, dass unglaubliche 74 Prozent von ihnen ein schlechtes Gehör hatten und beispielsweise unter Schwerhörigkeit, Ohrensausen und Lärmüberempfindlichkeit litten. Und: Verschiedene Untersuchungen bei Jugendlichen zeigen, dass zwischen zehn und 40 Prozent der Kinder und jungen Erwachsenen bereits Hörschäden aufweisen.

Vorsicht: Böller und Co! Aber: „Musik an sich ist keine Dauerbelastung, sie hat stille und laute Passagen. Dennoch: Klassische Musik und Musik mit E-Gitarre und Schlagzeug unterscheiden sich stark in punkto Schädlichkeit“, so Hollenstein, der auch darauf aufmerksam macht, dass vor allem sogenannte Knalltraumen durch plötzlichen Schallpegelanstieg auf 100 Dezibel und darüber –
die etwa durch Böller, Silvesterknaller, Schreckschusspistolen, aber eben auch manchmal bei Rockkonzerten entstehen – am schädlichsten für das Ohr sind.

Schaden begrenzen. Es geht also um Schadensbegrenzung durch einen vernünftigen Umgang mit Dauer- und Spitzenberieselung. Hollenstein: „Vernunft ist das ,Maß allen Gehörs‘. In der wissenschaftlichen Literatur werden zur Vorbeugung von Hörschäden zeitliche Beschränkungen und Schallpegelobergrenzen empfohlen. So etwa die 60:60-Regel bei MP3-Playern: 60 Prozent der maximalen Lautstärke – 60 Minuten am Tag.“ Auch sollte man bei Konzerten nicht unmittelbar neben den Boxen stehen. Bei Feuerwerken sollte man einen Gehörschutzstöpsel tragen.

Wehret den Anfängen! Wie erkennt man als Vater oder Mutter einen beginnenden Hörschaden beim eigenen Sprössling?. „Ein Symptom ist etwa eine verzögerte Sprachentwicklung“, so der HNO-Experte. „Weiters sollte man aufmerken, wenn ein Kind bei lauten Geräuschen nicht erschrickt oder auf Umweltgeräusche nicht reagiert. Auch wenn Kinder sehr introvertiert sind, oft vor sich hinträumen, nicht gern mit anderen Kindern spielen oder immer Sichtkontakt benötigen, sollte man zum HNO-Facharzt gehen. Das gilt auch, wenn Kinder häufig an Ohrenschmerzen und Mittelohrentzündung leiden.“ Bei älteren Kindern und Jugendlichen können etwa Schwierigkeiten, Gesprächen in lauter Umgebung zu folgen, auf Schwerhörigkeit hindeuten.

Was die Medizin kann. Wenn rechtzeitig ein Experte zu Rate gezogen wird, kann die Medizin heute effizient helfen. Denn Schwerhörigkeiten können operativ oder mittels Hörgeräten behandelt werden. Bei Taubheit und an Taubheit grenzenden Hörstörungen werden auch bei Kindern, mittlerweile schon im ersten Lebensjahr, so genannte Cochlea-Implantate eingesetzt. Dabei werden die Haarzellen in der Schnecke des Ohres mittels einer eingeschobenen Sonde unmittelbar stimuliert.

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