Dienstag, 19. Februar 2019

Grippenimpfung: Ja oder nein?

Ausgabe 2018.11
Seite 1 von 2

Kaum kündigt sich der Winter an, kommt sie so sicher wie die ersten rinnenden Nasen: die Diskussion rund um die Grippeimpfung. Kaum ein anderer Impfstoff ist so umstritten wie jener gegen die Influenza. GESÜNDER LEBEN bat eine Befürworterin und einen Gegner zum Streitgespräch. Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung!

 


Foto: iStock-453443285_Frank Peters

In Sachen Grippeimpfung gehen die Meinungen weit auseinander. Fakt ist: Jährlich sterben rund 1.000 Österreicherinnen und Österreicher an der Folge der „echten“ Grippe. Fakt ist auch, dass Österreich ein impffaules Land ist: In der Grippesaison 2017/2018 ließ sich nur jeder 16. Bürger impfen, das ergibt eine Durchimpfungsrate von gerade 6,4 Prozent. Viel zu wenig, warnen Mediziner. Doch wer sich impfen ließ, hatte in der vergangenen Grippesaison mitunter Pech: Mehr als 70 Prozent der Erkrankten waren mit dem B-Yamagata-Virusstamm infiziert. Besonders Kinder sind für diesen Virustyp anfällig. Aber leider: Im verkauften Dreifachimpfstoff war dieser Virusstamm nicht enthalten; der Schutz der Grippeimpfung erwies sich als wenig ausreichend. Auch das ist Fakt.

Pro 
Priv.-Doz. Dr. Monika Redlberger-Fritz ist Fachärztin und Laborleiterin der Virusisolierung im Zentrum für Virologie der MedUni Wien.

Contra
Bert Ehgartner ist Dokumentarfilmer, Medizinjournalist und -autor. Sein neuestes Buch: „Gute Impfung, schlechte Impfung: Der umfassende Ratgeber.“

In der Grippesaison 2017/2018 ließ sich nur jeder 16. Österreicher gegen Influenza impfen. Sind Sie mit diesen Zahlen zufrieden?

Pro Wir haben eine Durchimpfungsrate von 6,4 Prozent. Wir sind eines der Grippe-impfung-Schlusslichter in Europa. Es wäre besser, wenn sich mehr Österreicher impfen ließen.

Contra Diese Zahlen sind eher ein Hinweis, dass die große Mehrzahl der österreichischen Bevölkerung die Sinnhaftigkeit der Influenzaimpfung realistisch einschätzt.

 

Die Grippeimpfung hat, mehr als die meisten anderen Impfungen, einen schlechten Ruf.

Pro Für viele ist es lästig, sich jedes Jahr stechen zu lassen. Und: Es gibt auch grippale Infekte. Kinder haben sogenannte respiratorische Infekte durchschnittlich 14- mal im Jahr, Erwachsene 4-mal jährlich. Die Impfung wirkt aber nicht gegen diese grippale Infekte! Das wird oft verwechselt.

Contra Viele Menschen haben entweder selbst schlechte Erfahrungen mit der Impfung gemacht oder ungünstige Dinge von Angehörigen und Freunden gehört: dass die Impfung wenig genützt hat oder sie anschließend selbst erkrankt sind. Daraus speist sich ihr schlechter Ruf.

 

Immer wieder wird eine hohe Durchimpfungsrate in der Bevölkerung propagiert. Kann auch bei der
Grippeimpfung eine Herdenimmunität durch eine bestimmte Durchimpfungsrate erreicht werden?

Pro Ich spreche lieber von „Gemeinschaftsschutz“ . Wenn sich jemand aus unterschiedlichen Gründen nicht impfen lassen kann, dann kann er nur dadurch geschützt werden, dass sich seine Umgebung schützen lässt. Diese „Umgebungs-prophylaxe“ ist ein wichtiger Aspekt. Wenn man sich nicht anstecken kann, kann man die Erkrankung auch nicht weitergeben.

Contra Damit ein Herdenschutz eintreten kann, müsste die Impfung zunächst einmal zuverlässig wirken. Das tut sie nicht. Wir wissen, dass die Impfung bei kleinen Kindern und bei älteren Menschen besonders schlecht wirkt. Doch auch in der mittleren Altersgruppe wissen wir nicht, wie viele Krankentage man sich damit erspart – wenn überhaupt.

 

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Grippenimpfung: Ja oder nein?
Seite 2 Wer sollte sich vorwiegend impfen lassen?

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