Sonntag, 17. Februar 2019

Grippe oder Erkältung?

Ausgabe 2015.12/2016.01
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Aufgrund der Ähnlichkeit ihrer Symptome werden die beiden Krankheitsbilder Erkältung und Grippe sehr häufig verwechselt. Doch für die Betroffenen ist es enorm wichtig, beides voneinander zu unterscheiden.


Foto: Can Stock Photo Inc. - VadimGuzhva

Trotz ähnlicher Symptome gibt es erkennbare Unterschiede in den Krankheitszeichen, die einen Hinweis darauf geben können, um welches Krankheitsbild es sich im konkreten Fall handelt. Im Gegensatz zu einer Erkältung (grippaler Infekt), die verhältnismäßig schleichend auftritt und relativ rasch abklingt, äußert sich eine Grippe meist unmittelbar. „Während beim grippalen Infekt die Krankheit allmählich einsetzt, fesselt die Grippe ihre Patienten von einem Tag auf den anderen mit hohem Fieber bis zu 40 Grad ans Bett“, erklärt Dr. Alois Rathmayr, Arzt für Allgemeinmedizin. Schüttelfrost, Muskel- und Gliederschmerzen, extreme Müdigkeit, trockener Husten, geröteter Rachen sowie eine verstopfte Nase seien die Merkmale der echten Grippe. „Das Fieber hält bis zu einer Woche an, anschließend ist mit einer Rekonvaleszenz von bis zu drei Wochen zu rechnen“, so Rathmayr. Eine Erkältung schleicht sich meist langsam ein und beginnt mit Halskratzen und Heiserkeit, oftmals sind auch eine laufende Nase und Husten die Vorboten einer Erkältung. Halsschmerzen und trockener Reizhusten alleine sind jedoch keine eindeutigen Erkältungsanzeichen, denn beide Symptome können auch auf eine Grippe hindeuten. Während eine leicht erhöhte Temperatur ebenso auf eine Erkältung schließen lassen kann, ist Fieber in diesem Fall eher unwahrscheinlich. Bei einer Grippe hingegen zeigt das Thermometer häufig über 38,5° Celsius an. Neben den genannten Symptomen wie Kopf- und Gliederschmerzen ist eine Grippe manchmal an Krankheitszeichen wie starker Müdigkeit oder Abgeschlagenheit erkennbar. Es gibt jedoch auch Personen, bei denen diese Symptome während des Krankheitsverlaufes nur sehr schwach ausgeprägt sind. Wenn eine Grippe in derart milder Form auftritt, kann sie von Ärzten oftmals nicht klar von einer Erkältungskrankheit unterschieden werden. Studien zeigen, dass eine Erkältung die Menschen bis zu viermal im Jahr treffen kann. In den meisten Fällen klingen die Symptome jedoch relativ rasch ab und es ist häufig bereits innerhalb weniger Tage eine deutliche Besserung erkennbar. Während die Erkältungssymptome meist bereits nach einer Woche abgeklungen sind, ist eine Grippe durch Langwierigkeit gekennzeichnet. Eine Influenza-Erkrankung darf man keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. Mitunter kann es während des Krankheitsverlaufs zu Komplikationen kommen und im schlimmsten Falle einen tödlichen Ausgang nehmen.

Im Zweifelsfall einen Arzt konsultieren. Wer unsicher ist, ob es sich um eine Erkältung oder eine Grippe handelt, sollte rasch einen Arzt aufsuchen. Ärzte wissen sehr genau, ob und in welchem Ausmaß Grippeinfektionen in einer bestimmten Region aufgetreten sind – ein Indikator dafür, ob die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Grippe hoch oder niedrig einzustufen ist. Wenn Ärzte bei der Untersuchung zu dem Schluss kommen, dass die Symptome auf einen schweren Krankheitsverlauf hindeuten, können bestimmte verschreibungspflichtige Arzneimittel zu einer deutlichen Linderung führen. „Gegen die Viren helfen keine Antibiotika, doch Neuraminidasehemmer können den Krankheitsverlauf deutlich verkürzen. Diese greifen jedoch nur dann, wenn sie innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Infektion eingenommen werden“, erklärt Dr. Rathmayr. Der Mediziner betont, dass hohes Fieber medikamentös behandelt werden sollte, wenn das Herz-Kreislauf-System somit starker Belastung ausgesetzt ist. Abgesehen von den Atemwegen können bei einer Grippe auch andere Organe betroffen sein, etwa der Magen-Darm-Bereich, die Muskeln oder das Gehirn. Bakterien können für den durch den Virenangriff geschwächten Körper noch zusätzlich belastend wirken. Aufgrund der angeschlagenen Schleimhäute kommt es oftmals zu einer bakteriellen Infektion, wie beispielsweise einer Bronchitis oder Lungenentzündung. Vor allem ältere Menschen laufen Gefahr, zusätzlich an einer bakteriell ausgelösten Lungenentzündung (Pneumonie) zu erkranken. In diesem Fall leisten Antibiotika Abhilfe. Zur Risikogruppe zählen vor allem Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen sowie Personen, die an Zuckerkrankheit leiden oder durch andere Erkrankungen bedingt ein schwaches Immunsystem aufweisen.  

Warum erkrankt man häufig in der kalten Jahreszeit? Sowohl Erkältung als auch Grippe treten primär in der kalten Jahreszeit auf. In den Herbst- und Wintermonaten kommt es häufig zu einer Influenza-Epidemie, bei der sich rund 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung mit dem Influenza-Virus infizieren. Rathmayr erklärt, dass der Körper bei niedrigen Temperaturen die Durchblutung der Hände, Füße, aber auch der Nasenschleimhaut drosselt, um die Temperatur im Körperzentrum aufrechtzuerhalten. Weniger Durchblutung in der Peripherie bedeutet aber, dass weniger Abwehrzellen und Antikörper in die Atemwegsschleimhäute gelangen. Rathmayr betont außerdem, dass die Luft im Winter trockener sei – kalte Luft also weniger Feuchtigkeit aufnehmen könne. In stark beheizten Räumen trocknet die Nasenschleimhaut noch weiter aus, wodurch Viren ein leichtes Spiel haben.

Wie kann man sich am besten schützen? Erkältung und Grippe werden durch die sogenannte Tröpfcheninfektion, also durch Sprechen, Niesen oder Husten, ausgelöst. In seltenen Fällen kann auch eine Schmierinfektion, zu der es beispielsweise beim Händeschütteln und Berühren von Tür- oder Haltegriffen in öffentlichen Transportmitteln kommen kann, der Auslöser der Erkrankung sein. Die Inkubationszeit – also der Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung – beträgt sowohl im Falle einer Erkältung als auch im Falle einer Grippe einige Tage. Rathmayr erklärt, dass man sich mit simplen Vorbeugungsmaßnahmen gegen eine mögliche Erkrankung wappnen kann: „Am besten schützt man sich mit richtiger Kleidung und Händewaschen“. Entsprechende Kleidung und vor allem warme Füße sind im Winter besonders wichtig. Der Mediziner betont auch, dass neun von zehn Infektionen über die Hände übertragen werden. Besonders wichtig sei deshalb das Händewaschen nach Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und vor der Nahrungsaufnahme. „Dadurch reduzieren Sie die Anzahl der Keime und somit auch die Infektionsgefahr“, so Rathmayr. Weitere vorbeugende Maßnahmen sind regelmäßige Bewegung an der frischen Luft sowie Sauna, Dampfbäder, kalte Duschen oder Wechselduschen zur körperlichen Abhärtung. Rathmayr erklärt, dass auch Stressreduktion nicht unterschätzt werden dürfe, denn Stresshormone vermindern die Anzahl der Abwehrzellen. Deshalb hilft vor allem das Lachen, denn dabei werden Glückshormone freigesetzt, entzündungshemmende und schmerzstillende Stoffe ausgeschüttet, Stresshormone abgebaut und so das Immunsystem gestärkt. Rathmayr legt im Sinne einer Stärkung der Abwehrkräfte zudem eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen, vor allem durch Wintergemüse und Obst, sowie ausreichend Schlaf ans Herz.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Grippe oder Erkältung?
Seite 2 Grippeimpfung

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