Montag, 09. Dezember 2019

Grippe? Nein, danke!

Ausgabe 11/2011
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Husten, Schnupfen, Heiserkeit und Fieber – der Körper leidet, egal ob man sich die echte Grippe oder „nur“ eine Erkältung eingefangen hat. GESÜNDER LEBEN erklärt, wie Sie gesund durch die kalte Jahreszeit kommen.

Foto: istock.com
Letztes Jahr hat es Beate so richtig erwischt: An einem nasskalten Novembertag kam die Bankangestellte von der Arbeit nach Hause, kaum hatte sie den Fuß über die Türschwelle gesetzt, wurde sie von einer heftigen Schüttelfrostattacke erfasst. Minuten später spürte sie, wie ihr Körper zu glühen begann und das Fieber stieg innerhalb kürzester Zeit auf mehr als 39 °C. Im Laufe des Abends begannen ihre Glieder zu schmerzen und in ihrem Kopf hämmerte es, als würde jemand einen Nagel nach dem anderen in die Wand schlagen. Danach lag Beate eine Woche lang mit Grippe – in der Fachsprache Influenza genannt – im Bett. Manchmal schleppte sie sich mit rinnender Nase, schmerzendem Hals und krächzender Stimme auf die Couch. Wirklich fit war sie erst wieder zwei Wochen später. „Dieses Jahr wird das nicht passieren“, sagt Beate. Bisher war sie immer felsenfest davon überzeugt, dass sie die Grippeimpfung nicht benötige: „Ich dachte mir: ‚Du bist sowieso gesund. Und wenn es dich mal erwischt, dann ist es halt so.’ Heute sehe ich das anders: Warum soll ich mir das antun, wenn ich doch etwas dagegen unternehmen kann?“

Österreicher sind Impfmuffel.
Mit dieser impffreundlichen Einstellung ist Beate eine Minderheit: Im Winter 2010/2011 erreichte die Durchimpfungsrate in Österreich nämlich nur magere 8,7 Prozent. Wer denkt, das sei wenig, der sollte wissen, dass es jedes Jahr noch weniger werden. 2009/2010 ließen sich zumindest noch knapp über zehn Prozent impfen. Selbst bei den gefährdeten Gruppen – chronisch Kranke, ältere Personen oder jene, die oft mit anderen Menschen in Kontakt treten – nahmen in den vergangenen Jahren meist nur rund 35 Prozent die Chance wahr,  sich mittels Impfung zu schützen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt freilich eine Durchimpfungsrate von 75 Prozent bei Menschen ab dem 60. Lebensjahr.

Warum sich die Österreicher derart gegen die Influenzaimpfung sträuben, bleibt ein Rätsel. Nicht zuletzt da dies die einzige Möglichkeit ist, die Krankheit zu verhindern. Gegen die eigentlichen Auslöser der Influenza, die sich jährlich verändernden Viren, gibt es nämlich so gut wie keine wirksamen schulmedizinischen Medikamente, mit Ausnahme des Arzneistoffs Amantadin, der allerdings ob seiner Nebenwirkungen kaum eingesetzt wird, und sogenannter Neuraminidase-Hemmer. Diese helfen allerdings nur, wenn man sie noch vor Ausbruch der Grippe einnimmt oder ganz am Anfang, das heißt, in den ersten 48 Stunden der Erkrankung. Die darin enthaltenen Wirkstoffe Oseltamivir respektive Zanamivir vermögen in der Folge den Ausbruch zu verhindern oder den Verlauf zu lindern. In den überwiegenden Fällen machen sich die Patienten aber zu spät auf den Weg zum Hausarzt und die Behandlung mittels Neuraminidase-Hemmer stellt somit keine Option dar. Schließlich müssen sich Grippegeplagte also damit begnügen, Symptome und Beschwerden zu behandeln – und das kann mitunter mehrere Tage, wenn nicht gar Wochen dauern.

Gefährliche Influenzaviren.
Abgesehen davon können Influenzaviren mitunter Lunge, Herz und Gehirn schädigen. Neben den weitreichenden Folgen einer Lungenentzündung, einer Herzmuskelentzündung oder einer Entzündung des Hirngewebes werden zudem Immunsystem sowie Schleimhäute geschwächt und so können sich auch Bakterien, wie beispielsweise Pneumokokken, ausbreiten. Im Fachjargon spricht man dann von einer Superinfektion. Das bedeutet, dass sich zu der viralen Infektion auch noch eine bakterielle gesellt hat, und diese muss mittels Antibiotika behandelt werden.

Sterblichkeit ist Teil jeder Grippewelle.
„Lässt man sich nicht impfen, muss man auch damit rechnen, dass man sterben könnte“, spricht Dr. Michael Kleines, Virologe an der Medizinischen Universität Innsbruck, Klartext. Ihm ist bewusst, dass das hart klingen mag, doch es sei schlichtweg eine Tatsache, dass es bei jeder Grippewelle zu Todesfällen kommt. Die Influenza zählt zu den häufigsten und folgenschwersten Infektionskrankheiten: Pro Saison erkranken rund 400.000 Österreicher, davon müssen etwa 4.500 stationär behandelt werden und bis zu 1.500 sterben an den Folgen der Infektion. Meist handelt es sich dabei zwar um Menschen, die den Risikogruppen angehören, doch Fakt bleibt: Sterblichkeit ist Teil einer Grippewelle.

Eine Erkältung ist keine Grippe!
Die Schutzrate der Impfung liegt bei etwa 80 Prozent. Das heißt: Wenngleich die Impfung grundsätzlich den einzigen Schutz bietet, besteht eine 20-prozentige Möglichkeit, dass man dennoch mit einer Grippe im Bett liegt. „Man kann aber nicht durch den Impfstoff selbst an der Influenza erkranken. Sehr wohl kann man sich allerdings eine Erkältung einfangen, davor kann eine Impfung nicht schützen“, räumt Kleines ein. Viele  Impfgegner befürchten überdies auch Nebenwirkungen. Dem hält der Virologe entgegen, dass der Impfstoff, der jetzt verabreicht werde, nicht so kritisch sei, wie etwa jener während der Schweinegrippe-Pandemie im Jahr 2009: „Vielmehr befinden sich darin ausschließlich etablierte Adjuvanzien – das sind Hilfsstoffe, die die Wirkung des Impfstoffes verstärken. Somit kommt es auch nur in den wenigsten Fällen zu Nebenwirkungen. Lokale Folgen, etwa an der Einstichstelle, sind sowieso äußerst selten.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Grippe? Nein, danke!
Seite 2 Grippaler Infekt oder Grippe?
Seite 3 Alles zum Thema Grippe

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