Freitag, 24. Mai 2019

Glücklich in den zweiten Frühling

Ausgabe 2013/06
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Viele Frauen fürchten die Wechseljahre. Muss nicht sein – denn dieser Lebensabschnitt bietet neue Chancen, das Leben neu zu entdecken.


Foto: Can Stock Photo Inc. - wacker

 

Man sagt auch „zweiter Frühling“ zu ihnen oder „Lebensmitte “. Weniger romantisch, dafür medizinischer sind die Namen „Klimakterium“, „Menopause“ – oder eben: „Wechseljahre“. Ein neuer Lebensabschnitt, viele Veränderungen, neue Herausforderungen, aber auch neue Chancen. In Westeuropa kommen Frauen durchschnittlich mit 51 Jahren in den Wechsel. Statistiken zufolge treten die Wechseljahre heute durchschnittlich vier Jahre später auf als im vergangenen Jahrhundert. Dazu Frauenärztin Dr. Heidemarie Paul (www.dr-paul.at): „Menschen werden heutzutage älter als früher, auch Kinder bekommt man heute zu einem späteren Zeitpunkt. Mit 50 steht man noch mitten im Leben und ist noch lange nicht ‚alt‘!“ Aber auch ein Eintreten des Klimakteriums bereits vor dem 40. Lebensjahr ist möglich – in der Medizin spricht man dann vom „vorzeitigen Wechsel“. Wann die Menopause auftritt und wie stark die Beschwerden ausgeprägt sind, ist häufig erblich bedingt. Vom Ende der Wechseljahre spricht man ein Jahr nach der letzten vaginalen Blutung. Wie lange der Wechsel tatsächlich andauert, ist sehr individuell, oftmals aber zwischen acht und zehn Jahre.

Die Hormone sind’s. Was geschieht im Körper während der Wechseljahre? Wie der Name bereits sagt – er vollzieht den Wechsel von der „fruchtbaren zur unfruchtbaren Phase“. Während dieser Zeit kommt es zu einem langsamen Ausfall der Eierstockfunktion, wodurch immer weniger Östrogene  produziert werden und die Fruchtbarkeit der Frau somit abnimmt. Auch das Progesteron (Gelbkörperhormon) wird nur noch unzureichend gebildet – der Hormonhaushalt verändert sich also entscheidend. Die Folge: Der Zyklus wird unregelmäßig, die Blutung kann einmal schwächer, einmal stärker sein, länger andauern und dann eine Zeit lang gar nicht mehr auftreten.

Hitzewallungen und Schlafstörungen. Die häufigsten Beschwerden (in Europa und den USA) sind aufgrund des sinkenden Östrogenspiegels plötzlich auftretende Hitzewallungen und Schlafstörungen. Zudem werden die Schleimhäute trockener, es kann zu trockenen und empfindlicheren Augen, Nase, Mund und Vagina kommen. Besonders bei einer trockenen Scheidenschleimhaut ist die Gefahr von Einrissen und Infektionen groß; Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (auch wegen der nachlassenden Elastizität) sind nicht selten. Frauen müssen meist öfter Harn lassen und bekommen häufiger Harnwegsinfekte als früher. Auch Schwindel und Herzrasen treten immer wieder auf sowie „Ameisenlaufen“ in Armen und Beinen. Hautprobleme (trockener; großporiger; stärkere Behaarung) lassen sich auf das nun überwiegende männliche Hormon Testosteron zurückführen. Zudem steigt das Risiko für Osteoporose und Herz-Kreislauf-Beschwerden. Paul beruhigt aber: „Nicht bei allen Frauen müssen diese Symptome auftreten, oft ist es auch nur ein Teil davon. Auch wie unterschiedlich stark die Beschwerden ausgeprägt sind, ist sehr individuell.“

Stimmungsschwankungen. Dass sich diese körperlichen Beschwerden auch auf die Psyche schlagen, ist nachvollziehbar. Während des Wechsels nimmt bei den meisten Frauen die Libido ab, aufgrund des Schlafmangels fühlen sie sich oft übermüdet und spüren einen Leistungsabfall. Auch leichte und vorübergehende Konzentrationsschwierigkeiten sowie Ängstlichkeit und Nervosität sind keine Seltenheit. Häufig treten Stimmungsschwankungen auf, die sich bis zur Depression steigern können. Paul: „Sich dies einzugestehen fällt manchen Frauen schwer, ist aber ein sehr wichtiger Schritt zur Besserung!“

Die Sache mit der Weiblichkeit. Apropos eingestehen: Auch wenn hier in den letzten Jahren eine deutliche Verbesserung zu spüren ist, und das Klimakterium kein Tabuthema mehr ist, ist für viele Frauen der Wechsel immer noch negativ behaftet. Wieso? Psychotherapeutin Hilde Heindl (www.psychotherapeutin.at) ist überzeugt: „Viele Frauen definieren sich leider immer noch über ihr Äußeres. Beginnen die Wechseljahre, haben Frauen das Gefühl, an Attraktivität, Anziehungskraft und Sexualität zu verlieren. Das Selbstwertgefühl wird stark angeknackst, man fühlt sich weniger weiblich.“ Das habe nicht nur mit dem Äußeren, sondern auch mit der Reproduktion zu tun. Nicht mehr Kinder bekommen zu können ist ein ganz wesentlicher Schnitt im Leben einer Frau – auch, wenn man dies gar nicht möchte. „Aber die Möglichkeit, es zu können, ist entscheidend!“, betont Heindl. Und der Wechsel bedeutet nun mal auch, älter zu werden. „Und Alt-Werden ist immer eine Kränkung“, so Heindl. Auch die Angst vor Krankheiten wird größer.

Homöopathie. Während der Wechseljahre hilft der Frauenarzt des Vertrauens, die Beschwerden zu mildern. Sind diese leicht bis mittelstark ausgeprägt, kann man eine pflanzliche (u. a. Baldrian, Melisse, Johanniskraut, Traubensilberkerze) bzw. homöopathische Behandlung versuchen. Die sogenannten Phytohormone sind u. a. in Soja(produkten), Tofu, aber auch in Leinsamen, Hülsenfrüchten, Rotklee, Getreide, Brokkoli, Karotten, Äpfeln, Beeren und Birnen enthalten. Kalziumreiche Lebensmittel stärken zudem die Knochen. Tipp: Bei Hitzewallungen sollten Sie auf Kaffee, Alkohol und scharfe Gerichte verzichten! Auch Yoga, Qigong oder autogenes Training können bei nicht stark ausgeprägten Beschwerden helfen. Leidet man an depressiven Verstimmungen, helfen Serotoninblocker, morgens wieder leichter aus dem Bett zu kommen. Und schlussendlich gibt es die Hormonersatztherapie (HET), die am öftesten bei wechselbedingten Symptomen angewandt wird. Hier allerdings gibt es einige Punkte zu beachten.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Glücklich in den zweiten Frühling
Seite 2 Hormontherapie

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