Freitag, 15. November 2019

Glücklich durch die Wechseljahre

Ausgabe 04/2012
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Wechseljahre bedeuten nicht nur Hitzewallungen, Schlafstörungen und Kopfschmerzen, sondern sie leiten vor allem auch ein Stück neuer Freiheit ein – genießen Sie diese!

Foto: istock.com - Jacob Wackerhausen
Fürchten Sie den Wechsel, freuen Sie sich darauf oder sehen Sie dem ganzen mit gemischten Gefühlen entgegen? Wie auch immer Ihre Empfindungen sein mögen, so sind sie vermutlich nicht nur von Ihrer persönlichen Einstellung geprägt, sondern auch von Familienmustern und gesellschaftlich-kulturellen Normen. Wussten Sie zum Beispiel, dass in manchen – vor allem asiatischen – Kulturen die Wertigkeit einer Frau im Wechsel stark zunimmt? Oder dass Frauen anderer Kulturen weniger unter den Wechseljahren leiden als Frauen des europäischen und amerikanischen Kulturkreises? „Überall dort, wo der Fortfall der Fortpflanzungsfähigkeit einhergeht mit größerer Freiheit, Achtung, Kraft, Macht und weitergehenden Rechten, sind die negativen körperlichen Symptome der Wechseljahre eher unbekannt“, analysiert etwa die deutsche Psychologin, Journalistin und Buchautorin Theresia Maria de Jong.

Jugend adé? Bei uns hingegen – es ist sattsam bekannt – herrscht eher die ganz große Sorge um den Verlust der Attraktivität und Jugendlichkeit, und die wird uns Frauen medial und auch persönlich ständig eingeredet. Doch langsam, ganz langsam beginnen sich auch andere Stimmen zu Wort zu melden. Das Klimakterium ist heute zumindest kein großes Tabu mehr; die meisten Frauen können offen über ihre Ängste, Wünsche und Hoffnungen, die mit diesem neuen Lebensabschnitt verbunden sind, reden. Und sie sind auch viel besser als je zuvor über die Hintergründe des Klimakteriums informiert. Manchmal vielleicht auch fehlinformiert, denn in der medialen Berichterstattung dominiert häufig das Thema der Beschwerden, die man in diesem Lebensabschnitt haben kann. Die Realität zeigt aber, dass die Mehrzahl der Frauen unter keinen Wechseljahresbeschwerden leidet.

Tipps gegen Wechselbeschwerden
  • Bewegen Sie sich regelmäßig! Wählen Sie den Sport, der Ihnen wirklich Spaß macht und sorgen Sie zumindest dreimal in der Woche für mindestens 20 Minuten Ausdauertraining. Das hilft bei depressiven Verstimmungen und Schlafproblemen und beugt zudem der Gewichtszunahme vor. Weiters ist wissenschaftlich belegt, dass regelmäßiges Ausdauertraining auch das Brustkrebsrisiko deutlich senkt.
  • Rauchen Sie nicht! Raucherinnen kommen statistisch gesehen früher in den Wechsel. Abgesehen von anderen Risiken wie Herzkreislauf- und Krebserkrankungen hat Rauchen auch negativen Einfluss auf die Haut.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen! Essen Sie Vitamine, reichlich vor allem Vitamin D. Auch Kalzium ist wichtig. Des Weiteren viel Obst, Gemüse und Nüsse genießen.
  • Vermeiden Sie Stress! Wählen Sie die Stressabbaumethode, die Ihnen gefällt – egal ob Yoga, Entspannungsübungen oder was auch immer Sie anspricht. Tun Sie alles, was hilft, um ein gutes Körperbewusstsein zu schaffen.


Alte Vorurteile widerlegt. Tatsächlich belegt auch eine österreichweite Studie, dass nur 36 Prozent der Frauen im Alter zwischen 35 und 60 Jahren Wechseljahresbeschwerden erleben. Am häufigsten wurden dabei mit 90 Prozent Hitzewallungengenannt, danach folgen mit 29 Prozent Schlafstörungen, mit 20 Prozent psychische Beschwerden, mit 14 Prozent verminderte Belastbarkeit und mit 7 Prozent sexuelle Probleme. Und noch ein Vorurteil gilt es zu widerlegen: Depressionen sind kein häufiges Merkmal der Wechseljahre. „Die Mehrzahl der relevanten Studien zu diesem Thema hat gezeigt, dass Depressionen im Klimakterium nicht häufiger auftreten als in anderen Lebensabschnitten. Vielmehr sind Depressionen in der Vorgeschichte einer Frau sowie bestimmte kognitive und soziale Faktoren in ganz erheblicher Weise mit dem Auftreten dieser Erkrankung in den Wechseljahren assoziiert“, sagt die Gynäkologin, OÄ Dr. Seline Rackl vom Landesklinikum Thermenregion Hainburg. Und: „Dass Depressionen in diesem Lebensabschnitt scheinbar gehäuft vorkommen, mag eine Folge von Schlafstörungen, Hitzewallungen und anderen Symptomen sein, die sich aber andererseits wieder gut mit einer Hormontherapie behandeln lassen. Ist das nicht der Fall, so kann auch der gezielte und überlegte Einsatz von Antidepressiva helfen.“

Wann „es“ beginnt. Doch zurück an den Anfang. Und da steht für viele Frauen, die noch nicht im Wechsel sind, die Frage, wann „es“ denn beginnen wird und woran frau das merkt. „Typische erste Anzeichen sind Veränderungen des Zyklus wie etwa eine kürzere Blutungsdauer, verstärkte Blutungen oder auch verlängerte Zyklen bis zum Ausbleiben der Regelblutung. Der definitive Eintritt der Menopause kann nur retrospektiv mit einem einjährigen Ausbleiben der Blutung festgelegt werden,“ erklärt Rackl. Doch sie hat auch einen handfesten Tipp: „Orientieren kann man sich dabei in der eigenen Familie – der Zeitpunkt, da die Menopause bei der Mutter oder einer älteren Schwester eintrat, ist oft ein wichtiger Hinweis, denn offenbar gibt es diesbezüglich auch genetische Faktoren.“ Andere typische Anzeichen für den Beginn der Menopause können die berüchtigten Hitzewallungen, nächtliche Schweißausbrüche, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Konzentrations- und Schlafstörungen sein. Klar fragen sich viele Frauen auch, wie lange sie damit kämpfen werden müssen. Die Gynäkologin dazu: „Im Schnitt verringern sich die Symptome in den ersten zwei Jahren der Postmenopause oder sie verschwinden gänzlich. Nur wenige Frauen leiden fünf oder mehr Jahre unter diesen Beschwerden.“

wechseljahre, frau, spiegelFoto: istock.com - Jacob Wackerhausen

Ist eine Hormontherapie sinnvoll? Was nun die viel diskutierte Hormontherapie betrifft, so muss ihr Einsatz laut einhelliger Expertenmeinung individuell geschehen. Dabei geht es in erster Linie um eine Nutzen/Risiko-Abwägung. Faktoren wie allgemeiner Gesundheitszustand, etwaige Nebenerkrankungen, Lebensstil, Alter, Menopausenalter, eventuell vorausgehende Hormontherapie sowie Anwendungsdauer, Dosierung und Typ der Hormontherapie müssen in die Beratung mit einfließen. Ist die passende Therapie gefunden, so lassen sich damit gute Erfolge bei Beschwerden wie Hitzewallungen sowie Schleimhautproblemen und Schlafstörungen erzielen. Die Therapie selbst und ihre Dauer richten sich nach den individuellen Beschwerden und beträgt durchschnittlich fünf, längstens jedoch zehn Jahre.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Glücklich durch die Wechseljahre
Seite 2 Was tun?

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