Samstag, 23. Februar 2019

„Glück und Zufriedenheit sind gut für unser Herz“

Ausgabe 2017.09
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GESÜNDER LEBEN sprach mit Fachärztin Univ.-Prof. Dr. Irene Lang, stellvertretende Leiterin der Klinischen Abteilung für Kardiologie am Wiener AKH, über wichtige Entwicklungen und Veränderungen, die in den vergangenen 25 Jahren im Bereich der Herzmedizin beobachtet werden konnten.


Foto: Studio Wilke Wien

 

Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall
Herz-Kreislauf-Beschwerden zählen nicht nur weltweit zu den häufigsten Erkrankungen, sondern stellen mit rund 45 Prozent die häufigste Todesursache in den westlichen Ländern dar. Dennoch: In den vergangenen Jahrzehnten ist die kardiovaskuläre Sterblichkeit auf ein Drittel zurückgegangen. Waren es 1970 noch etwa 450 Tote pro 100.000 Menschen, sind es heute rund 100. Dieser deutliche Rückgang der kardiovaskulären Sterblichkeit ist auf Meilensteine in der Herz-Kreislauf-Medizin zurückzuführen.

GESÜNDER LEBEN: Mit welchen Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben die Menschen denn heute am häufigsten zu kämpfen?
Irene Lang: Das sind ganz klar der Herzinfarkt, der Schlaganfall und die Pulmonalembolie (Lungenembolie, Anm. d. Red.). Hohe Blutfettwerte, Übergewicht, hoher Blutzucker, Bewegungsarmut und das Rauchen sind dabei die Killer Nummer 1. Und: Auch Stress sowie psychische Belastungen aller Art können für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich sein – vor allem bei Frauen.

GL: Frauenherzen leiden bekanntlich anders. Welche geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt es hier?
Frauen erkranken – vermutlich hormonell bedingt – etwa 10 bis 15 Jahre später an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zu den wichtigen Ursachen zählt hier der Nikotinkonsum, der unter Frauen leider nach wie vor ungebrochen hoch ist und katastrophale Auswirkungen hat.

GL: Gibt es Warnzeichen, insbesondere für den Herzinfarkt, bei denen ein Arzt besucht werden sollte?
Die Warnzeichen für den Herzinfarkt sind der Bevölkerung gut bekannt: Das ist klassischerweise die zunehmende Atemnot, Druck auf der Brust, Schmerz-Ausstrahlung in Arme und das Kiefergelenk, Angst, Schweiß-
ausbrüche, Schwindel und Übelkeit. Die Schmerzen treten vorrangig links auf, können sich aber, besonders bei Frauen, auch rechts bemerkbar machen. Wichtig: Die Symptome tauchen meist Tage vor dem Ereignis in leichten Wellen auf und verschwinden dann wieder. Diese wiederkehrende Symptomatik sollte die Patienten zum Arztbesuch motivieren.

GL: In den letzten Jahrzehnten konnte nichtsdestotrotz ein deutlicher Rückgang der Sterblichkeit im Herz-Kreislauf-Bereich verzeichnet werden. Worauf ist diese positive Entwicklung zurückzuführen?
Hier muss man etwas weiter ausholen: Ab den 1960er- Jahren wurde mit der Etablierung von sogenannten Coronary Care Units (CCUs), also kardialen Intensivstationen, eine unaufhaltsame Entwicklung ins Rollen gebracht. Dieser Trend, in Spitälern kleine Bettenstationen mit entsprechender Herzüberwachung einzurichten und hier Akutpatienten mit Koronarerkrankungen zu segregieren und individuell zu behandeln, kam ursprünglich aus den USA und wurde von Dr. Fritz Kaindl, dem Pionier der österreichischen Kardiologie, aufgegriffen und auch hierzulande umgesetzt. Sich gezielt auf Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen einzulassen, war damals etwas ganz Neues. Damals ist die kardiovaskuläre Sterblichkeit erstmals zurückgegangen.

GL: Wie ging es dann weiter?
Recht rasant. Fast unmittelbar danach entwickelte sich mit der sogenannten Koronarangiografie eine neue, ganz essenzielle Diagnosemethode. Dabei handelt es sich um eine spezielle Form der Röntgenuntersuchung, bei der die Koronararterien abgebildet werden. Sie wird – nach wie vor – im Rahmen von Herzkatheter-Untersuchungen durchgeführt. Später wurde sie durch den Herzultraschall, im Fachjargon unter Echokardiografie bekannt, und die Magnetresonanztherapie ergänzt.
Parallel dazu wurden in den 1970er-Jahren neue Medikamente wie beispielsweise Betablocker und Statine auf den Markt gebracht, die zur langfristigen Behandlung der koronaren Herzerkrankung beigetragen haben. Und: Ende der 1960er-Jahre hat sich die Herz-Kreislauf-Medizin mit Aufkommen der Bypass-Operation, bei der verengte oder verstopfte Herzkranzgefäße durch eine Umleitung quasi überbrückt werden, weltweit neu formiert.
Dazu kamen neue Behandlungsmethoden wie die koronare Angioplastie, bei der ein verengtes oder verschlossenes Herzkranzgefäß mit einem Ballonkatheter aufgedehnt wird, präventive Maßnahmen wie Gefäßstützen, also Stents, die ein Blutgefäß dauerhaft offen halten können, neue Therapieformen wie der erste Defibrillator, weitere neue Medikamente, mit denen Blutgerinnsel aufgelöst werden konnten, sowie, last, but not least, die organisierte Herzinfarkt-Versorgung. Dabei gingen Kardiologen und Notfallmediziner eine intensive Partnerschaft ein, um – bis heute – interdisziplinär zu arbeiten und Herzerkrankungen zu behandeln. All diese Meilensteine haben zur Weiterentwicklung der Kardiologie massiv beigetragen.

Übersicht zu diesem Artikel:
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