Sonntag, 16. Juni 2019

Gleitsichtbrille - eine Brille für mich?

Ausgabe 03.2015

Eine Gleitsichtbrille ist Fernbrille und Nahbrille in einem. Ein Umstieg ist für alle sinnvoll, die an Altersweitsichtigkeit leiden und nicht zwischen mehreren Brillen wechseln wollen.


Foto: ©Can Stock Photo Inc. - nastia1983

Ich und altersweitsichtig? Ich bin doch noch keine 45!“ So oder ähnlich dürften viele denken, wenn ihnen der Augenarzt zum ersten Mal ans Herz legt, sich wegen Altersweitsichtigkeit doch eine Gleitsichtbrille zuzulegen. Mag man sich auch noch jung fühlen, die Zeit hinterlässt ihre Spuren, auch in den Augen. So lässt sich im Supermarkt das Etikett nicht mehr lesen oder die Schrift in Büchern scheint immer kleiner zu werden. Lange Zeit will man es nicht wahrhaben, aber irgendwann wird einem der Augenarzt die Augen öffnen und das Problem benennen: er nennt es „Presbyopie“ oder deutlicher, so wie der Volksmund: Altersweitsichtigkeit.
Bereits ab dem 40. Lebensjahr muss man mit einer solchen Diagnose rechnen. Denn ab 40 nimmt die Flexibilität der Augenlinse ab. Sie verhärtet sich und kann dadurch unterschiedliche Nah- und Fernpunkte nicht mehr abwechselnd scharf auf der Netzhautebene abbilden. „Das ist ein ganz normaler Alterungsprozess, der lässt sich nicht verhindern“, sagt Dr. Bernhard Wienerroither, Facharzt für Augenheilkunde in Linz.

Gleitsichtbrille als Lösung. Die Lösung ist in vielen Fällen eine Gleitsichtbrille. Sie beinhaltet mehrere Sehzonen und korrigiert so mehrere Sehschwächen gleichzeitig. Sie ist Fernbrille und Nahbrille in einem. Im oberen Teil wird das Sehen in die Ferne verbessert, im unteren Teil das Sehen in die Nähe. Die dazwischenliegende Übergangszone korrigiert die Sehschärfe stufenlos. Ein Umstieg ist sinnvoll, wenn man nicht zwischen mehreren Brillen (Fernbrille, Lesebrille, Arbeitsbrille) wechseln will. Träger einer „normalen“ Brille müssen aber nicht automatisch zu einer Gleitsichtbrille wechseln, nur weil sie die 40 überschritten haben. Ein Wechsel ist aber dann eine Überlegung wert, wenn sich die Nahsichtigkeit verschlechtert, wenn man mit der normalen Brille nicht mehr lesen kann und das Buch immer weiter von sich weg hält. Man sollte den Kauf einer Brille nicht unnötig hinausschieben, sondern bei beginnender Verschlechterung der Nahsicht zur Gleitsichtbrille wechseln. Der Grund: Der Unterschied von Nah- und Fernteil in der Brille ist zu einem frühen Zeitpunkt geringer und man kann sich dadurch leichter an das neue Sehen gewöhnen. „Zum Eingewöhnen sollte man die Gleitsichtbrille nur im Sitzen tragen. Hat man damit keine Probleme, kann man sie dann überall verwenden. Die meisten haben keinerlei Probleme und würden ihre Brille nicht mehr gegen ihr altes Modell umtauschen wollen“, sagt Dr. Wienerroither.

Vom Profi anpassen lassen. Gleitsichtbrillen sollten beim Optiker oder im Fachhandel individuell angepasst werden. Ausschlaggebend für die genaue Ausrichtung der Sehzonen der Gläser ist die individuelle Nutzung der Brille, also wofür der Träger die Brille vorwiegend verwendet. Bei der Wahl der Fassung sollte man auf ausreichend große Glasflächen achten, zu kleine Gläser können die Verträglichkeit der Brille schmälern. Auch die Größe und Anordnung der einzelnen Sehzonen im Glas sollten maßgeschneidert angepasst werden, das erhöht die Verträglichkeit. Eine Gleitsichtbrille hält je nach Qualität und Pflege drei bis fünf Jahre. Die meisten Brillengläser sind aus Kunststoff. Auch Kontaktlinsen sind im Gleitsichtformat möglich, jedoch wird diese Möglichkeit selten in Anspruch genommen.
Mögliche Alternativen zur Gleitsichtbrille sind Einstärken-Kontaktlinsen plus Nahbrille oder Mehrstärkenkontaktlinsen. „Auch eine Laserkorrektur der Altersweitsichtigkeit ist heute möglich. Man kann dabei eine sogenannte Monovision erzielen, wobei das dominante Auge für die Ferne, das andere für die Nähe korrigiert wird. Damit kann man in vielen Fällen einen Kompromiss erreichen, vor allem bei beginnender Altersweitsichtigkeit“, so Dr. Wienerroither.

Kommt eine Gleitsichtbrille für mich in Frage?

Vorteile

  • Man benötigt nur eine Brille für alle Sehsituationen und ständiges Wechseln ist daher nicht nötig: Eine Gleitsichtbrille kann mehrere Sehschwächen gleichzeitig korrigieren (Fern- und Nahbrille) und korrigiert eine Hornhautverkrümmung.
  • Die Gleitsichtbrille ist bei schnell und ständig wechselnden Sehbereichen sehr vorteilhaft.
  • Der Übergang zwischen den Sehfeldern in den Brillengläsern ist gleitend und man sieht auch in den Zwischendistanzen scharf und klar. Man hat also auch in den mittleren Entfernungen einen klaren Blick.
  • Gleitsichtgläser lassen sich auch als Sonnenbrillen anfertigen. Oder man wählt phototrope Gleitsichtgläser. Das sind Brillengläser, die bei Helligkeit von selbst tönen, also dunkler werden.
  • Da man Gleitsichtgläser bis zu einer Sehstärke von mehr als +/-10 Dioptrien anpassen kann, sind sie für fast alle Brillenträger geeignet.
  • Eine Gleitsichtbrille kann auch beim Sport getragen werden.

 

Nachteile

  • Die Sehbereiche für Ferne und Nähe sind kleiner als bei einer normalen Brille. Das ist gewöhnungsbedürftig. Schwindel und Kopfschmerzen sind in der Eingewöhnungsphase möglich.
  • Man muss sich ein neues Sehverhalten angewöhnen. Mit einer Gleitsichtbrille steuert man den Blick nicht nur mit den Augen, sondern auch durch Heben und Senken des Kopfes. Durch eine Kopfbewegung macht man das Bild scharf oder unscharf, je nachdem, wohin man sieht.
  • Das Lesen im Liegen fällt schwerer. Wer gerne im Bett liest, braucht unter Umständen eine zusätzliche Lesebrille.
  • Bildschirmarbeiter können mit einer Gleitsichtbrille Probleme mit der Halswirbelsäule bekommen, weil man mit dieser Brille das Kinn ein wenig anheben muss, um auf die Bildschirmdistanz scharf zu sehen. Das kann auf die Dauer zu Verspannungen führen.
  • Gleitsichtgläser sind deutlich teurer als Einstärkengläser.

 

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